12.5 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Die Tiefseetaucherin: Mit Juli abtauchen in die tiefsten Tiefen der Meere

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Auch das gibt es: Kinderbücher in Teamwork. Was aber beim Katapult-Verlag sowieso schon tägliche Übung ist. Die lehrreichen Grafiken zum Zustand unserer Welt entstehen allesamt in so einer Kooperation von Grafiker/-innen, Texter/-innen und Wissenschaft. Die Bücher, die der Greifswalder Verlag inzwischen herausgibt, sowieso. Und nun zeigen die jungen Büchermacher, dass man auf diese Weise auch informative Kinderbücher schaffen kann.

    Wobei wahrscheinlich auch Leute älter als 12 Jahre aus so einem Buch etwas lernen können. Wahrscheinlich sogar mehr als aus dem Fernsehen und all den anderen Kanälen der menschlichen Dauerberieselung, die eben leider fast nie das Ziel hat, die vor den Bildschirm Gelockten in irgendeiner Weise klüger zu machen.Bei Kinderbüchern ist das in der Regel anders. Kinderbuchautor/-innen wissen, dass die kleinen, noch unverbildeten Menschen, von Natur aus wissbegierig sind und alles wissen wollen, wirklich alles. Meistens auch das, wovon die Älteren keine Ahnung haben. Zum Beispiel über all die Geschöpfe, die in den Tiefen der Meere leben.

    Wo man eigentlich so landläufig denkt, dass da gar nichts leben kann, weil der Wasserdruck so enorm ist, dass er alles zerquetscht, ungefähr wie 1.600 Elefanten, die einem auf einmal auf dem Kopf stehen. Und kalt ist es da und finster, richtig finster, so wie auf den Seiten 32 und 33 in diesem Buch. Das muss man manchmal einfach zeigen, damit man es sich auch vorstellen kann.

    Aber bevor es an dieses Buch und die Abenteuer der kleinen Juli in ihrem U-Boot Ulf ging, haben sich erst mal zwölf Autor/-innen aus der Katapult-Mannschaft hingesetzt und alle möglichen wissenschaftlichen Quellen und Bücher durchforstet, um selbst erst einmal herauszubekommen, was wirklich alles da unten schwimmt und wächst unter dem Wasserspiegel, bis wohin überhaupt noch ein bisschen Licht vordringt und wie überhaupt irgendwas zum Futtern da ganz nach unten kommt. Wenn da noch was lebt.

    Das erstaunliche Leben tief unten im Meer

    Und es lebt tatsächlich was da unten. Da geht es Juli genauso wie den Meeresforschern, die sich schon einiges einfallen lassen müssen, um überhaupt mal ein Bild von dem zu bekommen, was es alles unterhalb der „Mitternachtszone“ gibt (wo es schon so ziemlich richtig duster ist), wie es funktioniert und wie es die Fische und Kalmare da unten eigentlich schaffen, nicht zerquetscht zu werden. Ein Buch wie ein Abenteuer.

    Und so hat es dann Iris Ott auch gestaltet, die nicht nur Juli und Ulf Gestalt gegeben hat für dieses Abtauch-Buch, sondern auch all den seltsamen Gestalten, die es da unten gibt. Wobei man ja als kleiner Knirps als Erstes erfährt, dass das meiste Leben im Meer ganz dicht unter der Oberfläche ist, da, wo das Sonnenlicht noch hinkommt und wo es von Fischen, Mollusken und Pflanzen nur so wimmelt.

    Tiefer kommen auch die meisten Taucher/-innen nicht, selbst die geübtesten Tieftaucher kommen nur auf 100 Meter. Danach wird der Wasserdruck so hoch, dass auch die Forscher nur noch mit U-Booten tiefer kommen. Wobei es noch bis ungefähr 1.000 Meter so ein ganz bisschen Dämmerlicht gibt. Danach wird es zunehmend zappendusterter, auch wenn man da immer noch beeindruckenden Lebewesen wie dem Pottwal, dem Weißen Hai und dem Anglerfisch begegnen kann, der freilich schon eine geniale Lampe braucht, um das Futter direkt vor sein großes Maul zu locken.

    Müllkippe Meer

    Aber ein Katapult-Buch wäre kein Katapult-Buch, wenn es nicht auch zeigen würde, wie sehr der rücksichtslose Umgang der Menschen mit ihrer Welt auch hier unten seine Folgen hat – von den drohenden Schäden beim geplanten Abbau der Manganknollen am Tiefseegrund über die selbst in 4.000 Meter Tiefe herumschwimmenden Plastiktüten bis zur Mikroplastik, die im Verdauungstrakt von Tiefseeasseln gefunden wurde. Kaum je ein Mensch taucht so tief in die Meere hinab – aber unser Müll ist schon da.

    Und da thematisieren die Autor/-innen noch nicht einmal all das Zeug, das wir Menschen ganz bewusst auf den Meeresgrund geschickt haben – all unsere verrosteten Kriegsschiffe, diverse verschollene Flugzeuge und U-Boote, verklappte Chemikalien und entsorgte Bomben und Minen aus all den Kriegen, die Menschen über der Wasseroberfläche geführt haben.

    Natürlich hätte das dieses Buch gesprengt. Es soll ja nicht Angst machen, sondern neugierig. Und mit Juli tauchen die kleinen Leser/-innen ganz tief bis nach unten in den Marianengraben, wo Juli tatsächlich sogar noch Geschöpfe entdeckt, die es selbst da ganz unten irgendwie fertigbringen zu existieren. Leben ist schon ganz schön faszinierend und hartnäckig.

    Und das Buch füttert natürlich das Staunen in den kleinen Leser/-innen an – ein Staunen, das man unbedingt braucht im Leben, wenn man den Mut und die Zuversicht nicht verlieren will, wenn man gegen die sturen alten Leute kämpft, die mit unserer Welt umgehen, als wäre die Erde nur eine riesige Müllkippe.

    Wer nicht fragt, bleibt dumm

    Und so ist eigentlich der wichtigste Satz in dem Buch: „Jedes gute Abenteuer beginnt mit einer guten Frage.“ Was einen an eine alte Kindersendung erinnert, die all die rücksichtslosen Leute wohl nie gesehen haben, die heute noch immer so tun, als könnte man draufloswirtschaften ohne Rücksicht auf unsere lebendige Umwelt. Da hieß es ja im Liedtext: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“

    Das müssen Kinder sich eigentlich nicht sagen lassen. Aber dummerweise wird vielen Kindern gerade im Alter zwischen 6 und 12 Jahren, denen der Verlag das Buch ans Herz legt, das Fragen systematisch abgewöhnt und ausgetrieben. Und weil man bei Katapult weiß, dass am Ende dieses Buches zwar eine Menge Fragen zur Tiefsee beantwortet sind, aber garantiert nicht alle, die Kinder im neugierigen Alter noch haben, lädt der Verlag auch gleich ein, Vorschläge zu schicken, welches spannende Thema im nächsten Katapult-Kinderbuch behandelt werden soll.

    Da sind wir mal gespannt, ob es wieder nur die Dinosaurier sind, oder mal die Tiere in der Wüste oder die im Dschungel. Wenn man erst mal neugierig ist, finden sich immer neue Überraschungen. Überall. Man muss nur die Augen aufmachen. Und fragen natürlich. Fragen, bis die Erwachsenen quietschen, weil sie merken, dass sie das Wichtigste mal wieder nicht gewusst haben. Immer nur so getan als ob. Aber das reicht nicht mehr. Hat noch nie gereicht. Aber das müssen sie jetzt lernen. Höchste Zeit für richtige Aufklärungsbücher.

    Die Tiefseetaucherin, Katapult Verlag, Greifswald 2021, 15 Euro.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige