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Kunst im ländlichen Raum: Was treiben Künstler/-innen eigentlich beim interdisziplinären Workshop in Schaddel?

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    „Eine Art Entdeckungsreise der Kunst im ländlichen Raum“. Unter diesem Titel kann man sich anfangs nur schwer etwas vorstellen. Im übertragenen Sinn ist es genau das, was die fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Interdisziplinären Workshops – Raum Schaddel, des Leipziger Bundes für bildende Kunst derzeit im Künstlerhaus Schaddelmühle erfahren dürfen.

    Betreut und beraten von Dirk Richter, Frank Brinkmann und dem Team des Künstlerhauses ist der Kunstworkshop durch den Kulturraum Leipziger Raum unterstützt und abgesichert. Vertreter des Kulturraumbüros und des BBKL überzeugten sich vor Ort von der Intensität der entstandenen Arbeiten.

    Jana Mertens, Klara Meinhard, Marc Dettmann, Stefanie Pojar und Zohir Rekkab, haben ihre Ateliers in der Stadt gegen eine Zeit in der Schaddelmühle getauscht, um sich in der Abgeschiedenheit des ländlichen Raumes neu auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Gerade in der Ruhe und Weite des Kulturfördervereines, die frei von den alltäglichen Anforderungen des Stadtlebens ist, können die fünf Künstler sich neu ausprobieren.

    Techniken, die sie schon lange nutzen, verfeinern, erforschen, aber auch neu entdecken. Zudem bietet sich ihnen die Möglichkeit, den sicheren Hafen des Erlernten zu verlassen und sich in anderen Möglichkeiten zu erproben.

    Stefanie Pojar. Foto: Detlef Rohde
    Stefanie Pojar. Foto: Detlef Rohde

    Klara Meinhard arbeitet und experimentiert mit der Belichtung verschiedener Materialien. Sie belichtet Stoffe wie ein Foto und nutzt die Natur als Helfer in der Kunst und macht dabei auch Erfahrungen, die sie in der Stadt nur schwer hätte realisieren können. Mit einer Belichtungstechnik, die schon älter als die uns heute bekannte Fotografie ist, bringt sie Blätter und andere Objekte als Abbild auf Stoffe, mit denen sie später modische Kleider schneidert, von denen jedes ein Unikat ist.

    Stefanie Pojar nutzt den Raum in der Natur für die Aquarellmalerei. Mit ihren Aquarellen hält sie Licht und Schatten auf dem Papier fest. Dabei variiert die Intensität der Gemälde je nach Tageszeit und Sonnenstand.

    „Wenn ich Mittags zeichne, sind Licht und Schatten viel härter und kontrastreicher, während es am Nachmittag, wenn die Sonne langsam sinkt, viel fließendere und schneller Übergänge im Wechselspiel mit Licht und Schatten gibt“, erklärt die Künstlerin und zieht ihr Bild schnell wieder in eine hellere Position. Mit dem Malen ist das Werk allerdings noch nicht fertig.

    Tage zuvor hat sie Metallplatten mit einem Teerfilm bestrichen und in den Wasserlauf der Schaddel gelegt, in der alle mitgeführten Sedimente und Pflanzenreste die Oberfläche nach und nach gravieren und einmalige Spuren hinterlassen. Es kann je nach Wassergeschwindigkeit und Sedimentablagerung auch passieren, dass eine stabile Metallplatte an einigen Stellen in nur 24 Stunden perforiert wird. Mit diesen Platten prägt sie dann die zuvor entstanden Aquarelle und fügt so dem Weg des Lichtes die Spuren des Wassers zu und verbindet so die Elemente.

    Jana Mertens hat sich in die Keramik zurückgezogen und experimentiert mit Materialien, die eigentlich so gar nicht zusammenpassen. Altgediente Objekte aus Porzellan, wie Vasen oder Figuren, die normalerweise auf den Müll fliegen würden, werden von ihr neues Leben eingehaucht. Sie nutzt die Grundform, umhüllt sie mit Ton und gibt den Objekten eine neue Form.

    „Das Spannende ist, ich weiß nie vor dem Brennen, ob es klappt. Gebrannte Objekte, mit einem anderen Material wie Ton zu umhüllen und dann neu zu brennen, ist schon sehr spannend. Wenn es im Ofen nicht knallt, dann hat es funktioniert“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln und greift zur Sprühpistole, um die Glasur auf ein neues Werk aufzutragen.

    Zohir Rekab. Foto: Detlef Rohde
    Zohir Rekab. Foto: Detlef Rohde

    Zohir Rekab ist gerade beim Papier schöpfen. In mühevoller Kleinarbeit hat er Pflanzen, die entlang der Mulde wachsen, zusammengetragen, zerkleinert und seinem selbstgemachten Papierbrei hinzugefügt. Mit eben diesen Pflanzen und einigen Farbpigmenten will er ein wenigstens 5 m² großes Bild in fließenden Farben, dass den Verlauf und die Landschaft der Mulde darstellt erschaffen.

    Die Befürchtung, dass die Pflanzenreste das Bild irgendwann zerstören, zerstreut er gleich: „Die Pflanzen trocknen mit dem Papier und sind dann für die Zukunft in dem Bild konserviert. Mit ihnen bringe ich ein Stück der Landschaftsstruktur mit in das Bild.“

    In der Druckerei findet man hinter der Druckerpresse den Grafiker Marc Dettmann. Mit einer Fototechnik hat er ein real existierendes Graffiti mit der Aufschrift „Eure Buden sind Vandalismus“ auf eine Druckerplatte übertragen, die Strukturen in einem Ätzverfahren herausgearbeitet und überträgt dieses Bild mittels Druckerpresse auf zuvor geschaffenen Aquarelle, sodass mit einem Hauptmotiv unzählige Unikate entstehen.

    Wer die fertigen Arbeiten der Künstler in Natura sehen möchte, sollte sich den Zeitraum vom 9. Dezember bis zum 28. Januar vormerken. In dieser Zeit sind die Exponate im 4D Projektort des Bundes Bildender Künstler Leipzig e. V. im Tapetenwerk in Leipzig ausgestellt.

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