4.7 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Sachsen braucht dringend eine gesetzliche Regelung für eine moderne Lehrerausbildung

Mehr zum Thema

Mehr

    Für FreikäuferDass Sachsen so ein Problem hat, seinen Lehrernachwuchs zu sichern, hat auch damit zu tun, dass Lehrer für verschiedene Schultypen unterschiedlich wertgeschätzt und ausgebildet werden. Statt Gymnasial-, Oberschul- und Grundschullehrer ähnlich ernst zu nehmen und umfassend auszubilden, durchlaufen sie völlig unterschiedliche Studien. Die Lehrerausbildung müsse dringend reformiert werden, hatten die Grünen im Landtag beantragt.

    Ob sie damit durchkommen, ist völlig offen. Immer dann, wenn es ernst wird mit Bildungsreformen in Sachsen, haut sich ja bekanntlich die regierende CDU dazwischen und sagt: „Nee“. Weil ihr das Konzept nicht passt oder es ihr um das viele Geld schade ist. Oder weil doch eigentlich alles gut ist und eigentlich sowieso zu viele Kinder ein Abitur haben wollen.

    Wo kämen wir da hin?

    Ja, vielleicht mal zu einer klugen Gesellschaft mit gebildeten Erwachsenen?

    Nur so als Frage.

    Am Montag, 11. September, fand nun im Ausschuss für Wissenschaft und Hochschule des Sächsischen Landtags die zugehörige öffentliche Sachverständigenanhörung zum Entwurf der Grünen-Fraktion für ein Lehrerbildungsgesetz statt. Der Gesetzentwurf beinhaltet unter anderem gleiche Ausbildungslängen für alle Lehrkräfte und sieht eine schulstufenbezogene Ausbildung anstelle der getrennten Ausbildung für Gymnasial- und Oberschullehramt vor. Darüber hinaus soll das Studium praxisbezogener ausgestaltet werden, Instrumente zur Qualitätssicherung beinhalten und den Umgang mit einer vielfältigen Schülerschaft zum selbstverständlichen Bestandteil des Studiums machen. Für den Seiteneinstieg in den Lehrerberuf werden gesonderte Aufbaustudiengänge etabliert.

    Und zumindest aus Grünen-Sicht sieht es so aus, dass die Fachleute das Ganze genauso sehen und den Reformvorschlägen der Grünen zustimmen.

    „Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieses Gesetz dringend notwendig ist, wurde er heute erbracht“, erklärte nach der Anhörung Dr. Claudia Maicher, hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion. „Die Sachverständigen haben überzeugend dargelegt, dass die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer auf eine gesetzliche Grundlage gestellt werden muss. Damit würde die Lehramtsausbildung endlich Verlässlichkeit und Berechenbarkeit erhalten, da Gesetzgebungsverfahren demokratisch und transparent ablaufen und alle Betroffenengruppen einbezogen werden.“

    Heute ist in Sachsen noch immer gängige Praxis, dass Lehrämter für Grundschule und weiterführende Schulen unterschiedlich lange Ausbildungszeiten haben. Doch diese völlig unbegründete Trennung wurde klar abgelehnt.

    „Nicht eine Sachverständige oder ein Sachverständiger konnte sich für das derzeitige Modell erwärmen, dass Grundschul- und Oberschullehrende kürzer ausgebildet werden, als Gymnasiallehrende. Vielmehr wurde unsere Angleichung der Studienlängen, auch als Ausdruck der Wertschätzung, begrüßt“, sagt Maicher.

    Und zumindest aus einer Regierungsfraktion gab es einhellige Zustimmung: aus der der SPD.

    „In der Anhörung waren sich die Sachverständigen einig: Die Lehrerausbildung in Sachsen braucht Veränderungen“, fasst Sabine Friedel, Bildungsexpertin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, die Anhörung zusammen. „Wir werden uns deshalb weiter dafür einsetzen, dass das Kultusministerium endlich die Prüfungsordnungen novelliert und so das Lehramtsstudium verbessert. Die heute starre schulartbezogene Ausbildung sollte unserer Meinung nach schrittweise durch eine Stufenausbildung zunächst ergänzt, später ersetzt werden. Das ermöglicht einerseits einen flexibleren Lehrereinsatz. Es ist aber auch aus pädagogischen Gründen besser, wie viele Sachverständige ausführten.“

    Und vor allem überlässt es den angehenden Pädagogen die Entscheidung, ob sie – um in Sachsen bleiben zu können – dann doch lieber die Schulart wechseln. Jetzt werden sie, wenn sie nicht ins Raster der Bildungsagentur passen, einfach abgelehnt. Oder irgendwie als Notbehelf übernommen.

    „Ein wichtiger Aspekt der Anhörung war das Plädoyer mehrerer Sachverständiger für den Erhalt der Sonderpädagogik“, geht Hanka Kliese, Sprecherin für Inklusionspolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, noch auf einen anderen Aspekt der Anhörung ein. „Gerade im Sinne der Inklusion ist es, die hier vorhandenen Ressourcen zu nutzen statt sie versiegen zu lassen. Wir werden stets Lehrpersonal mit einer guten sonderpädagogischen Ausbildung brauchen. Gleichzeitig ist es wichtig, alle Lehrer/innen im Bereich ‚Inklusion‘ kontinuierlich zu qualifizieren.“

    Und dann ist da noch das Problem der fehlenden Koordinierung in der Ausbildung. Dass das Kultusministerium derart ratlos in der Gegend herumsteht, hat auch genau damit zu tun. Keiner fühlt sich richtig zuständig. Und am Ende bildet man lauter Lehrer mit falscher Schwerpunktsetzung aus. Für die Betroffenen ist das eine Katastrophe.

    „Die Anhörung hat die derzeit bestehenden Probleme bei der Koordinierung der Ausbildungsstudiengänge auf den Punkt gebracht. Unser Vorschlag, die Zentren für Lehrerbildung zur zentralen Koordinationsstelle der Lehramtsausbildung weiterzuentwickeln, wurde vor diesem Hintergrund positiv aufgenommen. Die klaren Kompetenzzuschreibungen, die unser Gesetzentwurf für die Zentren vorsieht, würden aus Sicht der Sachverständigen viele der heutigen Zuständigkeitsprobleme lösen“, sagt Claudia Maicher. „Die Praxisnähe der Lehramtsausbildung hat viel Raum in der Anhörung eingenommen. Dabei war die Frage, ob es mehr oder weniger Praxis geben sollte, für die Sachverständigen nicht die entscheidende. Wichtiger waren aus ihrer Sicht die Rahmenbedingungen. Praxis kann erst dann sinnvoll die theoretische Ausbildung ergänzen, wenn genügend Raum für Reflexion bleibt und auch die Hochschullehrenden in die Praxiselemente eingebunden sind. Für den Erfolg von Praxiselementen im Studium sind nicht nur gesetzliche Vorgaben von Anzahl und Zeitpunkt wichtig, sondern vor allem die Bereitstellung der nötigen Ressourcen.“

    Für die Grünen ist die Anhörung jetzt Anlass, den eigenen Gesetzentwurf noch einmal nachzubessern, wie Claudia Maicher betont: „Unser Anspruch ist es, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Lehramtsausbildung in Sachsen deutlich aufwertet. Deshalb werden wir die wichtigen Anregungen der Sachverständigen jetzt in unseren Gesetzentwurf einarbeiten und dann dem Landtag zur Abstimmung vorlegen. Die Anhörung hat unmissverständlich klargemacht, dass eine gesetzliche Regelung kommen muss, um die Weichen für die Lehramtsausbildung der nächsten Jahrzehnte zu stellen.“

    Ist nur die Frage, ob die CDU so viel Veränderung mittragen möchte. Oder ob sie sich wieder scheut vor einer so weitgehenden Verbesserung eines knirschenden Systems.

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ