Hat Leipzig eine Strategie für „Urban Gardening“ oder hat sie keine? Das Jugendparlament fand, sie hat keine, und hat deshalb eine beantragt. Das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport meint, es gebe eine. Der Antrag müsse also abgelehnt werden. Aber das Dezernat erklärt auch wieso. Denn Gemeinschaftsgärtnern ist mancherorts in Leipzig schon möglich.

Denn die Jugendparlamentarier sind ja nicht die Ersten, die das Thema auf den Tisch bringen. Schon mehrere Garteninitiativen haben in Leipzig teilweise eindrucksvolle Projekte zum Stadtgärtnern ins Leben gerufen. Den Trend gibt es mittlerweile in praktisch allen westlichen Großstädten. Urbane Gärten bringen nicht nur mehr Grün in den Stadtteil, sie schaffen auch neue Orte der Begegnung.

Das städtische Amt versucht die Sache für sich mal etwas genauer zu definieren: „Unter dem Begriff ‚Urban Gardening‘ hat sich in den letzten Jahren bundesweit und auch international eine neue Form des Gärtnerns in der Stadt entwickelt. Temporäre Gärten zur Brachenbegrünung, Nachbarschafts- und Quartiersgärten, begrünte Baumscheiben oder Gemüsebeete in öffentlichen Grünanlagen, all diese Projekte werden unter dem Begriff ‚Urban Gardening‘ zusammengefasst. Die gärtnerische Ausrichtung kann dabei stark differieren. Sie reicht von der Gewinnung von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf über die Schaffung eines gemeinsamen Begegnungsraums bis zur Gestaltung von Freiräumen. Bei all der Vielseitigkeit ist das verbindende Element der Gedanke des gemeinschaftlichen Handelns. Fast immer sind Urban Gardening-Projekte sozialer Treffpunkt, nachbarschaftlicher Begegnungsraum und Ort des Austauschs. Häufig wird daher als Synonym der Begriff der urbanen Gemeinschaftsgärten verwendet.“

Ach ja, in Leipzig ist man ja auch noch. Da machen eine Menge Leute unterm Banner von Moritz Schreber „Urban Gardening“.

„Auch Kleingartenanlagen erfüllen die wesentlichen Aspekte der urbanen Gemeinschaftsgärten, wenn auch die einzelnen Parzellen voneinander abgegrenzt sind. Auch hier steht das Gärtnern in der Stadt zur Gewinnung von Obst und Gemüse im Mittelpunkt. Der gemeinschaftliche Gedanke findet sich im Zusammenschluss zu einem Verein und im Vereinsleben wieder. Die Stadt Leipzig verfügt über eine besonders große Anzahl von Kleingartenanlagen. Im Flächenverhältnis gibt es mehr Kleingärten als öffentliches Grün“, stellt das grüne Dezernat fest. Und so ganz ignoriert man auch den neuen Trend nicht: „Grünanlagen im öffentlichen Raum wie Parks, Stadt- und Spielplätze sowie Straßenbegleitgrün erfüllen soziale, ökologische sowie ökonomische Funktionen und stehen der Allgemeinheit mit ihren unterschiedlichen Nutzungsinteressen zur Verfügung. Das Bereitstellen von Obst- und Gemüsebeeten einschließlich Bepflanzung und Bewirtschaftung wird als neuer Trend nachgefragt.“

Die klare Botschaft an die jungen Leute: Die Stadt habe das Thema durchaus auf dem Radar. Nur die Informationsseite fehlt mal wieder. Eine vertane Chance der Stadt, einfach mal öffentlich zu machen, wo Leipziger öffentlich gärtnern können – wenn sie wollen.

Denn: „Um diesem Wunsch von Garteninitiativen nachzukommen, wurden bereits in der Vergangenheit Flächen für Gemeinschaftsprojekte im öffentlichen Raum geschaffen. Erstmalig erfolgte dies 2004 im Lene-Voigt-Park, später auch in den Planungen des Bürgerparks Plagwitz, aktuell wurde im Palmengarten eine Fläche für ein Pilotprojekt zur Verfügung gestellt. Bei der Standortwahl müssen für jeden Einzelfall die diversen Interessen abgewogen werden. Die Nutzung und Bewirtschaftung dieser Flächen wird über Pachtverträge sichergestellt. Das Amt für Stadtgrün und Gewässer ist im Austausch mit den betreffenden Pächtern und Bewirtschaftern und beobachtet die Entwicklung der Projekte.“

Das ist zwar noch keine Strategie. Vielleicht lässt sich das Umweltdezernat ja doch noch zu einer breitschlagen – mit einer echten Projektseite, die sichtbar macht, wo man sich als Stadtgärtner austoben kann. Aber dafür gibt es eine Übersicht über das, was jetzt schon möglich ist.

Hier ist sie

Flächen für Gemeinschaftsgärten im Lene-Voigt-Park in Reudnitz-Thonberg

Im Lene-Voigt-Park steht ein zehn Meter breiter Streifen an der Reichspietschstraße zum Gärtnern zur Verfügung, Teilflächen können über das Amt für Stadtgrün und Gewässer gepachtet werden. Die Flächen werden seit der Fertigstellung des Stadtteilparks im Jahr 2004 zum Gärtnern angeboten. Die Parzellen sind nicht eingezäunt und die Nachfrage zum Gärtnern war bisher gering. Derzeit werden für ein Urban Gardening-Projekt ca. 400 m² von dem Verein „Lenes Gärten“ gepachtet und bewirtschaftet.

Lenes Garten.

Gleis-Grünzug Bahnhof Plagwitz

Die ehemaligen Bahnanlagen im Umfeld des Bahnhofs Plagwitz werden als öffentliche Grünanlage neu gestaltet. Entlang der Wege sind u.a. heimische Obstgehölze und Wildpflanzen mit verwertbaren Pflanzenteilen gepflanzt. In einem Teilbereich wird ein öffentlicher Obsthain angelegt, der über eine Patenschaft durch die Bürger betreut und beerntet werden soll.

Weiterhin werden städtische Flächen als „Bürgergärten“ und für „Urbane Landwirtschaft“ zur Verfügung gestellt und an Vereine verpachtet. Diese Flächen sind zwar eingezäunt, jedoch tagsüber geöffnet und als Teil der öffentlichen Grünanlage für jeden zugänglich.

Annalinde.

Bürgerbahnhof Plagwitz.

„Essbarer Palmengarten“ am Elsterbecken in Lindenau

Aufgrund einer direkten Anfrage sind aktuell ca. 360 m² zum Gärtnern im Palmengarten verpachtet. Die Flächen sind nicht eingezäunt und werden für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern genutzt.

Gemeinsam Grün.

„Grün macht Schule“

Seit 1993 unterstützt die Stadt Leipzig mit diesem Programm die Bemühungen der Schulen, in Eigeninitiativen das Schulumfeld naturnah und als Ort für entdeckendes Lernen zu gestalten. Zum Förderumfang zählt unter anderem die Anlage von Gemüse- und Kräuterbeeten.

Grün macht Schule.

„Das Amt für Stadtgrün und Gewässer steht als Ansprechpartner zur Verfügung und wird, sobald zu den unterschiedlichen Projekten neue Realisierungsstufen erreicht wurden und Erfahrungen vorliegen, hierzu berichten“, betont das Dezernat noch. Das Ganze kann also wachsen. Warum macht man nicht ein auf der Homepage der Stadt nachlesbares Projekt draus? Sozusagen als Alternativvorschlag. Das ist nicht so grausam wie eine wortreiche Ablehnung.

Komplette Antwort des Umweltdezernats.

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