Was würdest du tun? 24 Menschen erzählen, was ein Jahr bedingungsloses Grundeinkommen für sie verändert hat

Für alle LeserEs gibt mehrere Initiativen, die seit Jahren unter viel Einsatz dafür kämpfen, das bedingungslose Grundeinkommen endlich in der deutschen Debatte zu etablieren. Aber sie erlebten alle immer wieder, dass ihnen Politiker mit Schulterzucken begegneten und meist auch mit den beiden Totschlagargumenten: „Das kann keiner bezahlen.“ Und: „Dann will keiner mehr arbeiten.“ Wie kann man diese Argumente widerlegen? Einfach machen, beschloss Michael Bohmeyer 2014. Und sammelte mittlerweile 1 Million Unterstützer ein.

Denn wenn man immer wieder nur auf die Argumente der Politiker eingeht, die heute immer noch überzeugt sind, dass „Hartz IV“ eine gute Sache ist, dann tritt man auf der Stelle. Dann ändert sich nichts. Dann versinkt ein ganzes Land immer mehr in Depression und Angst, denn das hat etwas miteinander zu tun. Bei der SPD scheint ja so langsam der Groschen zu fallen. Bei den Chefs der Bundesagentur für Arbeit wahrscheinlich auch, denn dort geht – wenn man richtig zuhört – auch so langsam die Panik um, die die mit Zeitarbeitsverträgen angestellten Jobcenter-Mitarbeiterinnen schon lange kennen, dass ihr überflüssiger Job tatsächlich nicht mehr gebraucht wird.

Michael Bohmeyer hat sein Experiment in einer Situation gestartet, die selbst schon so eine Art Leben in Bedingungslosigkeit war: Beim Verkauf seines ersten Unternehmens hatte er genug Geld zusammenbekommen, um fortan einfach mal ein paar Jahre nichts tun zu müssen. Und es ging ihm wie vielen, die später ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommen sollten: Er stand vor einem Alltag mit ganz viel Zeit, ohne Handlungsdruck.

Gesundheitlich bekam es ihm sofort, denn endlich klangen alle körperlichen Beschwerden ab, die ihn in der Zeit der Selbstständigkeit ständig gequält hatten. Alles Beschwerden, die unsere Gesundheitskassen zur Genüge kennen – psychosomatische Beschwerden einer Arbeitswelt, die immer schneller, rücksichtsloser, ruheloser wird. Wo man sich nicht ausklinken kann und permanent in Sorge ist um den nächsten Auftrag, den nächsten Abgabetermin, die nächste zu bezahlende Rechnung, dass das Geld am Monatsende reicht ….

Sorgen, die Millionen Deutsche teilen, egal, ob sie fest, in Zeitvertrag oder selbstständig beschäftigt sind. Alle leben in einer permanenten Angst, das Soll nicht zu erfüllen, das Rennen zu verlieren und morgen schon als Bettler im Jobcenter zu stehen.

Aber was tat Bohmeyer? Er tat, was sie alle machten, später, als es die ersten verlosten Grundeinkommen gab: Er gab seinem Tag eine Struktur, mietete wieder ein Büro und entwickelte eine Idee. Denn Bohmeyer geht es wie uns allen: Er ist ein Mensch. Und wir halten es nicht wirklich aus, unsere Zeit einfach zu vertrödeln. Es steckt in uns: Wir wollen unserem Leben einen Sinn geben, wir wollen Dinge verwirklichen. Und wir wollen uns selbst verwirklichen, etwas, was in der ganzen Idee von „Agenda 2010“ überhaupt nicht vorkommt: Dass Menschen eigentlich arbeiten wollen, weil sie in Arbeit Erfüllung finden. Nicht in jeder Arbeit.

Unser Arbeitsmarkt ist angefüllt mit pervertierter Arbeit, mit sinnlosen Jobs, die ihre Ausführenden seelisch zermürben, aber dennoch gemacht werden, weil man anders nicht zu Geld kommt.

Und das ist die eigentliche Grundidee eines bedingungslosen Grundeinkommens: Was passiert, wenn man Menschen einfach die Sicherheit gibt, dass jeden Monat genug Geld da ist, um ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten? Bleiben sie dann zu Hause? Kaufen sie sich eine Hängematte?

Wie bekommt man das heraus?

Bohmeyer startete ein Experiment. Er startete einen Spendenaufruf und sammelte Menschen, die bereit waren, einfach Geld zu geben, um ein paar zufällig ausgelosten Leuten ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.000 Euro pro Monat zu geben. Das Experiment unterschied sich von Anfang an von all den anderen Experimenten, die damals für Schlagzeilen sorgten. Keine Behörde, kein Staat, kein großes Unternehmen stand dahinter, kein Parlamentsbeschluss, der beim nächsten Regierungswechsel wieder kassiert wird. Nichts als die pure Bereitschaft von Menschen, Geld zu geben, damit andere Menschen ein Jahr lang sorglos leben können. Um ein solches Grundeinkommen konnte man sich bewerben. Unter den Bewerbern wurden – als die ersten zehntausende Euro da waren – die ersten Grundeinkommen ausgelost. Wirklich bedingungslos: Die Gewinner konnten damit tun und lassen, was sie wollten. Sie mussten niemandem Rechenschaft darüber ablegen, ob sie das Geld investierten, ob sie weiter in Arbeit blieben oder es für einen Flug nach Australien ausgaben.

Die ersten Jahre waren Bohmeyer und seine Mitstreiter im Verein eher verblüfft darüber, dass immer mehr Deutsche einfach mitmachten und spendeten. Eine Million sollen es heute schon sein. Das ist kein kleines Experiment mehr. Das ist eine Volksbewegung. Anfangs hielt Bohmeyer schon 100 Gewinner für tollkühn. Doch die Spendenbereitschaft ließ nicht nach. In den Medien erschienen die ersten sensationell aufgemachten Geschichten von Gewinnern, Geschichten, die sich meistens lautstark darüber wunderten, dass die Gewinner so eines Grundeinkommens das Geld nicht einfach verbrieten, wie das bei Lotto-Gewinnern oft der Fall ist. Viele steckten das Geld in eine Geschäftsidee oder eine Weiterbildung.

Aber wie Medien so sind: Sie haben ihre Interpretationsraster und stellen selten die richtigen Fragen.

Als 160 Gewinner ausgelost waren, beschlossen Michael Bohmeyer und Claudia Cornelsen, endlich die Gewinner selbst zu fragen. Claudia Cornelsen steckt als Publizistin schon lange im Thema, hat vor allem den dm-Gründer Götz Werner begleitet, als der für die Idee eines Grundeinkommens zu werben begann. Auch er wird gern mal interviewt, aber dann war das Thema wieder abgehakt. Die Politik kehrte wieder zu den alten, ausgelatschten Argumenten zurück. Argumenten von Leuten, die eher nie mit dem deutschen Jobcenter-System in Berührung kommen und die vor allem von anderen Menschen immer das Schlimmste annehmen. Und ihnen nichts zutrauen.

Natürlich gehen einige Kapitel im Buch dann auch auf die ganze Perfidie des deutschen Hartz-IV-Systems ein, das nicht unbedingt wegen der elend niedrigen Fördersätze so perfide ist, sondern durch die permanente Bevormundung, das amtliche Misstrauen, die Pfennigfuchserei. Ein System, das die Betroffenen entweder zu Opportunisten macht oder zu Lügnern.

Bohmeyer und Cornelsen beschlossen, 30 der 160 ersten Gewinner persönlich zu sprechen und mit ihnen über die wirklichen Erfahrungen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu sprechen. Wohl wissend, dass ein Jahr Bedingungslosigkeit bestenfalls ein Anfang ist. Was bringt ein Jahr ohne finanzielle Sorgen? Verändert das schon etwas?

24 der Ausgelosten haben sie besucht. Davon erzählt dieses Buch. Von richtigen Menschen, die ein Jahr lang jeden Monat einfach 1.000 Euro aufs Konto überwiesen bekamen. Darunter Obdachlose, Studenten, Unternehmer, aber vor allem auch viele Menschen, die man eigentlich als „normaler Durchschnitt“ bezeichnen würde, wenn man sie in der Statistik suchen würde. Menschen, die kurz davor waren, alles hinzuschmeißen: die Selbstständigkeit, die sie aufzufressen drohte, die Ehe, die vor die Hunde zu gehen drohte, die Arbeit, in der sie nur schikaniert und ausgebeutet wurden, oder die Arbeit, die sie nur noch krank macht.

Das ist eigentlich das Verblüffende an diesem Buch: So komprimiert hat man den Zustand unserer heutigen Arbeitswelt noch nirgendwo gelesen, gespickt mit konkreten Schicksalen von Menschen, die allesamt das Gefühl haben, dass das nicht mehr auszuhalten ist. Überall begegnen die beiden Reisenden dem Thema Angst. Selbst bei jenen, die eigentlich genug verdienen, um als reich zu gelten, wird die Angst spürbar – die Angst, dass morgen die Gesundheit nicht mehr mitmacht, dass sie das Arbeitspensum nicht halten können oder das Unternehmen abgewickelt und nach Fernost verlagert wird. Und dass sie morgen schon beim Amt betteln müssen. „Hartz IV“ hat diese Angst noch geschürt. „Hartz IV“ zerfrisst unsere Gesellschaft. Und es führt noch zu etwas anderem: Die Menschen fühlen sich dem System hilflos ausgeliefert.

Und man ist schon erschrocken, wie viele der Befragten schlechte Erfahrungen mit „Hartz IV“ gemacht haben. Und wie viele sich geschworen haben, nie wieder etwas mit dem Jobcenter zu tun haben zu wollen, sich nie wieder erniedrigen und entblößen zu lassen.

Lieber machen sie drei Jobs, arbeiten schwarz oder verzichten auf all ihre Konsumwünsche, Kinder und Familie. Auch die berühmten „Rabenväter“ kommen vor, Männer, die nicht in der Lage sind, den Unterhalt für ihre Kinder zu zahlen, aber eben auch die Frauen, die sich dann allein mit den Kindern durchschlagen müssen und auf Studien- und Berufsabschluss und Karriere verzichten, denn all das kostet Zeit und Geld. Man lernt ein Land kennen, in dem die Menschen aus Sorgen und Ängsten nicht mehr herauskommen.

Und so abwegig ist die Geschichte von Freddie dann auch nicht, der sich angesprochen fühlt von den Verschwörungstheorien der Gegenwart, so wie Millionen andere, die auf einmal die vorgestrigen Ideen der Nationalisten als Lösung empfinden für ein Dilemma, das sie als Entmündigung und Respektlosigkeit empfinden, als eine gesichtslose Macht, die ihnen jeden Cent missgönnt und sie selbst als ohnmächtig und bedeutungslos dastehen lässt. Die autoritäre Ideologie setzt genau an diesem Punkt an: Sie verspricht den Ohnmächtigen wieder Würde und Macht – zumindest über andere, noch Machtlosere.

Freddie ist keine Ausnahme. Es gibt heute viele Freddies. Über ihn schreiben Bohmeyer und Cornelsen: „Freddie ist der menschliche Seismograph für das autoritäre Dauerbeben unseres sozialstaatlichen Fundaments. Seine Aussagen sind Ausdruck eines Menschen, der sich ohnmächtig in einem autoritären System befindet und nach Überlebensstrategien sucht. Genau das ist Fromms sozialpsychologischer Ansatz. Wer Freddie als Spinner abtut, pathologisiert den Menschen statt des Systems.“

Freddie ist sogar sehr typisch, denn immer wieder hat er sich aufgerafft, einen neuen Job gesucht, ein Unternehmen gegründet – und immer wieder erfahren, dass ihm sture Ämter nur Knüppel zwischen die Füße warfen. Mit dem Grundeinkommen aber startet er den Versuch einer Befreiung, ein neues Unternehmen zu gründen und Deutschland zu verlassen. Hier fällt das Wort Freiheit, das so oft malträtiert wird in unserem Land.

Das Wort kommt auch bei der Analyse des Grundeinkommengefühls wieder, mit dem Bohmeyer und Cornelsen zu fassen versuchen, was die Beschenkten tatsächlich erlebt hatten. Und Freiheit ist ein ganz zentraler Begriff, denn viele von ihnen wurden durch das bedingungslos gegebene Geld erstmals in die Lage versetzt, sich aus unaushaltbaren Zuständen zu befreien – miese Jobs zu kündigen, kaputte Partner zu verlassen oder einfach mal rauszukommen aus dem wilden Hamsterrad, das ihre Tage und Nächte gefressen hat, eine Ruhephase einzulegen und darüber nachzudenken, was sie im Leben wirklich wollen.

Und alle Befragten haben, wie man liest, etwas erlebt, was in unserem knickrigen Deutschland selten geworden ist: echtes Zutrauen. Sie bekamen einfach zwölf Monate Geld von unbekannten Menschen, die ihnen einfach blind zutrauten, dass sie mit dem Geld das Richtige tun würden.

Was übrigens das Wichtigste in diesem Buch ist. Immer wieder insistieren Bohmeyer und Cornelsen auf diese Bedingungslosigkeit. Die bei den Ausgelosten nicht nur wie ein Geschenk ankam, sondern wie eine liebevolle Geste. Die Geldgebenden signalisierten jedem/-r Ausgelosten einfach durch diese blanke Bedingungslosigkeit, dass sie ihm oder ihr nicht nur zutrauten, mit Geld klug umgehen zu können, sondern dass sie einfach als Mensch geachtet wurden, als ein Mensch, dem man zutraute, das eigene Leben in die Hände nehmen zu können und was draus zu machen.

Es sind lauter Geschichten, die genau davon erzählen. Vom Aufatmen, weil auf einmal diese tägliche Sorge ums Geld weg war, vom aufkeimenden Mut, weil sich die Beschenkten auf einmal zutrauten, ihre Pläne wirklich in die Tat umzusetzen, von Tatendrang natürlich, denn wer nicht ständig von miesepetrigen Ämtern gegängelt wird, der überlegt sich selbst, was ihm wichtig ist im Leben, was in die Tat umgesetzt werden kann. Und die größte Überraschung: Es waren fast alles Ideen, die unsere Gesellschaft bereichern, in denen die Beschenkten aufbrechen, die Kammer verlassen und mit anderen gemeinsam etwas in Bewegung setzen wollen. Sie geben das Geld weiter.

Was übrigens die ganzen grunddummen Kritiken der Leute widerlegt, die ständig behaupten, dass ein Grundeinkommen nicht finanzierbar sei. Denn nichts würde das Geld im Land schneller fließen lassen als ein Grundeinkommen. Auch weil sich dann viele Menschen erst einmal leisten könnten, was die Autoren Fürsorge nennen. Sie beginnen Dinge zu tun, die ihnen selbst guttun. Viele verreisen, manche sogar erstmals im Leben, andere kaufen sich endlich ein paar Bücher, beginnen eine neue Ausbildung oder tun etwas für Seele und Gesundheit. Auf einmal dürfen sie das. Auf einmal rechnet ihnen kein Amt mehr vor, dass das im bewilligten Mini-Etat nicht vorgesehen ist.

Man ahnt schnell, wie tief so ein bedingungsloses Grundeinkommen in die Tiefe unserer Gesellschaft eingreift, die eine Gesellschaft aus Angst, Nörgelei, Bevormundung und Neid ist. Jeder missgönnt dem anderen etwas, der Arme dem Reichen, der Inländer dem Ausländer, Nachbarn einander, „Leistungsträger“ den „Leistungsverweigerern“. Es wird eine Gesellschaft sichtbar, in der die Menschen so sehr um ihre Existenz, ihren Status und eine „gerechte“ Entlohnung bangen, dass sie vor lauter Neid und Missgunst vergessen, ihr eigenes Leben wertzuschätzen und mit Sinn zu erfüllen. Und noch etwas wird deutlich: Genau diese Zustände führen dazu, dass sich die meisten Menschen nicht akzeptiert, nicht respektiert und nicht geliebt fühlen.

Denn nichts bekommen sie ohne Bedingungen, Geld schon gar nicht. Eigentlich wäre „Hartz IV“ eine Art Grundeinkommen – wenn es nicht mit lauter Auflagen, Schikanen und Bedingungen versehen wäre. Ganz abgesehen davon, dass all die anderen sozialen Wohltaten des Staats gerade den Bedürftigsten auf Heller und Pfennig gegengerechnet werden. Wer „Hartz IV“ bekommt, ist nicht frei. Er wird auch nicht mehr als mündiger Mensch und Staatsbürger behandelt. Alles an diesem System sagt dem Betroffenen, dass ihm der Staat nichts zutraut, schon gar nicht die Fähigkeit, aus seinem Leben etwas Sinnvolles zu machen.

Autoritäre Staaten trauen ihren Bürgern nicht. Und sie hätscheln die Existenzangst, die sie alle empfinden, auch der Unternehmer, der 60 Stunden in der Woche malocht, die Jobcenter-Angestellte, deren Vertrag befristet ist, der gut bezahlte Facharbeiter, der sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass sein Unternehmen morgen noch in Deutschland ist …

Das Projekt Grundeinkommen ist ein großes Experiment geworden, ein Soziallabor, in dem hunderte Menschen schon erfahren haben, was es heißt, ein Jahr lang ohne jede Bedingung das zum Leben Notwendige zu bekommen. Und damit eine Anerkennung, die unser patriarchalischer Staat einfach nicht fertigkriegt: „Wir trauen dir. Wir trauen dir das alles zu.“

Den Trieb wirklich was draus zu machen, haben alle Befragen gehabt. Das ist uns eingebaut, auch wenn neoliberale Spinner etwas anderes behaupten. Menschen wollen sich im Leben verwirklichen. Und sie wollen eine Arbeit, in der sie das Gefühl haben, respektiert und gebraucht zu werden …

Menschen wollen gebraucht sein.

Das ist unüberlesbar.

Offen ist eher, was passiert, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen sogar länger als ein Jahr gezahlt wird. Daran will der Verein nun arbeiten.

Aber schon die Erfahrungen mit dem einjährigen Grundeinkommen zeigen, dass es nicht um das Geld selbst geht. Denn so viel Geld ist es nicht. Es ist die Bedingungslosigkeit, die die Menschen verändert, die ihnen die Angst nimmt und vielen zum ersten Mal im Leben den Raum gibt, zu entspannen und gelassen die eigene Zukunft zu planen.

Mittlerweile haben 250 Menschen so ein Grundeinkommen gewonnen. Ich schätze, die in diesem Buch geschilderten Schicksale sind sehr symptomatisch. Menschen, die ähnliche Erfahrungen mit einer irrelaufenden Arbeitswelt gemacht haben, kennt jeder von uns zu Hunderten. Und es sind viele dabei, die wahrscheinlich erstmals auch aus der gebückten Haltung herauskämen, wenn ihnen jemand so bedingungslos zeigt, dass er nicht als „flexible Arbeitseinheit“ erst Wert hat, sondern dass er als Mensch wertvoll ist. Einfach, weil er oder sie da ist. Und uns bereichert, durch sein oder ihr Dasein. Wenn sie danach noch aktiv werden und unsere Gesellschaft mit ihren Unternehmungen und Ideen bereichern, kann das noch ganz andere Entwicklungen auslösen. Denn all diese Menschen sind weder faul noch dumm noch gierig. Sie wollen nur das Gefühl haben, gebraucht zu werden und ein sinnvolles Leben leben zu dürfen.

Dieses Gefühl haben Millionen Menschen nicht.

Und das macht unsere Gesellschaft nicht nur krank. Es ist das Pulverfass, auf dem wir sitzen. Auch deshalb unterstützen immer mehr Menschen die Idee des Grundeinkommens. Und das Buch erzählt sehr genau, was es mit den wenigen, die es schon mal erlebt haben, verändert.

Bohmeyer; Cornelsen Was würdest du tun?, Econ Verlag, Berlin 2019, 16 Euro.

Die packende Geschichte davon, wie sehr die Einführung des Grundeinkommens Deutschland verändern würde

RezensionenBedingungsloses Grundeinkommen
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