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Ein Kinderbuch erzählt das Wichtigste aus dem Neuen Testament: Jesus

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    Man kann die Jesus-Geschichte auf vielerlei Weise erzählen - ganz dicht an den Erzählungen des Neuen Testament, kindgerecht, esoterisch, märchenhaft oder eher kritisch in dem Versuch, der Person und ihrer Zeit nahe zu kommen wie Reza Aslan in seinem Buch "Zelot". Man kann auch die Verbindung suchen, wie es manches Buch macht, das die Entstehung des Christentums in seiner historischen Umgebung verankert.

    Ein wenig macht es Brigitte Goßmann so. Immerhin hat man es mit einer 2.000 Jahre alten Geschichte zu tun, die reale Bezüge hat – politische, wirtschaftliche, kulturelle. Und wer alles verstehen will, muss schon ein bisschen was wissen über das Judentum. Denn sonst ist Jesus als jüdischer Prophet nicht verständlich. Man muss die Lebensbedingungen im alten Galiläa kennen, wo die Karriere des Zimmermannssohnes begann. Ein bisschen was über die damals gültigen Zahlungsmittel und Gewichtseinheiten darf man auch wissen, über die Berufsbilder der Zeit und das – jawohl – orientalische Verständnis von Zeit, das mit dem modernen europäischen wenig zu tun hat. Der Sabbat war wirklich noch heilig, die hohen Feste wurden gefeiert und wenn überhaupt Uhren existierten, dann bestenfalls Sonnenuhren.

    Das Leben hatte einen völlig anderen Rhythmus. Das Jahr begann offiziell im September mit der Oliven- und Weinlese und man orientierte sich in den Zeitaltern anhand der Regierungszeiten der Könige. Und der Tag begann nicht in grauer Morgenstund, sondern mit Sonnenuntergang. Und weil es Mittags in der Regel heiß wurde, verabredete man sich am liebsten früh oder abends. So ungefähr. Die europäische Idee, man könnte Zeit „verlieren“ oder gar unpünktlich sein, gab es noch nicht.Ein wenig findet man das heute noch in etlichen Ländern des Orients. In kleinen Einsprengseln erklärt Brigitte Goßmann solche Dinge, die die Jesus-Geschichte verorten und für die Kinder erfahrbar machen. Auch diese herrliche Aktion im Tempel, als Jesus die Händler und Wechsler aus dem Tempel schmeißt. Hier fällt das schöne Wort von der Räuberhöhle. Es ist schon erstaunlich, wieviel von dieser alten Geschichte heute noch gilt und so aktuell klingt wie damals.

    Denn hinter der Jesus-Geschichte steckt ja auch die Frage nach dem richtigen Leben, die die alten Propheten im Alten Testament auch immer wieder gestellt haben. Man denke nur an die Geschichte mit dem Goldenen Kalb. Und in der Zeit des Herodes und unter der Besatzung der Römer stellten sich viele Juden diese Frage wieder. Darf man – so wie die Hohepriester und der König – mit den Besatzern paktieren? Oder heißt „richtiges Leben“ doch eher Protest oder gar Aufstand?

    Die großen jüdischen Aufstände wurden ja bekanntlich von den römischen Besatzern allesamt niedergeschlagen. Und in der jüdischen Diaspora entstand dann die neue Religion: das Christentum. Das dann – auf die paulinische Weise – wieder neu fragte: Wie soll man richtig leben?

    Inwieweit die Geschichten um Jesus dabei immer wieder umgedeutet und umgearbeitet wurden, daran wird heutzutage fleißig geforscht. Aber man kann sie auch im Jahr 2013 so nehmen, wie sie sind. Sie erzählen noch immer von einem anderen, friedlichen Weg, Mensch zu sein. Die Gleichnisse sind nicht immer einfach zu deuten, aber sie laufen meist auf so simple Dinge hinaus wie die hohe Kunst des Teilens, des Liebens, der Gerechtigkeit.Brigitte Goßmann hat die Geschichte ein wenig einfacher gemacht, lässt die Sache mit den kollaborierenden Hohepriestern weg. Und Judas Ischariot kommt nur als einer der zwölf Freunde drin vor. Die Jesus-Geschichte funktioniert auch ohne diesen nicht wirklich erklärlichen Verrat, hinter dem sich möglicherweise eine ganz andere Geschichte verbirgt, die auch wieder sehr modern wirkt: die des schwarzen Schafes, dem man die Schuld auflädt, um sich nicht mit den eigentlich Mächtigen anlegen zu müssen.

    Denn darin sind sich selbst bibeltreue Wissenschaftler mittlerweile recht einig: Was Jesus da tat, war ein unübersehbares Aufbegehren gegen die Mächtigen. Und zwar gegen beide Gruppen – die rabiat agierenden Römer und gegen die mit ihnen paktierenden Priester und Könige. Da musste kein Jünger hinlaufen, um Jesus an diese Leute zu verraten. Als sie ihn verhörten, verwendeten sie gegen ihn, was er die ganze Zeit öffentlich geäußert hatte.

    Es ist ja im Grunde die Geschichte eines Mutmachers, so, wie sie auch Martin Luther verstand: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

    Anders gekonnt hätte er schon. Von Luther weiß man es ja. Er haderte mit sich. Der Druck, klein beizugeben, war da. Am Ende aber gab er doch nicht klein bei. Das ähnelt schon sehr dem, was Jesus im Verhör bei Pontius Pilatus äußert, der im Neuen Testament schon fast wie ein Christ daher kommt, obwohl er im richtigen Leben eine blutrünstige Bestie war.

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    Jesus
    Brigitte Goßmann, St. Benno Verlag 2014, 9,95 Euro

    Aber die Sache mit dem letzten Abendmahl und der Kreuzigung hält Brigitte Goßmann ganz kurz. Vielleicht will sie die Kinder nicht erschrecken, obwohl es eine der zentralen Botschaften ist: dass es nämlich nicht leicht ist, standhaft zu bleiben und sich nicht zu krümmen, wenn die Machthaber zuschlagen.

    Wichtiger ist Brigitte Goßmann die Auferstehung und die Botschaft, dass dieser Jesus doch weiterlebt. Und dass damit jeder die Wahl hat – ein Leben in Gerechtigkeit und Liebe zu wählen, oder sich zu krümmen und sich alles gefallen zu lassen. Vom dritten Weg gar nicht zu reden, den die Habgierigen und Machtlüsternen wählen.

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