Am Samstagabend, 10. Mai, wohnten rund 400 Besucher der diesjährigen Museumsnacht auf dem Nikolaikirchhof einer aufwendig inszenierten Brandbestattung der Archäologie Leipzig nach römischen Vorbild bei. Grund dazu gaben die im Januar verkündeten Schließung des Instituts für Klassische Archäologie und des Instituts für Theaterwissenschaft.

Auch wenn das Rektorat immer wieder betone, “Wir sind nicht die, die den Sargnagel einschlagen” (Zitat Prorektor Prof. Thomas Lenk), werde der Fortbestand der Alma Mater als (klassische) Volluniversität und ernst zu nehmende Bildungseinrichtung durch die Sparvorgaben des Freistaates Sachsen und die Pläne des Rektorats zur Durchsetzung dieser Vorgaben massiv bedroht, stellt Matthias Meinecke, Pressesprecher des Fachschaftsrats Archäologie, fest.

Um diese Problematik und den andauernden Protest auch in das Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken, zogen 60 Studierende und Mitarbeiter des Instituts für Klassische Archäologie und der Professur für Ur- und Frühgeschichte mit zahlreichen Unterstützern in einer Prozession nach antikem Vorbild, der sogenannte Pompa funebris, vom Rektoratsgebäude zum Nikolaikirchhof. Dort angekommen wurde eine Leichenrede (laudatio funebris) gehalten, deren Leitmotiv die Frage “Quo vadis Alma Mater Lipsiensis – wohin gehst Du, Universität?” war. Daraufhin wurde die Verstorbene auf dem Nikolaikirchhof den Flammen übergeben. Der Besucher Christian Fetsch fand, dass es sich um eine überzeugende Darbietung handelte. Lisa Kruse sagt: “Die Prozession war trotz des Regens ein großartiges Erlebnis.”

Das Rahmenprogramm des Antikenmuseums und der Professur für Ur- und Frühgeschichte stand gemäß des diesjährigen Mottos “Lockstoffe” unter einem fröhlicheren Stern. So konnten beispielsweise die verlorene Nase eines antiken Porträtkopfes rekonstruiert oder Theater-Masken nach antikem Vorbild angefertigt werden. Kreative Köpfe konnten sich bei der zeichnerischen Rekonstruktion der Hausurne von Werdershausen anhand von Beschreibungen austoben. Die besten Ergebnisse wurden mit einem Preis ausgezeichnet. Beide Sammlungen konnten auf eigene Faust oder im Rahmen von Kurzführungen mit thematischen Schwerpunkten erkundet werden.

Für das Antikenmuseum und die Sammlung der Ur- und Frühgeschichte war die diesjährige Museumsnacht ein voller Erfolg und mit über 1.000 Besuchern in den beiden Einrichtungen außerordentlich gut besucht. Ohne die vielen Helfer und Unterstützer wäre diese Veranstaltung nicht möglich gewesen. Ihnen und insbesondere der Oper und dem Schauspiel Leipzig sowie der Feuerwehr Leipzig dankt das Institut natürlich. Ohne benachrichtigte Feuerwehr gibt es in Leipzig auch keine pompa funebris.

“Sollte das Rektorat die mittelfristige Schließung des Instituts für Klassische Archäologie, bei der auch die Zukunft der Professur für Ur- und Frühgeschichte noch vollkommen im Unklaren liegt nicht zurücknehmen, werden die Besucher der kommenden Museumsnächte wohl zwangsläufig auf einen archäologischen Beitrag verzichten müssen”, meint Matthias Meinecke.

Die Laudatio Funebris als PDF zum download.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar