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Leipziger Geoarchäologe vermeldet kleinen Sensationsfund am berühmten Karlsgraben

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    Der Kanal selbst ist eine Sensation und begeistert die Historiker seit Jahrzehnten: die Fossa Carolina oder der Karlsgraben zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl, benannt nach niemand anderem als Karl dem Großen. Der große Frankenkönig war tatsächlich hier. Zur Einweihung dieser ersten Gewässerverbindung zwischen Donau- und Rheingebiet. Nun gab’s eine kleine Extra-Sensation für den berühmten Graben.

    Forschern der Universität Leipzig ist in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Jena, Kiel und München eine ganz besondere Entdeckung gelungen: Sie konnten beweisen, dass mit dem Bau des sogenannten Karlsgrabens ein paar Monate früher begonnen wurde als bisher angenommen. Untersuchungen der verwendeten Hölzer ergaben, dass die ältesten Exemplare von Bäumen stammten, die bereits im Winterhalbjahr 792/793 gefällt worden waren. Bislang galt Holz aus dem Herbst 793 als ältestes beim Bau des Karlsgrabens verwendetes Material.

    „Überraschend ist, dass die ältesten Hölzer am nördlichen Ende des bekannten Trassenverlaufs des Kanals liegen“, erklärt der Physische Geograph und Geoarchäologe Prof. Dr. Christoph Zielhofer von der Universität Leipzig.

    Der Karlsgraben gilt als das bedeutendste Infrastrukturprojekt des frühen Mittelalters in Zentraleuropa. Lange Zeit glaubte man sogar, er sei nie fertig geworden und funktionsfähig gewesen. Aber das war er wohl doch – nur nicht im Sinne moderner Kanalprojekte. Dazu reichte das Wasser einfach nicht an dieser Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Donau und dem des Rheins. Es reichte nur für einen Grabenabschnitt, der mit dem Wasser der jungen Rezat befüllt werden konnte. Die Landstreifen Richtung Altmühl im Süden und Schwäbischer Rezat im Norden mussten dann doch mittels Rutschen und Rollen überwunden werden. Das war dann auch den Händlern der Karlszeit zu aufwendig. Der Graben muss schon nach wenigen Jahren seine Funktion wieder eingebüßt haben.

    Aber bis heute steht er für das erstaunlich moderne Wirtschaftsdenken Karls des Großen, der im Jahr 793 zur Besichtigung des Grabenprojekts anreiste.

    Bei Ausgrabungen im nördlichsten bekannten Teil des Kanals gelang es im Sommer vergangenen Jahres, zahlreiche hervorragend erhaltene Bauhölzer der Kanalkonstruktion zu bergen. Der Fundort sei möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Bauarbeiten dort begonnen worden seien, erklärt Zielhofer. „Eine Überraschung, denn dieser Standort ist an der Geländeoberkante kaum erkennbar und völlig unscheinbar.“

    Die verwendeten Eichenpfähle konnten anhand der Folge ihrer Jahresringe auf das Jahr oder sogar auf die Jahreszeit genau bestimmt werden, in denen sie gefällt wurden. Die neuen Datierungen der ältesten verwendeten Hölzer sind zugleich ein Nachweis dafür, dass Karl der Große nicht wie bisher angenommen im Herbst 793 zum ersten Spatenstich zu dem Bauwerk reiste, sondern zu diesem Zeitpunkt eine bereits weit fortgeschrittene Baustelle besuchte.

    Die neuen Datierungen beantworten die seit über 100 Jahren kontrovers diskutierte Frage nach dem Baubeginn und werfen ein völlig neues Licht auf den historischen Kontext des Bauvorhabens.

    Die Forschungen sind Teil des Schwerpunktprogramms „Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2012 arbeiten Wissenschaftler der Universitäten Leipzig, Jena und Kiel, des Leibniz-Institutes für Photonische Technologien Jena sowie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gemeinsam an diesem Projekt.

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    3 KOMMENTARE

    1. #Alexander: Dazu zitiere ich doch einfach mal aus dem Abschnitt „Archäologie“ des zitierten Wikipedia-Artikels: „Auch die Ergebnisse der Dendrochronologie sprechen gegen Illigs Thesen“. Die Dendrochronologie (siehe Karlsgraben) ist eine sehr genaue und verlässliche Datierungsmethode. Illig ist sehr anregend für phantasievolle Menschen. Aber mit den ärchäologischen Befunden geht er – sagen wir es mal so – sehr „postfaktisch“ um.

    2. Ich bin mir fast sicher, in ein paar hundert Jahren wird man unser Zeitalter auch für komplett erfunden halten. Wenn ichs nicht erleben würde, ich würds auch nicht glauben.^^

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