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Auch im Schuljahr 2016/2017 nahm der Unterrichtsausfall in sächsischen Schulen zu

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    Gründlich vergeigt, so kann man wohl das beschreiben, was im sächsischen Bildungssystem passiert ist. Nicht erst seit 2012, als die aktuelle Kultusministerin Brunhild Kurth den Job übernahm. Schon vorher wurde ja das Bildungssystem behandelt wie eine Fabrik, in der man mit weniger Lehrpersonal preissparender produziert. Nur ist es Kurth erst recht nicht gelungen, den Betrieb wieder in Ordnung zu bringen.

    Dazu hätte man nämlich – schöne Grüße von Egon Olsen – einen Plan gebraucht, genauer: ein Personalentwicklungskonzept. Klare Zahlen und Bedarfe, für jedes Schuljahr, jedes Fach, jede Stufe und jede Schule. Dann kann man die richtigen Lehrer zielgerichtet ausbilden. Und sie dann auch einstellen.

    Aber dafür war dummerweise kein Geld da, weil irgendwie der Finanzminister keinen Plan hatte.

    Und mitbekommen, dass es ringsum in allen anderen Bundesländern auch einen absehbaren Lehrerbedarf gab, hat man wohl in Dresden auch nicht. Und dass dort die Kultusminister mehr Geld für Lehrer ausgeben, auch nicht.

    Ergebnis: Löcher ohne Lehrer. Unterrichtsausfall. Was derzeit mal wieder einige Medien aufregt, was ja bekanntlich nichts nutzt in Sachsen. Das wird ausgesessen. Ganz majestätisch.

    Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Cornelia Falken, greift das Thema trotzdem auf. Verärgert ist sie durch die ausweichenden Antworten der Ministerin schon lange. Denn jeden Herbst, wenn alle wissen, wie viele Kinder in den Klassen sitzen und wie viele Lehrer eingestellt wurden (oder auch nicht) oder in Ruhestand gegangen sind, fragt sie die Regierung an – und bekommt beschämend leere Antworten. Man könne noch keine Auskunft geben, weil man mit der Berichterstattung noch nicht so weit sei, heißt es jedes Mal. Sie möge sich auf den Jahresanfang vertrösten lassen.

    Da gibt es dann bald schon Zeugnisse und Bildungsempfehlungen und andere haben schon lange Strichlisten geführt, was alles an Unterrichtsstunden ausgefallen ist. Da ist das Kind in den Brunnen gefallen, zu korrigieren sowieso nichts mehr.

    „Dass der Unterrichtsausfall in Sachsen steigt, darf keinen wundern. Die Zahlen aus dem Kultusministerium belegen eine nun schon Jahre andauernde Tendenz, den Unterricht in den Schulen nicht absichern zu können. Und das trotz einer gegebenen ‚Unterrichtsgarantie‘“, kommentiert Falken diese systematische Zermürbung des sächsischen Bildungssystems. Da hilft auch das Einstellen von Seiteneinsteigern nichts. Denn das deckt auch nicht den Bedarf.

    „Laut der offiziellen Statistik vom Kultusministerium hat der Unterrichtsausfall im Vergleich zum vergangenen Schuljahr in allen Schularten gravierend zugenommen“, stellt Falken fest. „Den traurigen Rekord halten die Förderschulen mit 7,6 Prozent gegenüber 6,3 Prozent im Vorjahr, gefolgt von den Berufsschulen mit 5,8 Prozent zu 4,9 Prozent. Auch Oberschulen und Gymnasien verzeichnen einen Anstieg des Unterrichtsausfalls. Nur an den Grundschulen ist die Situation nicht ganz so arg. Alles in allem bedeutet das: Fast jede zehnte Unterrichtsstunde konnte hierzulande im März nicht regulär erteilt werden. Und wie schon im vorigen Schuljahr fällt in den Landkreisen Bautzen und Görlitz besonders viel Unterricht aus.“

    Aber wer denkt, dass es in der Großstadt Leipzig besser ist, der irrt. Schulen wie die Apollonia-von-Wiedebach-Schule oder die Christian-Gottlob-Frege-Schule melden über 10 Prozent außerplanmäßig ausgefallener Schulstunden. An den Oberschulen der Stadt Leipzig wird ein durchschnittlicher Ausfall von 6,2 Prozent aller Stunden (außerplanmäßig) gemeldet, der sächsische Durchschnitt liegt bei 4,7 Prozent. Und das soll ein Erfolgsmodell sein? Das glauben die verantwortlichen Politiker wohl selber nicht.

    Bei den Gymnasien in Leipzig sieht es mit 3,7 Prozent etwas besser aus, ebenso bei den Grundschulen mit 3,5 Prozent. Aber das kann nicht wirklich ein Normalzustand sein.

    Seiteneinsteiger sichern zwar Unterricht ab – aber Viele sind noch gar nicht pädagogisch voll einsetzbar.

    Cornelia Falken: „Um den Unterricht abzusichern, werden immer mehr Seiteneinsteiger*innen eingestellt. Sie werden im April mit ihrer pädagogischen Ausbildung beginnen und folglich in den Schulen fehlen. Den dadurch verursachten Mehraufwand haben die grundständig ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer zu erbringen, deren Zahl jedoch stetig sinkt. Und in dieser angespannten Lage verfügt die Kultusministerin über keine Personalreserven mehr.“

    Ihr Fazit für den ganzen Schlamassel, für den es bis heute keinen Lösungs-Plan gibt: „So enttäuscht Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) einmal mehr die Eltern und ihre Kinder. Sie hatten gehofft, nicht jedes Jahr aufs Neue um ‚die nötigen Ressourcen bangen‘ zu müssen – für guten Unterricht. Und eine Wende zum Besseren ist leider nicht in Sicht.“

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    1 KOMMENTAR

    1. Hinzu kommt natürlich der planmäßig ausgefallene Unterricht. Es werden beispielsweise Fächer, die als 2-Wochenstundenfach geplant sind (laut sächsischem Lehrplan) nur mit einer Wochenstunde gehalten (oft angewandt bei Ethik/ Philosophie). Dazu würde mich auch mal eine Statistik interessieren.

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