Der gesteuerte Mensch: Gottfried Böhmes vehemente Streitschrift gegen die Überwältigung unserer Schulen durch die Gier der Digitalkonzerne

Für alle LeserVielleicht nutzen ja einige Menschen die verordnete Zeit des Zuhausebleibens dazu, ein bisschen nachzudenken über all die Dinge, die vor Beginn der Corona-Krise in wildem Stakkato auf die Bürger hereinprasselten, zum Beispiel über den Digitalpakt Schule, der vor ziemlich genau einem Jahr vom Bundestag beschlossen wurde. Übrigens: ohne die Lehrer zu fragen. Und ein Leipziger Lehrer ist geradezu entsetzt über das, was da beschlossen wurde.

Immerhin musste dafür ja sogar das Grundgesetz geändert werden, denn der Bund darf sich eigentlich nicht in die Bildungshoheit der Länder einmischen. Auch nicht mit Geld, in diesem Fall 5 Milliarden Euro, mit denen die Schulen mit digitaler Technik „besser ausgestattet“ werden sollen. Und 60 von der Kultusministerkonferenz definierte Kompetenzen sollen in die Lehrpläne Eingang finden.

Der Digitalpakt Schule ist wohl das größte Lobbyprojekt, das die großen Digitalkonzerne in Deutschland jemals durchgesetzt haben. Eine riesige Umverteilung von Steuermitteln, die letztlich bei den IT-Konzernen landen, vielleicht auch dem einen oder anderen deutschen Anbieter wie dem Hasso-Plattner-Institut – wenn denn die Bundesländer so wahnsinnig sind, ihre Schulen allesamt in eine Cloud zu schicken, wo für die Datensicherheit der Schülerinnen und Schüler niemand wirklich garantieren kann.

Auch nicht die Bundesregierung oder die Kultusministerkonferenz, die in ihrem Grundlagenpapier sogar dezidiert schreibt, dass für die Datensicherheit am Ende die Lehrer/-innen und Schüler/-innen selbst sorgen müssen. Das zählt dort unter Kompetenzen.

Gottfried Böhme ist Lehrer, war jahrelang am Evangelischen Schulzentrum tätig, ist studierter Philosoph und Germanist. Und vor zwei Jahren hat er schon mit Freunden und Mitstreitern ein wichtiges Manifest veröffentlicht: „Der Mensch ist keine Maschine – Zur Verteidigung der Menschenwürde gegen ihre Widersacher im digitalen Zeitalter“.

Es erreichte nur wenig Resonanz. Als wäre unsere Gesellschaft noch immer nicht so weit zu begreifen, was für eine gigantische Macht die großen Internetkonzerne mittlerweile haben und wie sie ihre Interessen in allen Ländern der westlichen Welt fast ohne Widerstand durchsetzen können. Mitsamt ihrer Art, die Welt und den Menschen zu verstehen. Und die ist brandgefährlich. Denn sie denken tatsächlich so: Für sie ist der Mensch eine Maschine und der Nutzer mit Algorithmen steuerbar.

Und beim Digitalpakt geht es eben nicht nur um die WLAN-Ausstattung von Schulen und Tablets für alle Schüler. Was übrigens alles nicht neu ist. Andere Länder haben solche Milliardenausstattungen sogar schon probiert – mit fatalem Ergebnis wie etwa in Australien, wo man dieses technokratische Experiment mit den Schülern inzwischen wieder beendet hat.

Denn all die Versprechen der Digitalkonzerne und der für sie aktiven Lobbyvereine (wie der Bertelsmann-Stiftung, die seit Jahren enormen Druck ausübt, die Schulen auf „Effizienz“ zu drillen), sind reineweg erfunden. Die Werbebroschüren (deren Tonfall sich in den politischen Vorlagen wiederfindet) sind vor Optimismus und Heilsversprechen nicht zu überbieten.

Doch Böhme lässt sich von dem Getrommel nicht beeindrucken. Dazu war er zu lange erfolgreich als Lehrer tätig. Er liest auch die Studien zu den tatsächlichen Wirkungen der Nutzung digitaler Geräte auf den Lern- und Bildungserfolg der Kinder. Und keine einzige belegt, dass es so einen Erfolg tatsächlich gibt. Im Gegenteil: Sämtliche Studien zum immer mehr ausufernden Gebrauch der Digitalgeräte von Kindern und Jugendlichen zeigen: Ihre Lernleistungen verschlechtern sich.

Sie werden unaufmerksamer, durchdringen den Stoff nicht, neigen zu Copy and Paste, ohne den Inhalt begriffen zu haben, werden permanent abgelenkt, weil ihre Smartphones fortwährend um Aufmerksamkeit betteln, werden depressiv und vereinsamen. Denn all die Stunden (bei Jugendlichen sind es heute oft schon 10 Stunden am Tag), die sie mit ihren technischen Geräten und ihren „digitalen Freunden“ zubringen, gehen für echte Begegnungen mit echten Freunden, für handwerkliche und sportliche Betätigung verloren.

Aber Böhme wäre kein Philosoph, wenn er in seiner Kritik an dieser Erschließung der Schulen für die digitalen Märkte nicht auch über das Menschenbild nachdenken würde, das die von Disruption besessenen Programmierer im Silicon Valley vor Augen haben. Denn ihre disruptive Technologie (mit der sie ja auch schon die klassischen Medien frontal angegriffen und in eine tiefe Krise getrieben haben) hat Folgen auch für Politik und Gesellschaft. Denn damit zerstören sie das wichtigste Aufklärungsinstrument der Demokratie und sorgen dafür, dass radikale politische Ansichten und Verschwörungstheorien auch disruptive Macht in der Gesellschaft erlangen.

Und es gibt auch längst Experimente, wie eine volldigitale Schule aussehen kann, in der „lernende“ Algorithmen die Lernfortschritte von Schülern gestalten und den Lehrer vorn an der Tafel aus dem Unterricht radieren. Es gibt nur noch „Lernbegleiter“, die dann eingreifen, wenn die Technik Schwierigkeiten bereitet, so wie heute schon viele Techniker in vollautomatisierten Autofabriken. „Lehrer“ werden zu Technikern, Schüler zu Produkten, die fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt.

Wobei ja kein Mensch weiß, wie der Arbeitsmarkt der Zukunft aussehen wird. Auch die ganzen Lobbyvereine nicht, die heute überall behaupten, dass die „Künstliche Intelligenz“ Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen werde – bis hin zu Ärzten und Juristen. Wer diese Art Denken zu Ende geht, sieht, wie der denkende, kreative Mensch von diesen Konzernen regelrecht aus der Arbeitswelt entfernt werden soll.

Dass die so genialen Programmierer in Sozialbelangen völlig inkompetent sind, haben längst all die Skandale um Horror, Lügen, Fakenews und in Hass und Streit ausartenden Kampagnen in den „social media“ gezeigt. Die Schöpfer dieser Netzwerke haben nicht einmal begriffen, was da abgeht. Und sie haben auch keine Lösung, wie sie diese zerstörerischen Entwicklungen beenden können, denn sie sind Teil ihrer Technologie und werden von ihren Algorithmen geradezu befeuert.

Und davon soll es jetzt noch viel mehr in der Schule geben?

Wenn man Böhmes Buch genau liest, wird man merken, dass der 5 Milliarden Euro schwere Digitalpakt heute schon zum Scheitern verurteilt ist. Schon aus finanziellen Gründen, denn das Geld reicht nicht einmal zur Komplettausstattung aller 40.000 Schulen in Deutschland. Und auch nicht zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Spätestens wenn die Geräte kaputt gehen oder ausgetauscht werden müssen, weil sie veraltet sind, wird wieder eine Summe in dieser Größenordnung fällig. Wer wird die zahlen? Die Bundesländer? Oder doch die Kommunen, die für die Ausstattung der Schulen verantwortlich sind?

Und wer stellt eigentlich die Lernprogramme zur Verfügung? Denn wer bestimmt denn, was auf diesen Geräten laufen wird? Wird es der Preis sein? Bekommen die Schulen die Software mit den Geräten verkauft? Werden dann überall nur noch dieselben Lerninhalte vermittelt?

Und was passiert mit den Lehrern?

Keine ganz unwichtige Frage, die Böhme stellt, der sehr wohl weiß, wie hart der Lehrerberuf heutzutage unter Kritik steht, weil Eltern jeden Respekt vor diesem Beruf verloren haben, Politiker erst recht. Was auch mit dem – über Vereine wie die Bertelsmann-Stiftung – propagierten Bild vom effizienten Lernen zu tun hat und dem mit Macht ins politische Sprechen eingeführten Begriff „Kompetenzen“. Kompetenzen aber sind nichts anderes als Grundfertigkeiten.

„Wenn ich den Schülern Kompetenzen beigebracht habe, dann habe ich sie entlastet, sich den Dingen zu widmen, die es eigentlich verdienen, dass man sich intensiv mit ihnen beschäftigt. Das muss ich dann aber einfordern – dafür muss ich unbedingt die Zeit einräumen“, betont Böhme.

Denn in der Schule geht es um Menschenbildung, darum, Menschen zu bilden, die in der Lage sind, die Welt zu begreifen und ihr Leben selbstbewusst und aufgeklärt selbst zu gestalten.

Was aber die heutigen Kultusminister wollen, ist die Herstellung von funktionierenden Rädchen. Böhme zitiert dazu den Kritiker Roberto Simanowski: „Das utilitaristische Bildungskonzept erzieht nicht Staatsbürger, sondern Arbeitskräfte.“

Genau die Arbeitskräfte, die selbst die IT-Konzerne überhaupt nicht brauchen. Gerade diese Digitalisierungskampagne zeigt ja, wie schnell Verblödung selbst schon im politischen Rahmen funktioniert. Und die Kultusminister folgen – ohne Widerspruch und ohne das geringste bisschen an eigener Expertise. Sie haben das „utilitaristische Denken“ über Bildung nach Jahren des Dauerbeschusses verinnerlicht.

Und sehen deshalb auch nicht mehr, dass Schule ein Trainingsfeld für das Unbekannte, Unverhoffte und Nicht-Berechenbare sein muss. Weshalb – so Böhme – auch eine ernsthafte Diskussion über Medien in die Schule gehört. Denn was nutzen all die digitalen „Kompetenzen“, wenn die Schüler nicht mal verstehen, wer die Inhalte vorgibt und wie die disruptiven Technologien unsere Gesellschaft beeinflussen?

Gerade deshalb müsse die Schule ein weitgehend IT-freier Raum sein, betont Böhme. Ein Raum, in dem die Smartphones einmal ein paar Stunden ausgeschaltet bleiben (was in Frankreich schon längst gesetzlich verordnet ist) und die Schüler sich einem Menschen stellen müssen, der einmal nicht ihre überforderten Eltern ist, sondern ein Mensch, dem (wenn er gut ist) ihre Menschenbildung wichtig ist.

Der sie herausfordert und ihnen auch Aufgaben stellt, an denen sie wachsen müssen, die sie herausfordern, aktiv zu werden und ihre Kreativität zu entfalten. Nur dann macht Schule Sinn. Und nur dann werden junge Menschen in die Lage versetzt, sich eine eigene Sicht auf die Welt und ihren Sinn zu erarbeiten.

Gern auch im ganz großen Bogen bis hin zu den alten griechischem Philosophen, die sich – weil sie ja jede Menge Zeit zum Drübernachdenken hatten – sehr viele Gedanken gemacht haben über das Ich und das Selbst. Denn darum geht es letztlich in der Schule erst recht: Die Ausbildung eines zu kritischer und aufgeklärter Distanz fähigen Selbst.

Aber genau das bilden Algorithmen nicht aus. Algorithmen sind blind, kennen nur Lernziele und Lerninhalte. Deswegen wird ja heute so viel über „Content“ schwadroniert, weil man Masse berechnen kann, Qualität aber nicht. Content ist Masse. Alle kennen das, wie die auf Effizient getrimmten Lehrpläne geradezu zum Bulimielernen zwingen. Oft ist der Lernstoff nur eine durchzuwürgende Momentaufnahme. Nach der Prüfung ist alles weg. Und gelernt, wie man sich Wissen wirklich grundlegend aneignet und daraus Bildung fürs Leben gewinnt, haben die Kinder nicht.

Über die fatalen Folgen allein schon dieses Bulimielernens können Ausbildungsbetriebe genauso ihr Klagelied singen wie Universitäten. Sie bekommen schlicht immer weniger Bewerber, die sicher im Stoff stehen und souverän auf antrainierte Fähigkeiten zurückgreifen können.

Und wenn jetzt alle Schulen komplett digitalisiert werden sollen, wird das noch schlimmer, bekommt man noch viel mehr Schulabgänger, die zwar haufenweise „Kompetenzen“ mitbringen, aber nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen oder wie sie auf Krisen und Veränderungen reagieren können. Weil ihnen das grundlegende Rüstzeug fehlt, das ihnen all die technischen Spielzeuge nicht bieten können.

Geschaffen von Leuten, die Böhme schlicht als Nihilisten bezeichnet: „Wenn sich solche nihilistischen Unternehmer anschicken, nun auch noch auf den Erziehungssektor Einfluss zu gewinnen, müssen alle, für die humane Bildung noch ein substantieller Wert ist, aufwachen.“

Für ihn ist das, was da in deutschen Schulen passieren soll, die nächste Vereinnahmungsstufe des Digitalkapitalismus, der auch noch an das Letzte herankommen will, was er noch nicht verwerten kann: die Daten der Schüler.

Böhme findet es zu Recht erschreckend, wie mit dem Aufkommen der „social media“ und der Smartphones die Erkrankungen, Depressionen und Selbsttötungen unter Schülern zugenommen haben. Er ist Lehrer – anders als unsere Politiker nimmt er Statistiken ernst. Und er hat die Schüler ja schon in einer Zeit erlebt, als die Digitalgeräte erst nur die Freizeit und Pausen der Kinder erobert hatten, noch nicht den Unterricht.

Im Anhang seiner faktenreichen und klugen Streitschrift gibt er noch ein paar „Richtlinien für ein besseres Digitalpaket Bildung“, in denen er den falschen Prämissen aus dem Bildungspakt sinnvolle Vorschläge entgegensetzt, Schulen wieder ihre Autonomie zurückzugeben (die mit dem Digitalpaket massiv unterlaufen wird) und Lehrern wieder die Verantwortung, ihre Schüler/-innen zu selbstbewussten, selbstsicheren und unabhängigen Menschen mit hoher sozialer Kompetenz zu machen.

Und zwar in Klassen, in denen die jungen Menschen und der Pädagoge sich noch real und auf Augenhöhe begegnen, sich aneinander reiben können und wo Lehrer auch die Freiheit haben, ihre Schüler mit eigenen Herangehensweisen und Materialien für den Stoff zu begeistern, den sie vermitteln wollen.

Dazu braucht es aber pädagogische Fähigkeiten und Erfahrungen, etwas, was auch „selbstlernende“ Algorithmen niemals hinkriegen, denn sie sind nur auf die Optimierung von Mustern gedrillt, nicht auf das spontane Reagieren oder gar die Herausforderung dessen, was über den einheitlichen Lernstoff hinausgeht.

Man erfährt mit Böhme auch eine Menge über das Lehrersein, das in den verschwurbelten Beschlüssen der Kultusministerkonferenzen nicht zu finden ist. Dort betrachtet man Lehrer augenscheinlich schon seit Jahren nur noch als „Lernbegleiter“, was zur Entwertung des Lehrerberufs massiv beigetragen hat.

Obwohl selbst die unaufmerksamen Schüler wissen, dass sie von pädagogisch geschulten Menschen eine Menge fürs Leben gelernt haben, wenn auch manchmal unter Tränen oder Abwehr. Denn Schule ist Herausforderung. Gute Lehrer fordern ihre Schüler/-innen. Und auf ihre eigensinnigsten und verträumtesten Schüler/-innen sind sie am stolzesten. Denn die sind es, die die Welt wirklich zum Besseren verändern.

Mit dem Digitalpakt sind wir dabei, gerade diese Freiheit aus den Schulen auszutreiben und die Schulgebäude zum Marktplatz riesiger IT-Konzerne zu machen, die weder eine Moral kennen (und Steuern in Milliardenhöhe hinterziehen), noch Empathie oder gar ein Verständnis für eine freie und demokratische Gesellschaft. Ihre Marktradikalität befördert auch die Radikalität der Inhalte und eine Entwertung all dessen, was wir unter humanistischer Bildung verstehen.

Ein Brandbuch zur Zeit, von dem man nur hoffen kann, dass es auch Kultusminister/-innen und lokale Bildungspolitiker lesen und vor allem – auch verstehen.

Gottfried Böhme „Der gesteuerte Mensch“, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, 15 Euro

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