Erstaunlich vertraute Töne von jungen Dichtern aus dem Ostseeraum

Der Untertitel stimmt – und führt doch erst einmal in die Irre. Denn so ein wenig erwartet man bei „Gedichten aus dem Ostseeraum“ eine Anthologie von jungen deutschen Dichtern aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Von denen hat man wirklich lange nichts gehört. Aber in diesem Fall ist das Ganze viel größer gedacht.

Denn der Band vereinigt mehrere junge Dichterstimmen aus Ostsee-Anrainer-Staaten. Nicht aus allen. Wer auch Deutschland, Polen, Lettland und Litauen sucht, sucht vergeblich. Das wäre dann schon eine große Anthologie geworden, die sich ganz bestimmt lohnt. Solche völkerverbindenden Projekte gibt es viel zu wenig. Denn wenn sie einmal gestartet werden, durchbrechen sie fast immer die Fremdwahrnehmung mit all ihren Vorurteilen über die anderen Länder, ihre Bewohner und ihre Literatur. Auch in diesem Fall.

Geboren wurde das Projekt an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, wo junge Leute so exotische Fächer wie Fennistik, Uralistik, Skandinavistik oder Sprachliche Vielfalt studieren. Und dazu gehört natürlich auch, dass man aus der studierten Sprachwelt auch übersetzen kann. Hochkarätig übersetzten kann. Das wird dann in der Regel in Publikationen wie „Neue Nordische Novellen“ veröffentlicht.

Aber Gedichte sind ja keine Novellen. Ab damit also in eine kleine, besondere Anthologie – vorher musste natürlich angefragt werden bei den originalen Autorinnen und Autoren, auch wenn diese – wie der St. Petersburger Dichter Vladimir Gorochov – ihre Gedichte auch im Internet veröffentlichen.

Aber was kommt dabei heraus, wenn man junge Dichterinnen und Dichter aus Finnland, Russland, Norwegen, Schweden, Estland und Dänemark übersetzt? Vielleicht eine Art Ostsee-Reigen?

Nicht wirklich. Der Einzige, der das Meer überhaupt erwähnt, ist der Este Igor Kotjuch, der das aber eher als Schicksalsschlag begreift, wie er so im Zug Richtung Krim zu einem Dichtertreffen daran denkt. Die Aussicht auf einen See wäre ihm lieber. Und auch die anderen sind eher nicht mit dem Lobpreis der Landschaft beschäftigt, sondern leben ein durchaus modernes Leben mit all seinen Sorgen um Sinn und Vergänglichkeit, Orientierung und Apokalypse. Das klingt vertraut und macht beim Lesen bewusst, wie sehr wir in unserem eigenen Sprachverschlossensein gar nicht merken, wie ähnlich und verwandt uns das Leben der jungen Leute in den Städten dieses Kontinents ist, wie sehr alle Exotik nur eine falsche Kulisse ist.

In Wirklichkeit schlagen wir uns alle mit denselben Sorgen, Träumen, Befürchtungen herum, spüren die Brüchigkeit der Zivilisation, die überall so eine spürbare Leere bekommen hat, das Pfeifen harscher Winde in Betonschluchten und das blasierte Aufploppen von Leuten, die ihre zelebrierte Unmoral vor sich her tragen wie ein Marterkreuz. Denn tatsächlich sind wir all die Jahre alle nur in eine Richtung gelaufen, dem großen Fortschritt hinterher, den Verheißungen von Markt und Technologie.

Aber das schafft keine Wärme und keine Beständigkeit. Die Mauern sind brüchig, die öffentlichen Erzählungen reine Märchen. Bis hin zur „modernen Literatur“, die auch Malte Persson nicht gefällt, der in einem Reigen emotionaler Gedichte in die Rolle des Heimkehrers nach Ithaka schlüpft. Und der dabei über die Unmöglichkeiten der Heimkehr nachdenkt und die Irrfahrt als eigentliche Metapher des Lebens. Stimmt: Dieser Homer ist noch immer viel gegenwärtiger als das Meiste, was einem Jurys als das preisverdächtige Buch des Jahres einreden wollen.

Denn der Kerl hatte ja noch Zeit. Und war sich dessen bewusst, dass gute Geschichten immer ein Gleichnis sind, immer etwas Größeres miterzählen, wenn es scheinbar nur um die Geschichte eines Helden geht, der nicht nach Hause finden kann. Irgendwie ist das ein Motiv, das einem – abgewandelt – auch in den Gedichten der anderen Autoren begegnet, bei Theis Ornthoft aus Dänemark zum Beispiel mit einem deutlichen Angewidertsein von den Lügenmärchen einer von Grenzen besessenen Gesellschaft. Den falschen Verheißungen dieser Großredner, die längst vergessen haben, wie intensiv Leben und Begegnung sein können. Denn die Kälte entsteht, wenn sich niemand mehr für den anderen interessiert. „Falls jemand fragt“, so beginnt das bei Anne Helene Guddall aus Norwegen. Aber scheinbar fragt niemand, sind alle beschäftigt damit, sich in ein Denkmal ihrer selbst zu verwandeln (was dann Vladimir Gorochov verdutzt feststellt) oder ihre Arbeit zu verrichten wie Maschinen, die über Moral nicht mehr nachdenken. So wie der Richter Bennett in Asta Olivia Nordenhofs Gedicht: „ich will wissen, welche bedingungen es gestatten, die fortführung seines amtes über seine moral zu stellen“.

Es geht also auch unverblümt. Beim Lesen verbinden sich die Motive und Bilder und man ist in einer Welt, die man überm Geschrei der täglichen Wichtigkeiten immer wieder vergisst, einer Welt richtiger Menschen, die noch nach Liebe, Nähe und Anstand fragen. Und die mit spürbarer Beklemmung fragen, warum die Blender, Feiglinge und Gewissenlosen eigentlich die Welt regieren und zu einem unaushaltbaren Ort machen. Der eine mehr, die andere weniger. Gedichte, wie man sie auch Dichterinnen vom Balkan und Dichtern aus Tunis zutrauen würde. Denn irgendwie werden die unaushaltbaren Zustände allerorten immer ähnlicher, leben gerade junge Menschen in einem zunehmenden Gefühl des Unbehaustseins – und fühlen sich erst auf Reisen zu Hause.

Eigentlich ist das Leben, „eine Verhöhnung der Entropie“, wie der Norweger Ruudjord schreibt, die Fähigkeit, sich eben nicht aufzugeben und aufzulösen, sondern Nein zu sagen, unter widrigsten Bedingungen doch weiterzumachen, einfach weiterzumachen.

Wenn man sich vorstellt, dass diese Leute nicht nur da oben im kühlen Norden unterwegs sind, sondern auch im mystischen Osten und im geschundenen Süden und vielleicht auch im mutlosen Westen, dann könnte das fast schon Hoffnung machen, dass die Sache weitergeht. Und nicht endet. Ohne begründet zu werden. „Erklären / muss man dann nichts / und zwar niemanden“, schreibt Marko Heikkinen. Es geht allein ums Gespräch. Oder die Berührung. Oder beides. Oder den Versuch, die richtige Insel zu finden unter den ganzen Inseln. Vielleicht heißt sie ja Ithaka.

Matthias Friedrich, Slata Kozakova (Herausgeber) „Einbildung eines eleganten Schiffbruchs. Gedichte aus dem Ostseeraum“, Reinecke & Voß, Leipzig 2017, 11 Euro.

In eigener Sache: Für freien Journalismus aus und in Leipzig suchen wir Freikäufer

https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/11/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

RezensionenGedichte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Münchhausen: Der echte Lügenbaron und die Männer, die seine Geschichten berühmt gemacht haben
Erik Gloßmann: Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNach Sachsen hat es ihn wohl nie verschlagen, dafür nach Russland, Lettland und Finnland, diesen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den berühmtesten aller Münchhausen, auch wenn er für seinen Nachruhm eigentlich nichts kann. Für den haben andere gesorgt. Aber am 11. Mai wäre der erzählfreudige Baron aus Bodenwerder 300 Jahre alt geworden. Wer hat seine Geschichten nicht im Bücherschrank stehen?
Gastkommentar von Christian Wolff: Der Exit aus dem Shutdown – nicht das „Wann“, das „Wie“ ist entscheidend
Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMenschen im Ausnahmezustand werden schnell ungeduldig. Kaum sinkt das Fieber, möchte der Kranke wieder aufstehen. Kinder wollen nach einer Grippe so schnell wie möglich wieder zum Spielen nach draußen. Die Arbeit ruft, auch wenn das Herz noch schmerzt. So werden auch noch in der Krankheit die STOP-Signale überfahren. Genau dieses jedem Menschen sehr vertraute Verhalten spiegelt sich in der seit Tagen entbrannten Diskussion darüber wieder, wann der sogenannte „Shutdown“, also das systematische Herunterfahren des öffentlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Lebens, beendet werden kann.
Samstag, 28. März 2020: Der Tag in Bildern
Alle wollen raus bei dem Wetter. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Samstag, 28. März 2020, war wohl nur deshalb an sich interessant, weil er der erste nach den sächsischen „Ausgangsbeschränkungen“ war. Diese hatten zu vielzähligen Debatten geführt, das Sitzen auf Parkbänken wurde infrage gestellt, eine Definition von „Wohnumgebung“ zu „bitte nicht allzu weit aus der Stadt hinaus“ und als letzte Maßnahme schloss die Stadt Leipzig diverse Parkplätze an Ausflugsorten. Das Ergebnis heute: Radler/-innen, Sonne, leere Fernverkehrsstraßen und volle Parks und Seeufer.
Ein Spiel auf Zeit: Die neue Leipziger Zeitung zwischen Ausgangsbeschränkung, E-Learning und dem richtigen Umgang mit der auferlegten Stille
Leipziger Zeitung Nr. 77: Spiel auf Zeit. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDa haben wir schon heftig hin und her überlegt: Bringen wir die neue Ausgabe der „Leipzige Zeitung“ jetzt raus oder unterlassen wir das lieber aufgrund der Covid-19-Pandemie? Immerhin muss sie ja gedruckt werden, ausgefahren, in Haushalte und noch offene Verkaufsstellen verteilt werden? Aber was wäre die Alternative? Brauchen die Leipziger/-innen, die wegen der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht gerade jetzt eine Zeitung, die sie auch ernst nimmt, aber keine Panik verbreitet?
Gesundheitsamt sieht Gabenzäune skeptisch: „Im Sinne der Hygienevorgaben problematisch“
Am 22. März erstmals am Connewitzer Kreuz entdeckt: Ein Gabenzaun am Streetball-Platz. Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Für alle LeserZur Debatte um die Aufstellung von „Gabenzäunen“, also Orte, an denen zum Zwecke der scheinbaren Versorgung Obdachloser und Bedürftiger mildtätige „Gaben“ aufgehängt werden, gibt es nun ein Statement der Stadt Leipzig. Auf Anfrage von L-IZ.de haben sich Gesundheits- und Sozialamt zur Einrichtung der Gabenzäune eher negativ geäußert, mit der Kontrolle der wild entstehenden Stellen in der Stadt kommt man offenbar nicht hinterher. Die sprunghafte Verbreitung der Idee der Gabenzäune hatte vor wenigen Tagen vor allem in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Berlin begonnen.
Ökolöwe schreibt an Baubürgermeisterin: Schaffen Sie Platz für Radfahrer/-innen!
Radfahrer-/Fußgängerampel am Martin-Luther-Ring. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sieht die Folgen der Ausgangsbeschränkungen in der Covid-19-Pandemie als Chance, im Leipziger Straßenverkehr endlich ein paar Verbesserungen durchzuführen, die im vorherigen Gedränge einfach nicht durchzusetzen waren. Der ADFC bekommt jetzt Schützenhilfe vom Leipziger Ökolöwen: Schaffen Sie mehr Platz zur Kontaktvermeidung auf Rad- und Fußwegen, Frau Bürgermeisterin!
Wie kam es überhaupt zu den verschärften Ausgangsbeschränkungen in Sachsen?
Verlassene Innenstadt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit dem 23. März gelten in Sachsen verschärfte Ausgangsbeschränkungen, teilweise schärfere als in anderen Bundesländern. Manchmal so unscharf formuliert, dass selbst die Polizei nicht weiß, wo sie nun eine vernünftige Grenze ziehen soll. Die Allgemeinverfügung liest sich für die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel wie mit heißer Nadel gestrickt. Und so richtig rechtskonform scheint ihr die Sache auch nicht zu sein.
Leipziger Resolution zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern und linke Unterstützung für Mission Lifeline
Neues Rathaus in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit 2015 hat es die EU nicht hinbekommen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik auf die Beine zu stellen. Immer „kam irgendwas dazwischen“ – der Brexit z. B., dessen Zirkuspirouetten noch immer nicht zu Ende sind, nun die Corona-Epidemie. Da ging auch völlig unter, dass in Leipzigs Stadtrat seit Dezember darüber debattiert wurde, Minderjährige aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Fünf Stadtratsfraktionen haben jetzt die Nase voll und veröffentlichen eine Resolution.
„Ich bin irgendwie so unruhig, Mama“: Gedanken einer Leipziger Mutter
Die geschlossene „Märchenwiese“ im Lene-Voigt-Park im Corona-März 2020 - Zeit für Alpträume? Foto: Luise Schöpflin

Foto: Luise Schöpflin

Für alle Leser„Ich bin so unruhig, Mama...“, sagte mein Sohn beim Zubettgehen, etwas, was er noch nie sagte. Es ist der Freitag der ersten Woche der Corona-Ausgangsbeschränkung. Wir durchleben die „virologische Bedrohung“ meistens im Garten im engsten Kreis der Familie. Was sage ich meinem Sohn, meinen Kindern, zur Beruhigung?
Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich: Was zu Wagner damals in Leipziger Zeitungen stand
Peter Uhrbach: Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser1883 starb Richard Wagner in Venedig. Mit dem Jahr 1883 endete auch die 2018 erschienene Dokumentation von Peter Uhrbach „Richard Wagners Werk in Leipzig“, in der es natürlich nicht um Wagners Werk ging, sondern um dessen Rezeption in Leipziger Zeitungen und Zeitschriften. Denn wie ein Komponist mit seinen Werken bei den Leuten ankommt, das beeinflussen bis heute die Medien. Auch wenn sich die Redakteure oft uneins sind, ob sie nun Hosianna oder „Alles ganz schrecklich“ schreiben sollen.
Freitag, der 27. März 2020: Polizei wegen angeblicher Corona-Verstöße im Dauereinsatz und Wochenendvorbereitungen
„Coronatime“ - Die Zeit spiegelt sich längst auch in den Graffitis in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Deutschland wird gerade ganz genau beobachtet, wie sich der Nachbar verhält. Galt die Aufmerksamkeit früher dem neuen Auto oder der schicken Frisur, ruhen die Blicke nun auf großen Gruppen und anderen „verdächtigen“ Aktivitäten. Die Polizei hatte 58 Einsätze innerhalb von 24 Stunden – nicht immer lagen tatsächlich Verstöße gegen die Allgemeinverfügung vor. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 27. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
In der (Corona-)Krise: Toilettenpapier für mehr persönliche Kontrolle
Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig, SUK

Foto: Universität Leipzig, SUK

Für alle LeserWarum bunkern Menschen in der Corona-Krise Toilettenpapier und Nudeln? Wie kann es gelingen, die sozialen Herausforderungen durch die Ausgangsbeschränkungen zu meistern? Und wie lange kann das alles noch gutgehen? Die L-IZ befragte dazu Prof. Dr. Immo Fritsche. Er ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig.
In der (Corona-)Krise: Kultusminister meldet sich mit Brief: Sächsisches Abitur soll durchgezogen werden
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserDer sächsische Kultusminister Christian Piwarz will das Abitur 2020 mit allen Mitteln durchziehen. Das teilte er den Abiturienten am Freitag per Brief mit. So sei ein Notabitur eine Lösung, die man den Schülern ersparen will. Stattdessen werden verschiedene Szenarien diskutiert: Auch ein Abitur zum Nachtermin ist möglich.
In Zeiten von Corona: „Die Menschen auf der Straße nicht alleinlassen“
Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserDie Corona-Krise setzt momentan vielen zu, zahlreiche Menschen stehen am Rande der Existenz. Was aber passiert in Zeiten von „social distancing“ (soziale Distanz) und Kontaktverboten mit denjenigen, die nicht mal ein Dach über dem Kopf haben? Einige Tagestreffs für obdachlose Menschen in Leipzig, wie die INSEL und die Oase, mussten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ihre Arbeit bereits vorerst einstellen. Der Leipziger Hilfebus ist weiterhin jeden Abend zwischen 18 und 23 Uhr auf den Straßen unterwegs. Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V., über die Situation.
Corona-Krise: Nachtragshaushalt für Sachsen ist fällig, Schuldenbremse steht zur Disposition
Ohne Nachtragshaushalt geht's in der Corona-Krise nicht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLockert Sachsen jetzt in der Corona-Krise die Schuldenbremse? Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, war am 20. März die Erste, die die Lockerung der Schuldenbremse thematisierte. Denn jetzt, wo ganze Wirtschaftsbereiche stillstehen, ist schnelle und unbürokratische Hilfe gefragt, um massenhaft Insolvenzen zu verhindern. SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Panter nahm am Donnerstagmorgen, 26. März, den Ball auf.