Während Leipzig an einem fahrerlosen Busshuttle auf einer regulären Linie zwischen Messe und BMW-Werk arbeitet, hat der Landkreis Sachsen so ein Projekt im touristischen Bereich angeschoben. Nordsachsens Landrat Kai Emanuel hat sich am Dienstag, 8. März, gemeinsam mit dem Rackwitzer Bürgermeister Steffen Schwalbe vor Ort über den Stand dieses Projektes „FLASH“ informiert.

Das „FahrerLose Automatisierte SHuttle“ pendelt künftig zwischen dem S-Bahnhof Rackwitz und der Schladitzer Bucht, die damit Anschluss an das öffentliche Nahverkehrsnetz inklusive Übergang zu den S-Bahn-Linien in Richtung Leipzig und Delitzsch findet. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h wird FLASH zu den schnellsten automatisiert fahrenden Bussen in Deutschland gehören.

„Derzeit befindet sich das Shuttle im sogenannten Applikationsbetrieb und erlernt auf seiner künftigen Strecke im realen Straßenverkehrsraum alle hochautomatisierten Fahrfunktionen“, erzählt Landrat Emanuel von seinem Besuch in Rackwitz. Dabei stellte er erfreut fest: „Vorausgesetzt, alle notwendigen Genehmigungen liegen bis dahin vor, kann voraussichtlich Mitte Juli der Pilotbetrieb mit Fahrgästen zum üblichen Tarif im Mitteldeutschen Verkehrsverbund starten.“

In dieser letzten Projektphase sollen dann neben der Überwachung und Anpassung von Funktionen weitere Erkenntnisse zum Umgang mit automatisierten Verkehrsmitteln im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – vom Ticketing bis zur Vermeidung von Kapazitätsengpässen – gesammelt werden.

FLASH – ein umgebauter VW Crafter mit vollständiger ÖPNV-Ausstattung – kann rund 20 Personen gleichzeitig befördern und verfügt über ein hybrides Steuerungskonzept, das einen problemlosen Wechsel zwischen automatischem und manuellem Betrieb ermöglicht.

Ein sogenannter Sicherheitsfahrer kann dadurch jederzeit eingreifen und den Bus übernehmen. Dieser Sicherheitsfahrer bleibt freilich mit Start des Projekts für den Publikumsverkehr erst einmal an Bord. In Zukunft soll das auch ferngesteuert und damit unterbrechungsfrei über eine Leitstelle möglich werden.

„Nach Abschluss des Pilotbetriebs wird FLASH als innovatives Verkehrsangebot zum Bestandteil des regulären Liniennetzes werden“, sagt Landrat Emanuel.

Er sieht fahrerlose Busse schon als wichtigen Teil der Verkehrslösungen im Kreis: „Insbesondere in ländlichen Regionen mit geringer Siedlungsdichte kann das flexible Shuttle-System für die sogenannte letzte Meile zwischen S-Bahn- oder PlusBus-Haltestellen ausgerollt werden. Das führt dann gleichzeitig zu einer schnelleren und damit attraktiveren PlusBus-Verbindung, da sehr kleine Ortsteile von den großen Bussen nicht mehr angefahren werden müssen.“

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