Bei der Deutschen Bahn ist es Dauerthema, sind die Schlagzeilen voll mit Geschichten zu Verspätungen und Zugausfällen. Aber wie sieht es eigentlich bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) aus? Da erlebt man ja als Fahrgast zuweilen Abenteuerliches, weil Bahnen ausfallen, Umleitungen fahren oder man selbst drin sitzt in einer Bahn, die irgendwo feststeckt. Irgendwie gibt es auch in der BSW-Fraktion im Leipziger Stadtrat Straßenbahnnutzer. Und die wollten jetzt einmal wissen, wie viele Störungen es so im LVB-Netz gibt im Jahr.

Die Antwort auf ihre Anfrage bekam die BSW-Fraktion dann am 26. März in der Ratsversammlung. Und auf den ersten Blick sah die Zahl, die sie da vom Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) bekam, mächtig gewaltig aus: „Im Jahr 2025 gab es 6.343 Störungen, welche zu 3.700 Fahrplanausfällen bei den LVB führten. Diese sind nicht immer sinnvoll einer Linie zuzuordnen, da z. B. Unfälle oder Infrastrukturschäden nicht zwingend einen Linienbezug haben. Eine Darstellung nach Linien würde daher ein sehr verzerrtes Bild abgeben, weshalb die LVB auf diese verzichten. Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Anzahl der Vorkommnisse keine Aussage zur Auswirkung dessen auf den Linienverkehr trifft.“

Zu dieser Zahl gehört natürlich auch die Zahl aller Fahrten im LVB-Netz, und die ist beachtlich: Es sind über 1 Million Fahrten pro Jahr. „Fahrtverzögerungen oder Ausfälle einzelner Fahrten in Folge von Störungen sind in den Gesamtkontext der LVB-Leistungserfüllung von 99,4 % der angebotenen Fahrplanleistung zu setzen, d. h. die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf die 0,6 % der nicht erbrachten Leistung“, betont das MTA.

Was das Warten an der Haltestelle, wenn die Bahn nicht kommt, trotzdem nicht angenehmer macht.

Fahrzeugschäden, Behinderungen, Unfälle

Aber dass sie nicht kommt, hat ganz unterschiedliche Gründe, wie das MTA mitteilt: „Bezogen auf die Straßenbahn sind die vier häufigsten Ursachen für Fahrtausfälle der letzten 5 Jahre (2021–2025) Fahrzeugschäden (33 %), Behinderungen/Streckenblockierungen (30 %), Unfälle (20 %) und Fahrpersonal (5 %).“

Und weiter: „Die häufigsten Ursachen für Fahrtausfälle durch Unfälle sind solche mit Kraftfahrzeugen (76 %), mit Fußgängern (9 %) und mit Fahrradfahrern (5 %). Dies jeweils bezogen auf die resultierenden Ausfälle, nicht die Anzahl an Störungen.“

Und nicht alle Fahrzeugschäden resultieren aus der Klapprigkeit der älteren Fahrzeuge. Oft sind es auch rücksichtlose Fahrgäste, die mit Gewalt Türen blockieren und am Ende dafür sorgen, dass das Fahrzeug aus dem Dienst genommen werden muss, weil die ausgehängte Tür sich nicht mehr schließen lässt.

Bahnen auf Umleitung

Aber die Zahlen zeigen eben auch, wie oft es zu Konflikten mit anderen Fahrzeugen kommt – mal direkt als Unfall, mal als versperrter Linienweg, weil jemand sein Auto unbedingt auf den Gleisen parken musste. Und jedes Mal hat das Auswirkungen auf den gesamten Betrieb auf der Linie.

Was diese Ausfälle und Schäden insgesamt kosten, können die LVB freilich nicht beziffern, weil bei Unfällen die Versicherung des Verursachers greift. Um kurzfristig für Ersatz auf blockierten Linien zu sorgen, wenden die LVB jährlich zwischen 500.000 und 1 Million Euro auf. Und wo sie können, schicken sie die Nachfolgebahnen auf Umleitungskurse, um die blockierten Stellen zu umfahren.

Dasselbe machen sie auch bei angekündigten Kundgebungen und Demonstrationen auf betroffenen Linien. Sodass man dann als Fahrgast zwar länger unterwegs ist, aber trotzdem ans Ziel kommt. Und dass die Störanfälligkeit der in die Jahre gekommenen Straßenbahntypen zunimmt, ignoriert man in der LVB-Zentrale auch nicht:

„Die geplanten Investitionen in neue Straßenbahnen und die Instandhaltung des Streckennetzes sollen dazu dienen, störungsanfälligere, alte Fahrzeugserien auszutauschen und die Infrastrukturstörungen wie Gleisbrüche zu reduzieren. Wesentlich für den Erfolg dieser Maßnahmen wird sein, ob ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um diese Investitionen durchzuführen.“

Das kann man als Mahnung an den Stadtrat lesen, die Gelder zur Finanzierung der LVB nach dem angemeldeten Bedarf auch künftig zu genehmigen. Die Gelder kommen aus der Querfinanzierung durch Stadtwerke und Wasserwerke und sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, haben aber ermöglicht, dass die LVB ihr Angebot aufrechterhalten konnten.

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