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Nicht Mommsen, nicht Wagner: Schule in der Bornaischen Straße soll im August den Namen Louise Otto-Peters bekommen

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    Bislang fungierte das neu eröffnete Gymnasium in der Bornaischen Straße als Außenstelle des Neuen Nikolaigymnasiums. Aber die Jahrgänge füllen sich. Die Schule wird zu einem eigenständigen Gymnasium. Und nun zeichnet sich auch ab, wie sie künftig heißen soll. Fast hätte man gedacht, der alte Name "Theodor Mommsen" könnte wieder aufleben. Aber Lehrer, Schüler und Eltern haben sich anders entschieden. Sie haben die Benennung der Schule nach Louise Otto-Peters beantragt.

    Mit Schreiben vom 18. Januar 2013 reichte die Schulleitung der „Schule an der Bornaischen Straße“ (Gymnasium) den Antrag auf den künftig zu führenden Schulnamen „Louise-Otto-Peters-Schule“ in der Verwaltung ein. Der Antrag wurde am 8. April in der Arbeitsgruppe Schulnetzplanung/Schulnamen des Unterausschusses des Fachausschusses Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule unter Vertretern der Verwaltung und der Fraktionen diskutiert. Im Ergebnis wurde empfohlen, den Antrag zwecks Beschlussfassung an den Stadtrat weiterzuleiten.

    Am 10. Juli soll der Stadtrat darüber abstimmen.

    In den Findungsprozess zur Schulnamenswahl waren das Lehrerkollegium, die Elternschaft und die Schülerschaft, die IG Connewitz und Vertreter des Richard-Wagner-Verbandes einbezogen. Dabei ging es durchaus spannend zu. Denn den Namen Richard Wagner hatte die Stadtverwaltung in den Ring geworfen. Was durchaus ein Geschmäckle hat. Denn das ehemalige Richard-Wagner-Gymnasium im Leipziger Osten hat man ja aufgelöst und will es auch im Zuge des großen Schulneubauprogramms nicht wieder als Gymnasium aktivieren. Über den Ärger darüber im Leipziger Osten hat die L-IZ mehrfach berichtet. Stattdessen soll dort eine Lernförderschule unterkommen.

    So weit, so praktisch. Den Namen dann aber – nur weil man Wagners 200. Geburtstag in diesem Jahr groß feiert – in den Leipziger Süden zu tragen, sieht schon eher aus wie ein Reliquienumzug als ein wirklich gewolltes Projekt. Da konnten sich auch die entsandten Vertreter des Wagner-Verbandes abmühen – es nützte nichts. Die Schule hat mit Wagner nicht wirklich viel am Hut. Die Schulleitung ließ sogar erst die Schüler abstimmen, in welche Richtung die Namenswahl gehen sollte. Dabei entschieden sich 101 Schüler für den alten Namen Theodor Mommsen, den die Vorgängerschule bis zu ihrer Schließung 2006 trug, 51 für Louise Otto-Peters und 13 für den 1813 geborenen Wagner.

    Schülervertreter und Lehrer diskutierten dann eingehend darüber, wie man sich wirklich positionieren wollte. In diesem Prozess entschied man sich dann mehrheitlich gegen Mommsen und für Louise Otto-Peters. Die Schulkonferenz machte das Votum am 17. Januar fest.Louise Otto-Peters, 1819 in Meißen geboren, gehört zu den Galionsfiguren der deutschen Frauenbewegung in Deutschland, deren Zentrum nicht zufällig in Leipzig lag. Vielleicht wird das in der geplanten großen Stadtgeschichte auch einmal in all seinen Zusammenhängen gewürdigt. Alle wichtigen Emanzipationsbewegungen Deutschlands waren im 19. Jahrhundert mit Leipzig verknüpft – die Bewegung des Vormärz mit Leuten wie Robert Blum und Heinrich Laube, die frühe liberale Bewegung mit einem Mann wie Karl Biedermann, die frühe Sozialdemokratie mit Wilhelm Liebknecht und August Bebel, und die Frauenbewegung mit den Namen Louise Otto-Peters, Henriette Goldschmidt und Auguste Schmidt.

    1860/61 zog Louise Otto-Peters nach Leipzig. 1865 war sie Mitbegründerin des Leipziger Frauenbildungsvereins. Sie wurde zur ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt und war verantwortlich für die Organisation der ersten gesamtdeutschen Frauenversammlung vom 15. bis 18. Oktober 1865 in Leipzig, welche mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins endete. Damit wurde der Beginn der organisierten deutschen Frauenbewegung eingeläutet. Neben ihrem Engagement im Allgemeinen Deutschen Frauenverein nahm sie an Schriftstellerkongressen teil, wurde 1874 Ehrenmitglied des Wiener Grillparzer-Vereins und 1892 des von ihr mitgegründeten Leipziger Schriftstellerinnen-Vereins.

    Louise Otto-Peters starb am 13. März 1895 in Leipzig. Ihr zu Ehren wurden Schulen, Bibliotheken, Pflegeheime und Straßen in und außerhalb Deutschlands benannt. Seit 1993 besteht in Leipzig die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. die sich das Ziel gesetzt hat, das Leben und Wirken der Namensgeberin bekannt zu machen und zu würdigen.

    Im Frühjahr 2012 beschlossen die Lehrer der heutigen „Schule an der Bornaischen Straße“ ein pädagogisches Motto, welches „Verantwortung-Vertrauen-Verstehen“ bedeutet. Für die Untersetzung dieses pädagogischen Mottos stelle die Person und das Wirken von Louise Otto-Peters eine herausragende Leitfigur dar, heißt es in der Ratsvorlage. „Das Engagement von Louise Otto-Peters ist für die Schule Ansporn und Hoffnung, dass es sich lohnt, für die Emanzipation, Integration und Inklusion in der Stadt Leipzig und weltweit einzutreten. Der Schulname ‚Louise-Otto-Peters‘ bietet viele Anknüpfungspunkte für Eltern, Lehrer und Schüler, sich an ihrem Wirken zu orientieren und zu identifizieren.“

    Vor einiger Zeit hätte es durchaus noch eine Namensüberschneidung geben können: Eine Schule in Markranstädt führte die Bezeichnung „Louise-Otto-Peters Gymnasium“. „Seitdem diese Schule jedoch in das Gymnasium Schkeuditz eingegliedert wurde, trägt das Schulgebäude in Markranstädt die Bezeichnung ‚Gymnasium Schkeuditz – Haus Markranstädt'“, stellt die Stadtverwaltung fest und stimmt dem Vorschlag der Schulkonferenz zu.

    Ab 1. August könnte das sanierte Schulgebäude in der Bornaischen Straße also den Namen Louise Otto-Peters führen.

    Das Schulgebäude wurde übrigens 1903/1904 erbaut und war anfangs die Heimstatt der 31. Bezirksschule.

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