Open Innovation: Auch Kreatives Leipzig e. V. kritisiert Ausschreibung der Stadt Leipzig

Am 25. Juli veröffentlichte der Verein Kreatives Leipzig e.V. noch ganz unkommentiert die Mitteilung des Wirtschaftsdezernats der Stadt Leipzig über den Teilnahmewettbewerb "Open Innovation". 35.000 Euro stellt die Wirtschaftsförderung Leipzig dafür zur Verfügung. Doch an der Ausschreibung stimmt Vieles nicht. Am 1. August nahm der Verein, der sich 2010 gründete und die Kreativen der Stadt sammeln möchte, kritisch Stellung zu dieser Sommerfrucht.
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„Grundsätzlich begrüßen wir als Branchenverband natürlich jeden Euro, der durch die öffentliche Hand für die Leipziger Kreativwirtschaft eingesetzt wird und bei den Akteuren ankommt. Daher haben wir auch die Einladung angenommen, Mitglieder unseres Vorstandes in den Beirat zur Ausschreibung zu entsenden, der die Projekte letztlich auswählen wird“, heißt es im Statement des Vereins. Doch die Schwächen der Ausschreibung sind unübersehbar.

Und sie haben auch nichts damit zu tun, dass sich das Amt für Wirtschaftsförderung hier erstmals auf diese Weise der Kreativbranche zuwendet. Vielleicht aber doch: Vielleicht glaubt man tatsächlich, dass für die Kreativwirtschaft andere Gesetze gelten als für die „normale“ Wirtschaft.

Vier Kritikpunkte benennt der Vorstand des Kreatives Leipzig e.V.

1) Die geforderte Darlegung von Zeit- und Finanzierungsplänen sind innerhalb der sehr kurzen Bewerbungsfrist („noch dazu mitten im Sommer!“) geradezu realitätsfremd: Am 20. Juli veröffentlichte das Amt für Wirtschaftsförderung den Wettbewerb, am 5. August (also am gestrigen Sonntag), sollten die Bewerbungen schon auf dem Tisch liegen. Wie gesagt: In der ganz gewöhnlichen Wirtschaft winken Unternehmen derart hemdsärmeligen Fristen einfach ab.

Der Kreatives Leipzig e.V.: „Besser wäre es gewesen, die Mittel der Stadt Leipzig als ‚Prämie‘ auszuloben, einen Innovationsprozess für die Mitwirkung anderer zu öffnen.“

Obwohl auch der Begriff „Open Innovation“ vom ausschreibenden Amt augenscheinlich völlig missverstanden wurde. „Open Innovation“ beschreibt die Öffnung der unternehmensinternen Innovationsprozesse für alle Mitarbeiter und Abteilungen im Unternehmen.
2) „Die Ausschreibung fordert unverständlicherweise einen Projektabschluss bis Ende März 2013. Das heißt, geförderte Innovationsprozesse müssen binnen eines halben Jahres abgeschlossen sein – eine ziemlich unrealistische Vorgabe für ernsthafte Neuentwicklungen“, stellt der Verein fest.

3) Unverständlich sei auch die Einengung der Förderberechtigten auf die Kreativschaffenden selbst. Denn das Potenzial für die gewünschten Innovationsprozesse bestünde – neben der (Kreativ-)Branche IT – wohl eher bei den ganz normalen Unternehmen der klassischen Cluster.

Womit der Verein so ganz im Stillen den nächsten Denkfehler in der Leipziger Wirtschaftsförderung benennt: Die Kreativwirtschaft als einen völlig für sich agierenden Kosmos zu betrachten – und völlig auszublenden, dass auch die Kreativwirtschaft zuallererst als Dienstleister und Schmiermittel für die Innovationsprozesse in allen Branchen funktioniert. Dass die meisten Kreativen in Leipzig unter prekärsten Bedingungen arbeiten, hat eher mit fehlenden Aufträgen zu tun.

4) Und dann ist da der nicht ganz unwichtige Aspekt, den sich Unternehmen in der Regel mit Patenten schützen lassen: „Niemand rückt gern mit Ideen heraus, ohne zu wissen, wer sie liest, und was diejenigen vielleicht daraus machen. Bei einem fachlichen Beirat wird sich die Anwesenheit eines Mitwettbewerbers nicht verhindern lassen. Umso notwendiger ist es, dass für den Schutz geistigen Eigentums durch die Stadt Leipzig gebürgt wird und alle extern Beteiligten entsprechende Verschwiegenheitsklauseln unterzeichnen“, schreibt der Kreatives Leipzig e.V. dazu.

Und noch viel wichtiger ist eigentlich die Kritik daran, dass die Stadt in ihrer amtlichen Allweisheit wieder vorgeprescht ist, ohne die Betroffenen einzubeziehen.

„Als Branchenverband haben wir uns der Stadt Leipzig immer wieder als Partner angeboten, uns frühzeitig mit dem Wissen und der Kompetenz unserer 80 Mitgliedsunternehmen einzubringen, um solche suboptimalen Situationen zu vermeiden. Wir bedauern, dass dies hier nicht geschah und die Ausschreibung zu viel und in vielen Punkten berechtigter Kritik geführt hat. Trotzdem möchten wir alle Leipziger Kreativschaffenden einladen, durch eine Beteiligung an dem Wettbewerb gegenüber der Verwaltung das Innovationspotenzial der Branche herauszuheben.“

Und wie deutlich die Kritik des Vereins an dem ist, was die Leipziger Wirtschaftsförderung hier wieder angestellt hat, lassen wir einfach mal Wikipedia erklären. Die Übersetzung für das Wort „suboptimal“: „Resultate, welche die Vorgaben oder Erwartungen des Optimums nicht erreichen, jedoch durchaus noch nicht als richtige Misserfolge bewertet werden sollen, werden als suboptimal (von lat. sub ?unter?) bezeichnet. Häufig wird der Begriff jedoch mit ironischem Unterton oder als Euphemismus gebraucht, wenn ein eigentlich katastrophales Ergebnis beschrieben werden soll.“

Die Stellungnahme von Kreatives Leipzig e.V.: www.kreatives-leipzig.de


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