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Stricken darf wieder Kunst sein: Farbenspiel mit verkürzten Reihen

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    Zwei links, zwei rechts - wie langweilig! Mit Wolle kann man noch ganz andere Sachen machen. Mit Ruth Kindla hat der Buchverlag für die Frau jetzt eine Autorin ins Programm genommen, die das Stricken mit farbigen Garnen zu einer Kunst entwickelt hat. Ihre Geheimwaffe: verkürzte Reihen. Das Wichtigste, was man zum Funktionieren der verkürzten Reihen wissen muss, ist die Technik der Wendemasche. Rätsel über Rätsel.

    Zumindest für alle, die sich ihre Bekleidungsstücke schon aus Gewohnheit nur im Laden kaufen und gar nicht mehr neugierig sind zu erfahren, wie Dinge gemacht sind. Frauendinge gar. Denn Stricken ist ja nun eindeutig Frauensache. Männer schmieden sich eher mal eine Rüstung oder fangen sich ein Bärenfell. Die weichen, warmen und gefälligen Dinge hat Mann immer gern den Frauen überlassen. Und so war die technische Entwicklung der Strickkunst auch eher eine Frauenangelegenheit.

    Der Beginn dieser Kunst verliert sich – wie so Vieles – im Dunkel der Geschichte. Die Männer fanden es immer viel wichtiger, ihre behämmerten Schlachten und Machtwechsel, Intrigen und Krönungen festzuhalten, als all diese Dinge da im Haushalt, die das Leben schön machten, aber so schrecklich unspektakulär waren. Gestrickte Beinkleider zum Beispiel oder Strümpfe, die irgendwann im Mittelalter auftauchten. Die Archäologen stolperten über das Phänomen in diversen Gräbern irgendwann um 200, 300 – in Ägypten genauso wie im heutigen Frankreich. Auch in einem Frauengrab in Thüringen stieß man auf knöcherne Stricknadeln.

    Später begriffen auch die Spanier, dass gestrickte Strumpfhosen wesentlich wärmer halten als zusammengenähte. Und die ganze folgende Neuzeit nutzten Frauen dazu, die Strickkunst zu verfeinern. Bis die Männer meinten, Frauen vertrödelten mit Stricken zu viel Zeit – und Strickmaschinen erfanden.Dass das Stricken – auch in Gemeinschaft – heute wieder im Schwange ist, hat auch mit der stillen Erkenntnis zu tun, dass der Mensch eben kein einzelliges Kopfwesen ist. Der Mensch braucht Gesellschaft, Gespräche, Netz-Werke. Bestrickende Netzwerke haben auch noch den Vorteil: Kein Ladenschwengel ohne Gewissen kann einfach alle persönlichen Postings an der Börse verhökern.

    Was erzählt wird, bleibt unter den Strickern. Tipps gibt man weiter. Fertiges bestaunt man und kann’s auch noch tragen oder verschenken. Der Trick mit der Wendemasche wird ganz am Anfang des Buches noch einmal erklärt. Wer sie beherrscht, braucht eigentlich nur noch den bunten Strickanleitungen zu folgen, 28 Modelle insgesamt, die Ruth Kindla hier versammelt hat. Jedes ein einziger Farbrausch. Die Wollsorten sind fein aufgelistet. Die exotischen Farbvarianten auch. Der Rest ist Frauenphantasie. Und Männer, die ihre Frauen mögen, schenken ihnen gleich die richtigen Farben für den Zauber, den sie gern sehen wollen: Ponchos, Stulpen, Schals, Tücher, Pullunder und Pullover. Entsprechende Strickmusterbögen liegen bei. Und alles ist variierbar, die Farben sind’s sowieso. Und das Bestrickende an diesem Buch: Hier stehen echte Frauen Modell. Echte Menschen. Klar, auch ein paar Männer, sogar ein paar kleine mit Zahnlücke.

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    Der Buchverlag für die Frau knüpft mit dem Buch an ganz alte Traditionen an, als Schnitt- und Strickmusterhefte einen wesentlichen Teil des Programms ausmachten. Damals in der armen Republik, als das Selbermachen notwendig war, weil’s im Laden nicht alles gab. Manche Frau und mancher Mann hat mittlerweile begriffen: Das Selbermachen hat auch noch andere Seiten. Kommunikative, therapeutische, haptische sowieso. Man kann greifen, was man tut. Manchmal begreift man’s dann erst. Das hat man auch in deutschen Schulen wieder vergessen, nachdem man’s zwischendurch mal wusste. Die Hände lernen immer mit. Und viele Menschen finden ein wesentliches Stück ihrer selbst wieder, wenn sie Dinge wieder selber tun.

    Schwerer ist dann möglicherweise der Weg aus dem Haus. Denn da bekommt man es ja mit der Mode zu tun. Und bei diesen Strickmodellen ist eines sicher: Damit fällt man auf. Das muss man sich erst mal trauen. – Sollte man aber auch. Denn in einer Welt, in der alle nur nach der Mode schauen, bleibt von selbstbewussten Menschen nicht viel übrig. Mal ganz zu schweigen davon, dass Modefarben eher selten zur Stimmung passen, zum Tag und zum eigenen Selbstbild.

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    Farbenspiel mitverkürzten Reihen
    Ruth Kindla, Buchverlag für die Frau 2012, 14,95 Euro

    Und auch das kann man diesen hier versammelten Farborgien nicht absprechen: Sie leuchten. Sie bringen ein Feuerwerk ins Leben, auch wenn’s nur ein gestricktes ist. Kann natürlich auch ein Bestrickendes sein. Und der letzte Winter hat ja zur Genüge bewiesen, dass Wolle auch im anlaufenden Klimawandel sehr hilfreich sein kann. Nicht nur gegen Frösteln und Zittern. In diesem Fall auch gegen Trübsal und Einsamkeit.

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