Im November hatten die Stadtwerke Leipzig erstmals gewarnt. Da konnten sie noch nicht absehen, welche Folgen das am 26. Juli 2011 verabschiedete "Gesetz zur Neuregelung energiewirtschaftlicher Vorschriften" für den Strompreis in Leipzig haben würde. Jetzt wissen sie es: Am 1. April steigt der Strompreis in Leipzig.

Im Schatten des beschlossenen Ausstiegs aus der Atomstromerzeugung hatte die Bundesregierung damals eine Regelung verabschiedet, die die Netzgeldabgaben für Unternehmen, die mehr als 100.000 Kilowattstunden verbrauchen, auf 0,05 Cent je kWh senkt, für solche mit einem Verbrauch von mehr als 10 Gigawattstunden sogar auf 0,025. Vergünstigungen, die ja nicht irgendwo im Raum verschwinden – die Kosten für den Betrieb der Netze (die ja gerade von energieintensiven Unternehmen besonders in Anspruch genommen werden) bleiben ja bestehen. Sie werden nur umverteilt.

Und wenn die Großen beschenkt werden, bekommen die Kleinen die saftige Rechnung – nicht nur Privathaushalte, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen. Und auch – das ist der Unfug an der Geschichte – Unternehmen, die mit Strom effizient und sparsam umgehen. Sie zahlen jetzt alle drauf.

Und so teilen die Stadtwerke Leipzig am heutigen 9. Februar mit, dass sie zum 1. April 2012 ihre Preise für Strom anpassen müssen. “Eine wesentliche Ursache für die Preiserhöhung ist die neue staatlich veranlasste Umlage. Mit dieser wird die politisch gewollte Entlastung stromintensiver Industriebetriebe von Netzentgelten finanziert”, erklärt das kommunale Unternehmen, dessen Netz-Tochter die Leipziger Netze betreibt.

Die sogenannte “§ 19 StromNEV*-Umlage” wird bundesweit allen Stromversorgungsunternehmen – so auch den Stadtwerken Leipzig – von den Netzbetreibern ab 1. Januar 2012 in Rechnung gestellt. Die Höhe der Umlage beträgt im Jahr 2012 0,151 Cent pro Kilowattstunde netto.

Die Bundesnetzagentur hat am 15. Dezember 2011 die Festlegung der Umlage nach § 19 Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) veröffentlicht. Der Gesetzgeber will damit die stromintensive Industrie mit einer Benutzungsstundenzahl von mindestens 7.000 Stunden und einer Abnahme von mehr als zehn Millionen Kilowattstunden grundsätzlich von den Netzentgelten befreien. Die Kosten werden dabei über eine Umlage auf alle deutschen Stromkunden übertragen. Die § 19 StromNEV-Umlage wird ab dem 1. Januar 2012 von Letztverbrauchern erhoben.

Dazu kommen als weiterer Grund für die Erhöhung die gestiegenen Netznutzungsentgelte. Mit Wirksamkeit zum 1. Januar 2012 wurden die neuen Netzentgelte veröffentlicht. Diese sind im Vergleich zu 2011 um rund 4,5 Prozent gestiegen.

“Nachdem die meisten Verträge seit mindestens einem Jahr konstant geblieben sind, sahen sich die Stadtwerke Leipzig nun aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen veranlasst, die Kostensituation zu prüfen”, heißt es aus dem Energieunternehmen.

Die Summe aller Änderungen, die sich durch die erhöhten Netznutzungsentgelte und die Einführung der neuen Umlage rückwirkend ab dem 1. Januar 2012 ergeben, beträgt 0,56 ct/kWh netto. Angepasst werden ab 1. April 2012 alle Standardverträge ohne bestehende Preisstabilität. Die Preiserhöhung macht durchschnittlich etwa 2 % aus – das entspricht annähernd 1,00 Euro brutto im Monat.

“Der Strompreis besteht mittlerweile aus rund 46 Prozent Steuern, Abgaben und staatlich veranlassten Belastungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Dennoch werden wir auch zukünftig alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, um die Preise so lange wie möglich stabil zu halten”, erläutert Thomas Prauße, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Leipzig.

Für diejenigen, die unabhängig von Schwankungen der Strom- und Gaspreise planen wollen, bieten die Stadtwerke Leipzig seit mehreren Jahren ihre Bestpreis-Produkte an. Diese garantieren den Kunden für längere Zeiträume stabile Preise (ausgenommen Änderungen von Steuern, Abgaben und staatlich veranlassten Belastungen), außerdem einen Preisvorteil gegenüber der Grundversorgung.

Der Strompreis setzt sich zusammen aus den Kosten für die Beschaffung (etwa 32 Prozent), den staatlich festgelegten Netzentgelten (etwa 22 Prozent) und den Steuern, Abgaben und weiteren staatlichen Belastungen (z.B. Umsatzsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und § 19 StromNEV-Umlage: in Summe etwa 46 Prozent).

Das Energieversorgungsunternehmen will zum 1. April 2012 außerdem ein weiteres Strom-Produkt strom21.bestpreis auflegen, dessen Preisstabilität nun sogar für bis zu 24 Monate gelten soll. Es beruht auf umweltschonend erzeugtem – 100 Prozent atomstromfreiem – Strom aus der Gas- und Dampfturbinenanlage der Stadtwerke Leipzig und enthält weiterhin die bewährte Bestpreis-Abrechnung.

Da derzeit schwer absehbar ist, wie sich die Energiepreise entwickeln, sei strom21.bestpreis mit einer Preisstabilität von bis zu 24 Monaten eine interessante Alternative, so die SWL.

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