Wie erklärt man Kindern die Welt? Natürlich mit Bildern. Und Abenteuern. Und Einhörnern … Quatsch. Einhörner natürlich nicht. Die sind nur was für Kinder, die sich auch noch einen Bären aufbinden lassen und an den Weihnachtsmann glauben. Pfiffige Kinder wollen wissen, wie es wirklich ist. Zum Beispiel, wenn man zum Mond fliegt. Was in diesem Buch Juli mit ihrem wandelbaren U-Boot-Raketen-Freund Ulf macht. Es ist ihre zweite Reise.

Die erste hatte den tiefsten Punkt der Meere zum Ziel. Aber auch in „Die Tiefseetaucherin“ versuchte die Katapult-Mannschaft schon zu zeigen, wie man Wissen und Abenteuer in einem Buch für Kinder zusammenbringen kann, die schon lesen können und wirklich neugierig sind auf die Welt. Dazu wurden auch Wissenschaftler/-innen befragt, damit die Fakten stimmen. Und Iris Ott hat das Ganze dann in Bilder gepackt. Damals mit Ulf als U-Boot, mit dem das Mädchen Uli abtauchen konnte in das faszinierende Reich unter Wasser.

Nun hat sich Ulf in eine Rakete verwandelt und hebt mit Juli ab Richtung Mond. Wobei man merkt: Ein paar Raketenpioniere waren nicht in der Mannschaft. Die Sache mit dem „Wie baut man eine Rakete“ bleibt erst mal außen vor. Zunächst geht es reineweg ums Fliegen. Und zwar ab Bodenhöhe. Weshalb Ulf die Triebwerke auch erst in größerer Höhe zündet, dort, wo die Luft dünner wird und genervte Sperbergeier sich an den Halteseilen festbeißen.

Ulf hängt nämlich erst einmal unter einem Ballon, damit die unteren Luftschichten in aller Ruhe begutachtet werden können und Juli sehen kann, was da alles herumfliegt. Und wie es fliegt.

Gewaltige Entfernungen

Mit Hummeln, Schmetterlingen, Kolibris und Fledermäusen geht es los. Allein das ist schon eine Welt für sich: Wer da alles herumfliegt und mit welcher tollkühnen Methode. Und das funktioniert. Zumindest bis zu gewissen Höhen. Denn irgendwo bei 10 Kilometer Höhe ist Schluss, viel höher fliegen auch die Zugvögel und Cirruswolken nicht. Und das ist schon ganz schön hoch. Aber nicht wirklich so hoch, dass Ulf und Juli da auch nur in Nähe des Mondes wären.

Deshalb gibt es im Buch auch große Bildtafeln, die zeigen, wie groß die Entfernung zum Mond tatsächlich ist. Und wie schmal tatsächlich unsere Atmosphäre, in der man mit Flügeln fliegen kann. Deswegen ist es auch ganz gut, dass der Geier die Seile durchknabbert, denn irgendwann muss Ulf eben wirklich wie eine Rakete fliegen. Gerade da, wo die Luft immer dünner wird und die beiden Reisenden in die Regionen kommen, wo sich Satelliten, Raumstationen und allerlei Weltraumteleskope herumtreiben. Letztere ja berühmt dafür, richtig schöne Aufnahmen des Weltalls zu machen.

So viele, dass man gar nicht wieder aufhören mag, immer neue faszinierende Geschichten über das Weltall zu hören, in dem unser Sonnensystem nur eines von unendlich vielen ist.

Und da sind Juli und Ulf tatsächlich noch nicht weit geflogen, denn die richtig große Entfernung zum Mond beginnt hier eigentlich erst und die beiden bekommen zumindest eine Ahnung davon, wie weit das wirklich ist, auch wenn sie am Ende doch wieder staunen, wie verbeult die Mondoberfläche aus der Nähe aussieht. Denn hier gibt es ja keine Atmosphäre, welche die ganzen Steinbrocken aufhält und verglühen lässt, die aus dem Weltall geschossen kommen, wie das auf der Erde der Fall ist. Was mit kosmischer Geschwindigkeit angerast kommt, knallt ungebremst auf die Mondoberfläche und hinterlässt einen Krater.

Eben das, was Juli für Beulen hält.

Wo die Neugier beginnt

Natürlich dürfen beide auch noch auf dem Mond landen und eine Fahne aufpflanzen.

Aber wenn man das Buch mit kindlichen Augen von unten nach oben durchblättert, merkt man schon, dass die wirklich wissbegierigen Knirpse da jede Menge Fragen haben werden, die über die Flugbahn der beiden Mondreisenden hinausgehen. Manche werden angedeutet – wie die Sache mit der Schwerelosigkeit, andere bleiben offen, weil sie ja tatsächlich die Tür zu eigenen Abenteuern sind – so wie die Frage, wie man eigentlich eine Mondrakete baut. Denn dass man mit Luftballons nicht hinkommt, ist den klugen Kindern ja sowieso klar.

Aber kann man einfach ein U-Boot zur Rakete umbauen? Da melden sich die kleinen Tüftler garantiert zu Wort und wollen es von Mama, Papa oder Opa ganz genau erklärt bekommen.

Aber es ist ja auch eher ein Einsteigerbuch. Eins für Kinder, die es einfach nicht schlafen lässt, wenn abends der Mond ins Fenster scheint, aber die lieben Eltern nicht erklären können, wie weit es wirklich ist bis zum Mond und wie man da hinkommt.

Aber so fängt Lernen ja wirklich an: Mit einer ersten, in große Bilder gefassten Vorstellung davon, wie die Dinge tatsächlich sind. Und wer dann so eine erste Vorstellung hat von den Dingen, der kann sich ja das nächste Buch besorgen. Denn natürlich stehen eine Menge Antworten auf alles, was man fragen kann, in Büchern. Man braucht oft eben nur ein Buch, mit dem man erst mal anfängt. So eins eben, mit dem man beim Blättern 384.400 Kilometer weit fliegt und dann zumindest ein kleines Gefühl dafür hat, wie mächtig weit es eigentlich ist bis zu unserem Mond.

Mal ganz zu schweigen von den ganzen Planeten auf Seite 3 und 4, die Iris Ott einfach mal zwischen Mond und Erde gestopft hat, als würden sie tatsächlich da herumkreisen. Was sie ja nicht tun. Womit ja die nächsten Abenteuer schon angedeutet sind. Denn eine Reise zum Jupiter, zur Venus oder gar zum Neptun ist ja noch viel abenteuerlicher. Aber ob der kleine Ulf das schafft, darf wohl bezweifelt werden. Das ist wirklich verdammt weit.

Aber wer weiß: Der Verlag sammelt ja wieder Vorschläge von den kleinen Leserinnen und Lesern, wohin es bei der nächsten Reise gehen soll. Und wenn es nicht gerade eine Insel mit drei Bergen ist, könnte es durchaus der Mars sein, der ja bekanntlich seit Jahrmillionen im Weltall vor sich hin rostet.

Autorenkollektiv Katapult, Iris Ott „Juli und Ulf fliegen ins Weltall“, Katapult Verlag, Greifswald 2023, 18 Euro.

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