Wie gehen wir mit unseren Körpern um? Ihrer Leistungsfähigkeit und ihren Leiden? Physiotherapeuten wie Christoph Danielowski, der in Leipzig praktiziert, wissen es. Denn in seiner Praxis landen wir alle, wenn uns der Rücken plagt, die Hüfte, die Migräne. Wenn unser Körper einfach mit lauter schmerzhaften Signalen zeigt, dass wir ihn überlasten oder falsch belasten. Dass wir ihm im Alltag oder bei der Arbeit etwas zumuten, was er nicht mehr abpuffern kann. Dann ist guter Rat teuer.

Der Arzt verschreibt dann mehrere Stunden Physiotherapie. Und der Patient hofft dann, dass mit ein paar Stunden in der physiotherapeutischen Praxis die Schmerzen vergehen, alles wieder gut wird. Aber das funktioniert nicht wirklich, wenn die Therapie dann nur genutzt wird, um die Symptome zu bekämpfen, also den akuten Schmerz zu lindern – und dann flattern die Patienten schmerzfrei wieder hinaus ins Leben.

So funktioniert das eben nicht, kann Danielowski aus seiner 15-jährigen Praxis berichten. Auch wenn viele Patienten genau das von einer medizinischen Verschreibung erwarten. Man löst sein Rezept ein, nimmt seine Medizin, lässt sich therapeutisch behandeln – und dann ist der Körper wieder repariert. Alles gut. Man kann die Maschine wieder unter Volllast fahren.

Schmerzen haben Ursachen

Aber so funktioniert es nicht. Denn der Schmerz ist nur das Symptom. Dass er aber eine Ursache hat, die mit der Therapie nicht wirklich gelöst wird, weiß Danielowski nur zu gut. Genauso wie er weiß, dass man diese Ursache finden und abstellen muss, sonst taucht der Patient über kurz oder lang mit denselben Schmerzen wieder in der Praxis auf.

Und so hat er hier ein Buch geschrieben, das direkt an uns alle appelliert, uns Patienten, die wir uns oft genug mit diffusen Leiden zum Hausarzt schleppen, aber uns kaum Gedanken darüber gemacht haben, warum denn nun auf einmal (oder schon länger) der Rücken schmerzt, die Schulter quält, die Migräne uns bärische Kopfschmerzen bereitet.

Das alles sind ja Signale des Körpers, die von Überlastung erzählen. Oder falscher Belastung. Und am Ende von Verhaltensweisen, die wir oft ganz unbewusst und aus Gewohnheit ausüben, ohne dass wir sie mit dem akuten Schmerz in Verbindung bringen.

Und genau in diese Zusammenhänge führt Danielowski seine Leserinnen und Leser ein, zeigt ihnen, wie diese fast immer unbewussten falschen Belastungen nach und nach zu dauerhaften Schmerzen führen. Und warum er eigentlich keine Therapie beginnt, ohne mit den Patienten erst einmal ein ausführliches Gespräch geführt zu haben, in dem er – mit dem Patienten gemeinsam – die möglichen Ursachen in ihrem Alltagsverhalten einkreist.

Das geht jedoch nicht ohne den Patienten, der in Danielowskis Praxis dann eben auch nicht die Rolle des passiven Patienten spielt, der einfach seine Packung Therapiestunden abholt. Denn wenn die Ursachen im eigenen – unbewussten – Verhalten liegen, dann ist der Patient logischerweise Partner in der Therapie. Nur im gemeinsamen Abklopfen der möglichen Ursachen kommen Patient und Therapeut der Wurzel des Übels auf die Spur.

Das eigene Verhalten ändern

Danielowski schildert sein Vorgehen geradezu minutiös. Er erinnert damit aber auch an etwas, was in der modernen Medizin viel zu wenig Raum einnimmt: wie wichtig das Gespräch von Ärztin und Therapeut mit dem Patienten ist. Dass nur so tatsächlich die Ursachen im Leben des Patienten gesucht und eingekreist werden können.

Und dass es letztlich an den Patienten selbst liegt, ihre schmerzverursachenden Verhaltensweisen zu ändern. Und zwar mit Erfolgserlebnissen für die Therapie. Denn die Schmerzbehandlung der Therapiestunde hilft nur, wenn die Betroffenen selbst nicht nur die mögliche Ursache für ihre Schmerzen im Alltagsverhalten suchen, sondern auch bewusst daran gehen, an diesen Verhaltensweisen etwas zu ändern.

Das ist es, was der Titel des Büchleins zusammenfasst: Aus dem Verhältnis Patient und Therapeut wird ein partnerschaftliches Verhältnis, in dem die Patienten ermutigt werden, selbst mitzuwirken und auch bewusst Teile ihres Alltags zu verändern, um die Ursachen für den Schmerz zu minimieren oder gar auszuschalten. Sie werden aktiver Teil der Therapie.

Und da es dabei eben nicht nur um die Beseitigung der akuten Symptome geht, sondern um einen anderen Umgang mit den schmerzverursachenden Verhaltensweisen, ist tatsächlich erst eine Grundlage für den Erfolg der Therapie gelegt.

Oder kann gelegt werden. Denn Danielowskis Buch ist auch ein Plädoyer, sich von einem vorherrschenden Denken zu lösen, das den Arzt oder Therapeuten geradezu zum Gesundmacher erklärt: Rezept verschrieben, Therapie gemacht. Alles wieder in Ordnung.

Aktiv werden

Doch das funktioniert ganz offensichtlich nicht, wenn Patienten immer wieder mit den Symptomen in die Praxis kommen. Es beseitigt eben nicht die Quellen im Alltag der Betroffenen, die ursächlich für die Schmerzen sind.

Es ist ein Plädoyer dafür, die Patienten wieder zu echten Partnern in der Therapie zu machen und ihr Bewusstsein dafür zu schärfen, dass sie selbst so einiges tun können, um ihr Verhalten zu ändern und die Ursachen für die Schmerzen selbst mit herauszufinden und dann möglichst abzustellen. Also aktiv zu werden und die Therapie nicht nur passiv über sich ergehen zu lassen.

Und damit ändert sich auch das Verhältnis von Therapeut und Patient, wird partnerschaftlicher. Denn es geht ja um das gemeinsame Lösen eines Problems, von dem nicht immer klar ist, woher es eigentlich kommt und was im oft gedankenlosen Alltag dazu führt, dass der Körper auf einmal mit Schmerzen reagiert. Das Büchlein sollte nicht nur in Danielowskis Praxis ausliegen.

Es dürfte viel mehr Patienten, aber auch Ärzte und Therapeuten interessieren, weil es ein Therapeut-Patient-Verhältnis sichtbar macht, wie es viel üblicher und normaler sein sollte. Und wie es die betroffenen Menschen eben auch darin stärkt, selbst beizutragen, dass es ihnen nach der Therapie dauerhaft besser geht.

Christoph Danielowski: Dein Körper. Deine Verantwortung, I.C.H. Verlag, Nerchau 2025, 15,40 Euro.

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