Auch in Sachsens Agrarlandschaften wird die Turteltaube regelrecht vertrieben

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In Leipzig ist sie schon lange verschwunden. Die große Stadt gehört den Ringeltauben. In den steinernen Lebenswelten, die sich Menschen bauen, kommt es weltweit zu einer Homogenisierung und Verarmung der Artenvielfalt. Aber so wie außerhalb der Metropolen die Vielfalt der Lebensräume schwindet, verschwinden auch dort die einst typischen Tierarten. Und die Turteltaube ist auf dem absteigenden Ast. Denn die moderne Landwirtschaft hat ihre Nist- und Rückzugsräume verschwinden lassen. Die Tauben finden in der ausgeräumten Landschaft kaum noch Nistplätze.

Die kleinsten Vertreter unter den Wildtaubenarten kehren in diesen Tagen aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück. Aktuelle Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) zeigen, wo sich die bunt gefiederten Vögel hierzulande zum Brüten aufhalten, und veranschaulichen den dramatischen Rückgang der Bestände.

„Um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts war das markante Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer zu hören. Doch seitdem sind die Bestände stark rückläufig. Man geht derzeit von einem bundesweiten Bestand von nur noch 12.500 bis 22.000 Brutpaaren aus. 2009 war er noch etwa doppelt so hoch.“

So beschreiben Christopher König, Bettina Gerlach, Sven Trautmann und Johannes Wahl vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) im Nationalatlas aktuell des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) die besorgniserregende Entwicklung. Anlässlich der unmittelbar bevorstehenden Brutzeit der Turteltaube haben die Ornithologen Wissenswertes über das Verhalten, die Verbreitung und vor allem die Gefährdung des in der Öffentlichkeit wenig bekannten „Vogels des Jahres 2020“ zusammengefasst.

Um die negative Bestandsentwicklung zu veranschaulichen, haben Kartografen am IfL ein kleingerastertes Netz über Deutschland gelegt und die Quadrate anhand von Beobachtungsdaten der Jahre 2005 bis 2009 und 2015 bis 2019 mit unterschiedlichen Farben gefüllt: Grün eingefärbte Rasterfelder bezeichnen Bereiche mit Brutvorkommen der Turteltaube in beiden Zeitintervallen; die Farbe Blau steht für Bereiche, in denen im Beobachtungszeitraum 2015 bis 2019 keine Brutvorkommen mehr festgestellt werden konnten.

Auf der aktuellen Deutschlandkarte dominieren die blauen Quadrate insbesondere in den nördlichen Landesteilen sowie in Bayern. Hier ist die Turteltauben-Population zuletzt am stärksten zurückgegangen.

In Mecklenburg-Vorpommern dominiert die blaue Farbe sogar. Aber man findet die blauen Felder auch in Brandenburg und Sachsen, Zeichen dafür, dass in keinem dieser Bundesländer das Artensterben auch nur gebremst wurde. Man setzt weiter auf eine industrielle Landwirtschaft, riesige Monokulturen und den massiven Einsatz von Insektiziden.

Als Ursache des Verschwindens haben Vogelkundler den Verlust geeigneter Lebensräume wie strukturreiche Wald- und Feldränder ausgemacht. Die Intensivierung der Landwirtschaft habe dazu geführt, dass Wildkräutersamen, die Hauptnahrungsquelle der Turteltaube, immer weniger werden und die Vögel in der ausgeräumten Landschaft kaum noch Nistplätze finden. Zudem ist die Jagd auf Turteltauben trotz ihrer weltweiten Gefährdung selbst in vielen Ländern Europas erlaubt. Experten schätzen, dass jedes Jahr 1,4 bis 2,2 Millionen Turteltauben zum Abschuss kommen.

Der Beitrag über die Turteltaube ist aus einer Kooperation des Leibniz-Instituts für Länderkunde mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und dem Leibniz-Institut für Wissensmedien hervorgegangen. Im Rahmen des Projekts „Artenvielfalt erleben“ entwickeln Forscher und Vogelkundler gemeinsam eine neue Generation interaktiver Online-Karten für das vom DDA betriebene Webportal ornitho.de.

Das Vorhaben zielt darauf ab, noch mehr Menschen für die Erfassung der Artenvielfalt zu begeistern. Es ist eines von 13 Projekten zur Förderung bürgerwissenschaftlicher Vorhaben, für die das Bundesministerium für Bildung und Forschung insgesamt rund fünf Millionen Euro im Zeitraum 2018 bis 2021 zur Verfügung stellt.

Über 5.000 Unterstützer fordern mehr Artenschutz im Leipziger Stadtgebiet

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