Abschiednehmen: Der erste Teil des Lebensromans des Leipziger Historikers Hartmut Zwahr

Für alle LeserHartmut Zwahr hat sich Großes vorgenommen. Die Leipziger kennen den 1936 geborenen Bibliothekar und Historiker noch als Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Uni Leipzig. Die Position bekleidete er bis 2001. Der Sax-Verlag hat schon sein Buch „Ende einer Selbstzerstörung“ übernommen, in dem Zwahr das niederschrieb, was viel zu wenige ostdeutsche Wissenschaftler 1989 taten: Die realen Ereignisse dieses Herbstes zu erfassen. Man ahnte schon, wie er tickt.

Nämlich wie ein Wissenschaftler. Was auch unter Wissenschaftlern selten und kostbar ist. Man muss sich nur die gesamte Tragödie der ostdeutschen Geschichtsforschung anschauen. Eigentlich der gesamtdeutschen. Aber an der ostdeutschen fällt es mittlerweile auf, wie stark und unüberwindlich nach wie vor die Mauern sind, die die Forscher von der Aufarbeitung der faktisch belegbaren Realität trennen.

Es sind nicht nur die Tabus aus DDR-Zeiten, die daran hindern, das Stück Land, das Adenauer so gern schon mit Sibirien assoziierte, in seiner wirklichen Existenz zu erfassen. Es sind auch die dominanten westdeutschen (Fern-)Interpretationen der ostdeutschen Geschichte, die die 45 oder auch 70 Jahre ostdeutscher Geschichte geradezu sakrosankt machen. Da bleibt man lieber auf Abstand, packt den ganzen Kram in die Kiste „2. deutsche Diktatur“, fertig der Lack.

So kann man mit Geschichte nicht umgehen.

Und mit Menschen auch nicht.

Denn weder die Menschen noch die Geschichte sind schuld daran, dass die DDR so war, wie sie war. Das weiß eigentlich jeder Historiker, der einmal mit kritischem Interesse auf die Welt schaut und herauszoomt aus dem provinziellen Spiegelblick. Dann verändern sich Maßstäbe, schrumpfen die Blasen der offiziösen Politik – dafür rücken die eigentlichen Protagonisten auf einmal groß und lebendig ins Bild.

Unter den wenigen, die das in der DDR schreiben durften, gehörte Jürgen Kuczynski, dessen vielbändiges Werk „Alltagsgeschichte des deutschen Volkes“ bis heute maßstabprägend ist. Wer es weiß, bemerkt die großen tektonischen Bewegungen in der Geschichte, die von ganz unten kommen, dort, wo Welt und Leben im Arbeitsalltag gebrochen sind, wo es um das tägliche Essen geht, eine warme Wohnung, Kleidung für die Kinder, ein paar Sonnenstrahlen.

Dort, wo Menschen oft wirklich nur im bitter Nötigsten leben. Man denke nur an die herrlichen Zeichnungen von Heinrich Zille. Oder an die eindrucksvollen Romane, die in der Weimarer Republik Furore machten und das Leben des „kleinen Mannes“ erstmals zum viel gelesenen Romanstoff machten – man denke nur an Döblin und Fallada.

Die freilich in diesem Buch nicht vorkommen, auch wenn der Junge Johannes, der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte, geradezu süchtig ist nach guten Büchern und auch deshalb am Ende eine Ausbildung als Bibliothekstechniker macht und genau die Laufbahn einschlägt, die auch Hartmut Zwahr gegangen ist.

Das Buch kann das Autobiografische nicht verleugnen, auch wenn Zwahr versucht, die Distanz zu vergrößern und auch auf den Ich-Erzähler verzichtet. Beinah. An einigen Stellen taucht dennoch so ein kleines, überraschendes Ich auf, als würde sich der Autor auf einmal wieder bewusst, dass er mit seinen Protagonisten am Straßenrand steht und zuschaut, was passiert.

Seine Technik ist keine ganz einfache, auch wenn sie überraschend vertraut ist. Er erzählt die Geschichte dreier Familien aus der Lausitz wie einen Flickenteppich aus Erinnerungen, Geschichten, Dialogen, kleinen Szenen – in vollem Sinne assoziativ. So, als fiele ihm das beim Schreiben so ein. So, wie Erinnerung funktioniert, wenn man wirklich beginnt, sich erinnern zu wollen – und wenn man ein gutes Gedächtnis hat. Dann entsteht so ein Teppich aus lauter prägnanten Szenen, die in der Erinnerung einer Familie aufbewahrt werden.

Und die zum Vorschein kommen, wenn man sich wieder einmal gemeinsam erinnert – bei einem Familientreffen, beim Durchblättern eines Fotoalbums, oder auch, wenn man durch die Orte seiner Kindheit geht und auf einmal an markanten Ecken so ein Bild auftaucht, ein Name, ein Geruch, ein Gefühl, die Gestalt eines Menschen. Und auf einmal taucht auch die Geschichte dazu auf, manchmal mehrere, manchmal eine ganze Geschichtenwelt, wenn dieser Mensch wichtig und prägend war für das eigene Leben.

So wie Gustav, der Großvater des Jungen, der für den frühen Teil der Geschichte die tragende Gestalt ist. 1904 hat er bei Strahwalde eine Wassermühle gekauft und sie fortan immer wieder umgebaut und ausgebaut, ein kleiner erfolgreicher Unternehmer, der aber mit der Wirtschaftskrise 1930 alles verlor und nie wieder an den Erfolg von früher anknüpfen konnte, auch wenn er immer weiter rackerte. Bis zum Schluss.

Der Leser sieht ihn noch keuchend einen Teich entschlammen, um mit dem Schlamm einen Dorfplatz fruchtbar zu machen. Man landet mit Gustav in der kargen, von Hunger geprägten Nachkriegszeit. Und ist nicht verwundert. Zumindest nicht, wenn einem die eigenen Großeltern und Eltern noch von dieser Zeit erzählt haben. Den Jahren nach dem verlorenen Krieg, in dem sie fast alle damit zu tun hatten, überhaupt zu begreifen, was geschehen war. Warum dieser Krieg so endete und die einrückenden Russen so wütend und rücksichtslos waren. Und warum das Land über Jahre nicht aus der Not herauskam.

Nur wird das bei Zwahr kein Schuld-und-Sühne-Roman. Schuld und Sühne fordern nur dumme Politiker, genauso wie sie Willfährigkeit und Anpassung fordern. Gustav stirbt, er hat sein Herz völlig überanstrengt und – den Vorwurf muss er sich gefallen lassen: Er hat sich und den Seinen nie Urlaub gegönnt, keinen Tag der Muße. Alle Tage sind draufgegangen für die Mühle, alles Geld. Geblieben ist nichts. Seine Frau, die kurz vor ihm stirbt, trägt es ihm nicht nach. Und trotzdem steht es mitten im Raum, das so deprimierende Gefühl, dass andere den großen Reibach gemacht haben, die sich nie so anstrengten, aber die Kunst beherrschen, sich ins gemachte Nest zu setzen. Und Karriere zu machen, egal, wie finster die neuen Mächte sind.

So handelt das Buch auch ein wenig vom Verschwinden der Nazis im Schatten der Nachkriegszeit. Viele gingen in den Westen und machten dort munter Karriere. Und wer im Osten blieb, lernte sich wie ein Chamäloen zu verhalten. Wieder hat man eine neue Macht bekommen, die ihre Untertanen nach Willfährigkeit bewertete. Was Johannes früh lernt, denn an die Oberschule darf er nicht, weil seine Mutter den Fragebogen ehrlich und treuherzig ausgefüllt hatte. Aber ein Beamter als Vater? Da wurde die neue „Arbeiter-und-Bauern“-Macht gnadenlos.

Auch Johannes’ Vater Georg wird zur vielschichtigen Gestalt. Nicht zur tragischen, auch wenn ihn die neuen Machthaber bürokratisch aussortieren und nicht mehr in seinem Beruf sehen wollen. So malocht er für Groschen in der Zwiebackfabrik. Selbst seine fünfjährige Kriegsgefangenschaft wird ihm augenscheinlich misstrauisch angekreidet. Eigentlich bräuchte er jede Unterstützung nach diesen fünf Jahren Entbehrung. Aber eine Willkommenskultur gibt es nicht in diesem neuen Land, in dem Leute regieren, die schon wieder alle Menschen sortieren in „Gute und Schlechte, Angepasste und Beargwöhnte“. Alles schon übertönt vom Gesang vom „neuen Menschen“.

Georg freilich lässt sich nicht brechen. Er ist seinem Sohn etwas, was Väter damals selten waren: ein kluger Ratgeber, ein väterlicher Aufklärer. Er will das Beste für ihn, weiß aber, dass nur ein Weg wirklich gangbar ist – der Umweg, auf dem man lernt, die Klappe zu halten, nichts über sich preiszugeben und den großen Kontrollierern eine Maske zu bieten, die sie akzeptieren. So wird in Johannes’ schriftlichem Lebenslauf aus dem Beamten-Vater ein simpler Angestellter.

Aber dahin muss man erst einmal kommen. Leicht macht es Hartmut Zwahr den Lesern mit seiner Erzähltechnik nicht. Es ist, als würden fortwährend die Erzählpositionen wechseln, neue Assoziationen in neue Seitenstränge führen, unverhoffte kleine Szenen im Gedächtnis auftauchen. Ein fortwährendes Wispern, Erleben, Schauen, Erinnern.

Man bekommt genau das nicht, was bei den meisten Romanerzählern und bei fast allen Historikern immer so verführerisch wirkt: die rote Linie, den eindeutigen Erzählstrang, der geradlinig von Anfang bis Ende führt, der dem Leser eine Deutung regelrecht aufzwingt. Am Ende scheint in solchen Erzählungen ja alles klar zu sein, dann hat sich die Geschichte die ganze Zeit richtig gesetzmäßig auf das Ziel, das Finale zubewegt, das der ganzen Geschichte einen Sinn verleiht.

Menschen sind so: Sie erzählen gern einen Sinn in ihr Leben und in die Welt. Das tröstet ein bisschen, schafft scheinbar klare erzählerische Strukturen. Ohne solche Geschichten scheint die Welt keinen Sinn zu haben.

Und Zwahr macht eigentlich genau das klar: Das menschliche Leben hat keinen solchen Sinn.

Den kann man ihm geben, indem man selbst daran arbeitet. Darauf deutet ja auch der schon angekündigte zweite Erinnerungsroman hin, der dann „Leipzig“ heißen soll und die Studentenzeit von Johannes in der großen Stadt abbilden soll. Möglicherweise mit großen Protagonisten, wie sie auch in Zwahrs Leben eine Rolle spielten: der Historiker Walter Markov, der Historiker Ernst Engelberg (der die große Bismarck-Biografie vorlegte), der Mittelalterspezialist Theodor Frings, der Germanist Hans Mayer … Immerhin ist es das Leipzig der 1950er Jahre, das Johannes erleben wird, ein Leipzig zwischen Aufbruch (in „eine neue Zeit“) und ersten, auch gewalttätigen „Korrekturen“.

Stalins Tod erleben wir noch im Lausitzroman – mitsamt der gewaltigen Inszenierung, die in einem Teil der Geschichtsschreibung regelrecht dramatische Züge annimmt. Die Zwahr freilich emsig hinterfragt. Viele Szenen, die er erinnert, passen nicht zur verordneten Erinnerung an ein „ganzes Volk in Trauer“. Aber er lässt auch den Zweifel zu: Vielleicht wehklagten wirklich viele Gläubige, als dieser Mann mit dem Schnauzbart starb, der „Vater aller Völker“.

Geschichte passiert nie eindeutig, sondern als ein breiter Echoraum diffusester Erlebnisse, Dialoge, Handlungen. Nichts ist so eindeutig, wie es die großen Geschichtserzählungen behaupten. Dazu passiert schlichtweg zu viel, und zwar auch noch synchron und asynchron. Was sich jetzt als Formulierung geradezu aufdrängte, weil sich Johannes und seine Freunde in der Bibliothekarsausbildung mit Stalins vier kruden Thesen zur Dialektik beschäftigen müssen und auch an der grausamen Konstruktion von „antagonistischen und nichtantagonistischen Widersprüchen“ verzweifeln.

Mit dem Quatsch wurden die Kinder in der DDR-Schule ja bis zum Schluss gequält. Doch ein Rebell ist dieser Johannes noch lange nicht. Er will es ja alles verstehen. Er ist hungrig nach Wissen. Und man nimmt es ihm ab, dass er sich im Keller der Bautzener Stadtbibliothek die Bände der nun neu verbotenen Bücher geben lässt.

Denn nach dem Aussieben der ganzen Nazi-Literatur begann schon bald auch das Aussieben jener Autoren, die von Moskau und (Ost-)Berlin aus dem Himmelreich der akzeptierten Linken verbannt wurden. Darunter auch Theodor Pliviers grandioser „Stalingrad“-Roman, der schon 1945 im Aufbau-Verlag erschienen war. Wurde das Buch wirklich aussortiert? Auf Wikipedia ist dazu nichts zu finden. Da muss also noch jemand nacharbeiten.

Denn Simone Barck erzählt in „Zensurspiele“, wie auch „Stalingrad“ 1947 im Osten auf den Index kam, weil Plivier – nach massiven Anfeindungen durch die neuen, dogmatischen Parteifunktionäre – in den Westen ging. Erst Hermann Kant machte 1984 Druck, dass Pliviers grandioser Antikriegs-Roman in der DDR wieder erscheinen konnte.

Eine Abschweifung?

Wahrscheinlich. Eine nötige. Denn Zwahr regt ja genau dazu an: Geschichte nicht mehr so eindeutig und geradlinig zu betrachten, wie sie in den Geschichtsbüchern immer dargestellt wird. Es gibt keine „Sieger der Geschichte“. Die Wirklichkeit ist viel diffuser, uneindeutiger und zielloser, als es uns meist weiszumachen versucht wird. Und aus überzeugten Kommunisten (wie auch Plivier einer war) wurden und werden oft geradezu überzeugte Antikommunisten (wie Plivier in seinem Spätwerk), und das nicht, weil sie ihre menschlichen Grundwerte über Bord geworfen haben, sondern weil sie erlebt haben, wie selbst die besten Ideen von Dogmatikern, Fanatikern und Fundamentalisten in etwas Unmenschliches, Gefühlloses und Gnadenloses verwandelt wurden und werden.

Während die Menschen, die den ganzen Laden am Laufen halten, eher zu stillen Zynikern werden. So wie der Vater von Johannes. Wobei das nicht nur auf diesen sehr harten Neubeginn zutrifft, von dem Hartmut Zwahr noch die ersten acht Jahre schildert. Es gilt für alle Zeiten, in denen die Selbstwahrnehmungen der neuen oder alten Eliten nicht mehr mit den Wahrnehmungen all derer übereinstimmen, die sich jeden Tag ums Allernotwendigste sorgen müssen. Man produziert keine „neuen Menschen“, indem man einfach behauptet, „eine neue Zeit“ sei angebrochen. Und man kann sie mit Parolen und schönen Selbststilisierungen auch nicht wirklich betrügen.

An einer Stelle wird dieser Widerspruch sehr markant, da, wo der gerade aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Georg mit dem Bürgermeister des Ortes, dem von den Nazis ins KZ gesperrten Korn, über die gemeinsame Erfahrung des Gefangenseins spricht. Eine Ebene, auf der sich diese beiden Männer auf einmal gut verstehen. Beide haben die tiefen menschlichen Abgründe kennengelernt. Aber Georg weiß aus dieser Erfahrung heraus auch, dass er gerade deshalb auch Korn nicht alles sagen darf. „Ich habe den Verdacht, dass die Leute meist gar nicht bis an den Punkt kommen, wo das Erschrecken anfängt.“

Diese Erfahrung teilt er mit Korn. Aber er weiß auch, dass nicht die Korns das Sagen haben in diesem neuen Land. Auch das gehört zum diffusen Geschichtshintergrund dieses kleinen Landes, aus dem schon zu dieser Zeit die Menschen zu tausenden fliehen. Aber Georg will schon aus einem einzigen Grund nicht „abhauen“: Denn dann würde er da drüben im Westen wieder den alten Kollegen begegnen, den waschechten Nazis, die allesamt wieder reibungslos Karriere gemacht haben. Und die allesamt schon in der NSDAP gewesen waren, als der kleine Beamte Georg noch zögerte. Auch eine Entscheidung.

Manchmal verzichtet so einer auf ein ganzes, wohlwattiertes Leben, lässt sich auf richtig harte Zeiten ein – und hat für sich vielleicht doch die richtige Wahl getroffen.

Nur schnell durch kommt man durch dieses Buch nicht. Es verwöhnt nicht mit einem „Erzählen aufs Finale hin“. Eher bremst es, weil immer wieder neue Namen auftauchen, neue Szenen erinnert werden, die sich einfügen in eine große und breite Erkundung der eigenen Herkunft, wie Zwahr sie hier vornimmt. Er sortiert nicht aus. Alles hat Bedeutung, alles ist wichtig. Erst alles zusammen ergibt den breiten, eher pfefferfarbenen Untergrund eines Lebens. Wer behauptet, sein Leben sei klar und geradlinig, ohne Schnörkel und Umwege, der lügt entweder. Oder er ist ein aalglatter Karrierist. Aber selbst für die wird es wohl nicht stimmen. Sie tun nur so.

Hartmut Zwahr Abschiednehmen, Sax-Verlag, Beucha und Markkleeberg 2018, 19,80 Euro.

Ende einer Selbstzerstörung: Hartmut Zwahrs Buch über die Revolution in der DDR jetzt im Sax Verlag

RezensionenAutobiografieLausitzRoman
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Probstheidaer Baustellen-Report: Traum von der 3. Liga stellt den 1. FC Lok vor neue bauliche Herausforderungen
Die Sanierungsarbeiten für die geschichtsträchtige Tribüne im Bruno-Plache-Stadion haben gerade begonnen. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelIm Jahr 2015 ist das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida ein Abziehbild der 1980er Jahre. An der Westseite des Geländes stand mehr ein metallener Flickenteppich als ein Zaun, von der Tribünenwand fiel der Putz, die Mannschaften trainierten im Winter auf dem Hartplatz, in der Halle war der Bodenbelag schon fünfmal abgespielt, und laut Sächsischer Versammlungsstättenordnung war das Stadion nur noch für 4.999 Zuschauer zugelassen.
Grüne beantragen ein bisschen mehr Transparenz für die Fachausschüsse des Leipziger Stadtrates
Treppenhaus im Neuen Rathaus. Foto: Ralf

Foto: Ralf

Für alle LeserMühsam nährt sich ja das Eichhörnchen. Eigentlich wissen alle, dass eine transparente Politik auch bei den Bürgern Vertrauen schafft. Und trotzdem verschwindet nicht nur der größte Teil der Verwaltungsarbeit hinter dicken Mauern, verschlossenen Türen und in abgeschotteten Gremien. Auch ein Großteil der Stadtratsarbeit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das ist nur zum Teil begründbar, stellt die Grünen-Fraktion jetzt in einem Antrag fest.
Sächsische Bildungsempfehlungen erzählen noch immer von Benachteiligung nach Wohnort und Herkunft
Wohin mit dem Knaben? Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAn Schulen, die wirklich die Bildung und die Förderung von Kindern zum Ziel hätten, gäbe es keine Bildungsempfehlungen. Jedenfalls nicht solche wie in Sachsen, wo auch die Entschärfung der alten Sortierregeln nicht wirklich etwas am System der Auslese geändert haben. Auch wenn das Kultusministerium am 10. März stolz meldete: „Von rund 31.400 Grundschülern der 4. Klassen an öffentlichen Schulen haben 48 Prozent (14.959 Schüler) in diesem Jahr eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium und 51 Prozent (16.147 Schüler) für die Oberschule erhalten.“
Das Fördernäpfchen für Sportstätten in Sachsens Kommunen war schon am 1. Januar leer und eine Ballsporthalle sorgt für Erstaunen
Alte Messe: Viel Platz für eine Ballsporthalle? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWarum wird die geplante Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz vom Freistaat nicht gefördert? Der Aufschrei war ja groß in Leipzig, als die Ablehnung des Förderantrags bekannt wurde. Und im Landtag hat der Abgeordnete der Linksfraktion Franz Sodann extra nachgefragt, woran das liegt. „Der Freistaat lehnt eine Bezuschussung durch Landesmittel, die in Höhe von 6,255 Mio. € beantragt wurden, ebenso ab, wie eine Förderung aller weiterer von der Stadt Leipzig geplanter kommunaler Sportbauten“, stellte er fest.
Auszüge aus Francis Neniks „Tagebuch eines Hilflosen“ #32
Nachwachsender Rohstoff - Holz. Foto: Gernot Borriss

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEs scheint eine kleine Ironie der großen Geschichte zu sein, dass ausgerechnet während der Präsidentschaft von Donald-The-Ol'-King-Coal-Trump der Kohleverbrauch der USA unter den der erneuerbaren Energien gefallen ist. Zum ersten Mal seit 135 Jahren. Der Blick auf die Verbrauchsstatistik zeigt die Wachablösung in Form von zwei Graphen – und beschreibt dabei einen fast schon romantischen Moment.
Herrlichstes Kopftheater: Zum 300. gibt es die Münchhausen-Geschichten mit den phantasievollen Zeichnungen von Thomas M. Müller
Gottfried August Bürger: Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDieses Geburtstagsfest fiel gründlich ins Wasser, oder besser: dem Corona-Ausnahmezustand zum Opfer. Am 11. Mai hätte Bodenwerder so gern den 300. Geburtstag seines berühmtesten Einwohners gefeiert. Aber die Feier musste ausfallen. Vielleicht wird sie im Herbst noch nachgeholt. Dafür hat sich der Leipziger Verleger Michael Faber einen großen Wunsch erfüllt: Er hat die Geschichten des Lügenbarons von Thomas M. Müller illustrieren lassen.
„Reiß‘ dich zusammen und suche dir Hilfe!“ – Kampf gegen Essstörungen, für Melanie Apitzsch der härteste Langstreckenlauf
Melanie Apitzsch: „Es ist kein Schritt zurück, sondern ich nehme nur Anlauf.“ Foto: Daniel Halangk

Foto: Daniel Halangk

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelAuf den Tag genau vor fünf Jahren erschien mit der 1. Ausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) auch meine erste große Sportgeschichte. Es war die Geschichte der Leistungssportlerin Melanie Apitzsch, die zuvor als großes Leipziger Talent auf den langen Laufstrecken und über 3.000 Meter Hindernis galt. Doch der härteste Wettkampf fand für sie nicht auf der Rundbahn statt, sondern es war der Kampf mit sich selbst, der Kampf gegen Essstörungen.
Auch Leipziger Wasserwerke schaffen ihr Jahresziel und ärgern sich trotzdem über sparsame Leipziger
Klärwerk im Rosental. Foto: KWL

Foto: KWL

Für alle LeserAuch die Kommunalen Wasserwerke Leipzig haben das Geschäftsjahr 2019 mit einem deutlichen Plus abgeschlossen. Auch wenn die Wasserwerker damit hadern, dass die Leipziger immer noch so wenig Wasser pro Kopf verbrauchen. Obwohl dieses Hadern überhaupt keinen Grund hat, denn auch das ziemlich wasserarme Jahr 2019 hat gezeigt, dass auch die Wasserwerke Leipzig die Wasserbereitstellung nicht einfach mal so aus der Hüfte erhöhen können.
Sächsische Arbeitsagentur versucht, Folgen der Umstellung auf E-Auto-Bau zu modellieren
Pkw-Produktion in Deutschland und weltweit. Grafik: Arbeitsagentur Sachsen / IAB

Grafik: Arbeitsagentur Sachsen / IAB

Für alle LeserEin paar Klicks genügen, und man ist mitten in den sächsischen Debatten um eine Krisenindustrie, die gerade die größte Transformation ihrer Geschichte vor sich hat: die Automobilindustrie. Im Januar und Februar diskutierten Wirtschaftskammern und Politiker heftig darüber, wie man den Strukturwandel im Automobilbau auffangen könnte. Da war von irgendwelchen Corona-Einschränkungen noch gar keine Rede. Die Autobauer sind nicht erst mit dem Export-Einbruch durch Corona in schweres Fahrwasser geraten.
Stadtwerke Leipzig haben 2019 ihr Ergebnis überraschend stark auf 67 Milionen Euro gesteigert
Das Kraftwerk der Stadtwerke Leipzig an der Eutritzscher Straße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSo optimistisch klang ein Geschäftsbericht der Stadtwerke Leipzig seit Jahren nicht mehr. Nirgendwo war die Bremserpolitik einer von Fossilkonzernen getriebenen Bundes-Anti-Klimapolitik stärker zu spüren als in den Stadtwerken der Bundesrepublik. Viele hatten sich darauf verlassen, dass auch die Merkel-Regierungen die von Rot/Grün eingeleitete Energiewende fortsetzen würde, hatten sogar extra noch eigene Gaskraftwerke gebaut. Auch die Leipziger Stadtwerke wurden von dieser Politik für Kohlekonzerne ausgebremst.
Hot Club d’Allemagne legt nach zehn Jahren eine neue CD vor: Hot Club d’Allemagne
Hot Club d'Allemagne: Hot Club d'Allemagne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDanach haben sich auch viele gesehnt im Corona-Shutdown: Einfach mal wieder abends in einer Bar sitzen dürfen, Gläschen oder Tässchen auf dem Tisch, entspannt zurückgelehnt und der Musik lauschen, die vier ambitionierte Herren im gedimmten Scheinwerferlicht machen – locker, zuweilen überschwänglich, herrlich beswingt und dennoch so, als würden sie so nebenbei ein paar fröhliche Lebensgeschichten erzählen. Das kann man jetzt tatsächlich haben – sogar daheim, abends, wenn man den Tag von sich abfließen lassen möchte.
QualityLand 1.1: Der erste Teil des Erfolgsromans von Marc-Uwe Kling als mitreißende Graphic Novel
Marc-Uwe Kling, Zachary Tallent: QualityLand, Band 1.1. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist eigentlich das Jahr von Marc-Uwe Kling. Aber dann kam Corona. Als die Verfilmung seiner „Känguru-Chroniken“ ins Kino kommen sollte, schlossen die Kinos. Und nicht nur die Känguru-Chroniken machen Furore (und finden auch trotz Corona zu Zuschauern und Lesern), sondern auch sein 2017 veröffentlichter Roman „QualityLand“, für den Kling just 2020 den Folgeband angekündigt hat. Wer „QualityLand“ noch nicht kennt, dem hilft jetzt der erste Comic dazu auf die Sprünge.
These #19: Der „aktivierende Sozialstaat“ grenzt insbesondere benachteiligte Menschen aus.
Kalender-These #19 – Juni 2020. Foto: MJA Leipzig e.V.

Foto: MJA Leipzig e.V.

Für alle LeserDamit gerade junge Menschen nicht am Verwaltungsdruck zerbrechen, brauchen sie Sicherheit und Förderung – um Selbsthilfepotenziale entdecken und nutzen zu können.
Interview: Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ erklärt seinen Protest gegen die Corona-Demos
Als Gegenprotest am 18. Mai 2020 auf dem Nikolaikirchhof versammelt - Leipzig nimmt Platz mit einer angemeldeten Kundgebung. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelSie kritisieren die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, wähnen sich in einer Diktatur oder verbreiten antisemitische Verschwörungstheorie: Die auch in Leipzig seit Wochen andauernden Demonstrationen beinhalten viel Problematisches. Auch sind immer mehr Personen aus dem rechtsradikalen Spektrum dort anzutreffen. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft deshalb mittlerweile regelmäßig zum Protest gegen diese Veranstaltungen auf.
Keinen Kontakt, bitte! – RC Leipzig spielte seine beste Saison und ist trotzdem traurig.
Der RC Leipzig hofft auf Spendengelder. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelRugby und Abstand halten ist wie Baden und trocken bleiben wollen. Oder anders formuliert: Wenn nicht mindestens zehn Spieler auf einem Haufen liegen, ist es kein Rugby. Zwinkersmiley. Wobei, eigentlich wäre eher der mit dem traurigen Gesicht angebracht, denn genau dieses körperbetonte Spiel ist in Corona-Zeiten absolut tabu. Beim Bundesligisten RC Leipzig herrscht dafür vollstes Verständnis. Traurig ist man an der Stahmelner Straße natürlich trotzdem.