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Steigendes Bruttoinlandsprodukt hat 2014 kaum noch zur Stärkung des Konsums in Sachsen beigetragen

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    So ein bisschen haben dann die sächsischen Statistiker in Kamenz doch gestutzt, als sie den Konsumzuwachs in Sachsen für das Jahr 2014 ausrechneten. Das war ein Jahr, in dem das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat um 2,1 Prozent anstieg, die Arbeitnehmerentgelte sogar um 3,3 Prozent. Und trotzdem landete nur ein winziger Bruchteil dieses Zuwachses zusätzlich im Konsum.

    Der wird ja gern vergessen, wenn es um die Wirtschaftsleistung eines Landes geht. Sämtliche heimischen Produzenten hängen am heimischen Konsum. Die Gelder, die hier umgesetzt werden, machen ihre Produktion erst möglich – und damit Löhne und Gehälter, die wieder in Konsum umgesetzt werden. Würde man an deutschen Wirtschaftslehrstühlen wirklich ein komplettes Bild von Finanz- und Wirtschaftskreisläufen vermitteln, wäre unsere heutige Politik eine andere. Niemand würde ernsthaft über TTIP und CETA debattieren, die nur deshalb so starke Verfechter finden, weil die wesentlichen politischen Schlüsselpositionen in der EU mit Schmalspurdenkern besetzt sind, die in den zweidimensionalen Welten des Neoliberalismus leben und denken.

    Es überrascht nicht, dass sie zumeist blasiert und mit allerhöchstem Unverständnis in die Kamera schauen, wenn ihnen eine Frage aus der dritten Dimension gestellt wird: Sie kennen diese Dimension nicht, sie können damit gar nichts anfangen.

    Die sparsame sächsische Hausfrau natürlich schon. Die muss nämlich damit auskommen und zusehen, wie all die schönen Märchen, die ihr von den aktuell Regierenden erzählt werden, auf dem Papier zu Nichts zusammenschnurzeln. Von den dreisten staatlichen Übergriffen in ihr Portemonnaie mal ganz abgesehen.

    Womit logischerweise ein möglicher Wachstumsimpuls für die sächsische Wirtschaft einfach verpufft.

    Oder mit den Worten aus dem Statistischen Landesamt: „Die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Sachsen (einschließlich private Organisationen ohne Erwerbszweck) erreichten 2014 mit knapp 70,0 Milliarden € einen neuen Höchststand. Gegenüber 2013 ergab sich in jeweiligen Preisen ein Anstieg von 1,1 Prozent. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen lag bei annähernd zwei Dritteln.“

    Klingt ja schon ganz nett. Aber dann gibt es ja noch die Inflation, die dann mal beim Strompreis als Aufschlag spürbar wird, beim Gemüse, bei der Milch oder dem Fleisch. Nicht zu vergessen die Goldhamster des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder die saftigen Preiserhöhungen bei Nahverkehrsbetrieben. So ein bisschen spielte 2014 auch schon der kommende Mindestlohn mit hinein – vor allem Bäcker und Friseure zogen die Gehaltserhöhungen für ihr Personal lieber ein halbes Jahr vor, um nicht 2015 den ganzen Ärger zu haben.

    Ergebnis: Von den 1,1 Prozent blieb fast nichts übrig. Das Statistische Landesamt dazu: „Preisbereinigt, d.h. unter Ausschaltung von (Verbraucher-)Preiseffekten, betrug der Zuwachs 0,2 Prozent.“

    Das ist der Mini-Effekt, der dann wieder – na ja – wirksam wurde fürs sächsische Wirtschaftswachstum: „Damit trug der private Konsum der sächsischen Privathaushalte 2014 wiederum positiv, wenn auch nur zu 0,15 Prozentpunkten, zum realen Wirtschaftswachstum in Sachsen (2,1 Prozent) bei.“

    Also so gut wie gar nicht. Die sächsische Wirtschaft wuchs zwar umsatzmäßig, aber der inländische Konsum trug so gut wie nichts dazu bei. Die Sachsen konnten sich also nicht wirklich mehr leisten.

    „In den drei vorangegangenen Jahren war der entsprechende Beitrag zum Teil mehr als doppelt so hoch ausgefallen“, schreiben die Statistiker, liefern aber auch eine Tabelle mit, die zeigt, dass die Konsumeffekte im Westen der Republik noch deutlich höher sind. Was ja wohl bedeutet, dass die meisten Sachsen mit den kärglichen Lohnzuwächsen der letzten Jahre geradeso ihre Haushaltslöcher stopfen konnten, ohne neue Spielräume für Neuanschaffungen zu bekommen. Da hilft dann auch eine sinkende Arbeitslosenquote nicht, wenn der Effekt dann trotzdem heißt, dass die eigene Lebenssituation weiterhin stagniert oder – für ein Drittel der Sachsen der Normalzustand – im prekären Grenzraum bleibt: Der verdiente Euro ist schon längst ausgegeben, bevor er auch nur auf dem Konto erscheint.

    Nix da mit blühenden Landschaften. Auch das ist ein Grund für den Unmut in Teilen der Region.

    „Pro Einwohner wurden von den privaten Haushalten in Sachsen (einschließlich private Organisationen ohne Erwerbszweck) 2014 Konsumausgaben in Höhe von 17.271 € getätigt. Auf Bundesebene waren es mit 19.661 € je Einwohner gut ein Achtel mehr. Dabei reichte die Spanne der Pro-Kopf-Konsumausgaben von 16.758 € in Mecklenburg-Vorpommern bis 22.014 € in Hamburg.“

    Da stecken dann nicht nur die Schuhe für die Damen drin, das neue Smartphone, das Auto oder das Benzin dafür, sondern auch Wohnungsmieten und Hauskäufe, Reparaturen und diverse Zuzahlungen etwa für Medikamente.

    Die Sparquote ist in Sachsen übrigens 2014 genauso wie im Bund wieder gestiegen. Was auch eine Erklärung für den stockenden Konsumzuwachs ist: Gestiegen sind nämlich vor allem die höheren Einkommen, die auch vorher schon Spielraum für Sparrücklagen hatten. Deren Bezieher konnten mit der Lohnerhöhung nun noch etwas mehr Geld in Rücklagen stecken. Das nutzt dem Konsum und damit der sächsischen Wirtschaft – wie man sieht – herzlich wenig. Passt aber in die politisch dominierende Denkweise: Vorräte anlegen für ein fernes Rentnerdasein. So ist bundesdeutsche Politik ja tatsächlich.

    In die Röhre schauen all die jungen Menschen, die sich mit prekären Jobs irgendwie durchbringen müssen – und auf einen auskömmlichen Konsum lieber verzichten in der Hoffnung, die Alten denken mal um. Was sie aber sichtlich nicht tun.

    Die Mitteilung des Statistischen Landesamtes.

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