Stück für Stück setzen die Leipziger Verkehrsbetriebe ihr „Liniennetz der Zukunft“ um, dem der Leipziger Stadtrat 2023 Grünes Licht gegeben hat. Am Mittwoch, 25. März, gab es dazu die Informationsvorlage, die jetzt die Maßnahmen in Stufe 3 des „Liniennetzes der Zukunft“ benennt.

Und eine Maßnahme rief insbesondere die SPD-Fraktion auf den Plan: die Einführung einer neuen, längeren Linie 71. Eigentlich ein echter Zugewinn. Aber dafür sollte die traditionsreiche Linie 89 verschwinden. Dafür gab es dann am Mittwoch ein klares Nein aus so gut wie allen Ratsfraktionen.

Normalerweise muss eine Informationsvorlage nicht abgestimmt werden. Welche Linien die LVB mit ihren Bussen und Bahnen fährt, entscheidet das kommunale Verkehrsunternehmen selbst. Und zwar aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen.

Im „Liniennetz der Zukunft“ geht es vor allem um die Erweiterung von Linien, eine Verdichtung des Angebots und die bessere Erschließung von Ortsteilen, die bis jetzt noch schlecht erschlossen sind. In diesem Fall insbesondere um Anger-Crottendorf im Osten der Stadt.

Dafür soll es – wenn die Baumaßnahmen in der Stötteritzer Straße beendet sind (wahrscheinlich im Mai 2027) – die neue Linie 71 geben. Die bisherige Linie 71 verkehrt derzeit in einer ziemlich kurzen Schleife zwischen Reudnitz und der Maskovstraße in Anger-Crottendorf.

Die Idee hinter der neuen Linie: Die Linie 89 mit ihrer Tour vom Connewitzer Kreuz über das Musikviertel wird mit der 71 verbunden, sodass man künftig von Connewitz bis Anger-Crottendorf durchfahren kann. Der Wermutstropfen dabei: „Durchfahrung der Innenstadt durch die Linie 89 entfällt.“

Die 89 muss bleiben

Was die SPD-Fraktion so nicht stehenlassen wollte. Schon deshalb nicht, weil nun die traditionsreiche Liniennummerierung 89 wegfallen sollte. Das geht gar nicht, fand SPD-Stadtrat Frank Franke. Die Liniennummer ist im Leipziger Liniennetz eine Ausnahme.

Und das aus gutem Grund. Denn sie erinnert direkt an den Herbst 1989. Durch die Nummerierung. Aber auch durch ihre Tour. Denn die 89 ist die einzige Buslinie, die auch direkt durch die Innenstadt fährt.

Kristina Weyh (Bündnis 90 / Die Grünen) im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer

Also beantragte die SPD-Fraktion nicht nur den Erhalt der wichtigen Liniennummer, sondern auch eine Prüfung, ob die künftige Linienführung auch weiter durch die City gehen kann. Auf den Wunsch, die Liniennummer 89 beizubehalten, reagierten die LVB schon positiv.

Doch die Streckenführung durch die City wird es ab 2027 nicht mehr geben. Und das hätten die LVB auch gut begründet, wie FDP-Stadtrat Sven Morlok anmerkte. Denn die Bemühungen der Stadt, die City wieder attraktiv zu machen, haben ja Erfolg gezeitigt.

Das Ergebnis aber ist: Die City ist rappelvoll. Es kommt immer wieder zu Konflikten und Beinah-Unfällen mit den Fußgängern, die den leisen, elektrisch betriebenen Bus nicht hören, wie Grünen-Stadträtin Kristina Weyh anmerkte. Gerade bei großen Festen in der City, wie dem Weihnachtsmarkt, muss der Bus die Innenstadt sowieso umfahren.

Drei Haltestellen am City-Rand

Und selbst wenn er durch die City fährt, fährt er aufgrund der vielen Passanten oft eine deftige Verspätung ein, die dann den Fahrerinnen und Fahrern an der Endhaltestelle die dringend notwendige Pause kostet. Auch auf so etwas müssen die LVB Rücksicht nehmen und haben deshalb eine neue Streckenführung vorgeschlagen, die die Innenstadt nur noch an drei Haltestellen am Rand berührt: Neues Rathaus, Wilhelm-Leuschner-Platz und Augustusplatz.

Baubürgemeister Thomas Dienberg wusste zwar noch nicht, dass die LVB der Beibehaltung der Liniennummer 89 zugestimmt hatten. Das ist wohl als Information bislang nur im Fachausschuss kommuniziert worden.

Aber das war nach einer kurzen Debatte am 25. März auch egal, denn die Ratsversammlung stimmte der Beibehaltung der Liniennummer 89 mit 42:9 Stimmen bei acht Enthaltungen zu. Den Wunsch der SPD-Fraktion, die Linienführung noch einmal prüfen zu lassen, lehnte die Ratsmehrheit hingegen mit 9:38 Stimmen bei zwölf Enthaltungen ab.

Womit nun klar ist, dass die 89 ab Mitte 2027 nicht mehr direkt durch die City fährt und auch den Hauptbahnhof nicht mehr berührt, dafür Anger-Crottendorf und Reudnitz direkt mit den City-Haltestellen, dem Musikviertel und Connewitz verbindet.

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