Eva Inés Obergfell hat am 1. April dieses Jahres das Amt der Unirektorin übernommen. Sie folgte auf Beate Schücking, die das Amt elf Jahre innehatte, und ist damit erst die zweite weibliche Rektor/-in in der mehr als 600-jährigen Geschichte der Hochschule. Bei ihrer offiziellen Amtseinführung am Donnerstag, dem 23. Juni, war zahlreiche Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft zu Gast. Allerdings begann die Investitur mit einer Panne.

Wenn die ersten Minuten der Amtseinführung von Unirektorin Eva Inés Obergfell ein Hinweis auf die nächsten fünf Jahre waren, muss sich die Hochschule auf chaotische Zeiten einstellen. Nachdem das Uniorchester zu spielen begann und die Anwesenden – wie zuvor angewiesen – aufstanden, blieb die Tür, auf die sich alle Blicke richteten, verschlossen. Dann verstummte die Musik und alle nahmen wieder Platz. Der sächsische Ministerpräsident war offenbar noch nicht da.

Neue und alte Rektorin nebeneinander

Kurz darauf erfolgte aber tatsächlich der feierliche Einzug ins Paulinum der Universität. Obergfell und ihre Vorgängerin Beate Schücking schritten voran, gefolgt von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow. Auch der Leipziger Finanzbürgermeister Torsten Bonew in Vertretung des Oberbürgermeisters war dabei.

So eine Investitur – das ist die förmliche Bezeichnung für die Amtseinführung – sei „immer wieder ein besonderes Ereignis“, erklärte Hans-Gerhard Husung, der Vorsitzende des Hochschulrates, nachdem er minutenlang zahlreiche Gäste namentlich begrüßt hatte. Auch in ihrem 613. Jahr legt die Universität bei einer Veranstaltung dieser Art viel Wert auf Tradition und Konvention.

Es folgten eine ausführliche Danksagung an Schückung durch Bürgermeister Bonew und per Video eingespielte Grußworte verschiedener Statusgruppen. Diese fielen freundlich aus, enthielten aber auch zahlreiche Erwartungen an die neue Rektorin: Entfristung von Beschäftigten, ein konstruktives Miteinander sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Klima- und Coronakrise waren einige davon.

Kretschmer hofft auf Exzellenz

Auch der sächsische Ministerpräsident bedankte sich bei Schücking, die elf Jahre lang das Amt der Rektorin innehatte – als erste Frau nach zuvor 967 männlichen Amtsträgern. Er freue sich zudem, dass die neue Rektorin einen Schwerpunkt bei der Exzellenzentwicklung setzen möchte.

Talent- und Campusentwicklung seien ebenfalls wichtige Anliegen, erklärte Obergfell anschließend in ihrer Antrittsrede. Daran orientieren sich auch die Zuständigkeiten der drei Prorektoren. Teil dieser Entwicklung soll offenbar sein, dass die Universität klimaneutral wird. „Hochschulen verbrauchen so viel Energie wie eine mittelgroße Stadt“, so Obergfell.

Läuft alles nach Plan – also nicht so wie der Beginn der Amtseinführung –, bleiben der neuen Rektorin mindestens fünf Jahre, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Bereits seit dem 1. April ist sie im Amt. In einer Zeit, in der die Wissenschaft bei Themen wie Corona und Klima unter Beschuss steht, dürften es zumindest keine langweiligen Jahre werden.

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