25 Jahre – und nix dazugelernt: Leo hat ein Déjavu

Dieser seltsame Medienkonzern, der so gern tut, als sei er hip und habe im Silicon Valley die Zukunft der Zeitung begriffen, hat ja die Bundesrepublik an diesem Wochenende wieder mit einer Gratisausgabe seiner Schiffsflagge, pardon, seines Flaggschiffs überschwemmt. 42 Millionen Mal 22 Seiten. Kostenlos. In alle Papierbehälter. Ich hab mein Exemplar wieder rausgefischt. Mit schwarzen Pfoten.

„Leo, was machst du da wieder?“ – Mein Schätzchen war nicht begeistert, kennt mich aber. Wenn die Herren Unabhängig und Überparteilich schon mal wieder alle Papiertonnen verstopfen, will ich schon gern wissen, was sie diesmal angestellt haben. Hat Herr Wagner wieder einen Brief geschrieben? Hat er. Diesmal als Betonbrocken. Er wäre wohl zu gern selbst mal Mauer gewesen. Verständlich. Aber immerhin soll sich das Blatt ja um diesen nebligen 9. November winden, den Tag, an dem die Mauer überrannt wurde. Sie fiel nicht. Das ist ja eine der Schwindeleien, die sich seitdem festgesetzt haben. Und sie wurde auch nicht von Mauerspechten zerbröselt, wie Herr Wagner behauptet.

Aber das sind Legenden, mit denen leben wir nun seit 25 Jahren. Damals war ich noch jung und rund und glaubte, die tapsigen Lügen des Tages vergehen. Die Zeitung des nächsten Tages erfindet sich neue Schmonzetten, dann kann man die alten vergessen. Hab ich mich geirrt. Geb ich gern zu. Man lernt viel schwerfälliger, als Mancher glaubt, wenn er noch jung ist und stolz und heimlich seine erste Bilderzeitung kauft. Hab ich gemacht. Geb ich zu. Hab ich so gelernt von meinem Opa: Wennde wissen willst, was der Feind denkt, musste hingehen und gucken, wie’s bei ihm in der Stube aussieht.

Oder eben in seiner Zeitung. Über die alle reden und keiner liest sie. Muss man ja wissen, was das ist, eine Zeitung, die keiner liest. Hab ich meine ersten hart verteidigten D-Markstücken hingegeben und war bannig stolz: So viel Papier mit großen Bildern – für so schönes Geld. Jetzt brauchte ich nur noch ein ruhiges Eckchen, paar Stündchen, um in aller Ruhe zu lesen … naja. Das Eckchen fand ich wohl. Das Stündchen wurde es nicht. Fünf Minütchen waren’s damals, glaub ich, das ist bis heute wohl mein Rekord. Langsamer hab ich mich durch das Ding noch nie durchgelesen. Wobei: lesen …

Na gut. Es ist ein Stoff, der zum Turnen anregt, zur geistigen Akrobatik. Geht ja nicht nur mir so. Ich brauch mich nur auf Bildblog verirren und merke da schnell, wie auch andere versuchen, zu verstehen, wie verdreht die Autoren dieser Schnipseltexte eigentlich gedacht haben. Auch menschlich verdreht. Mir tut jedesmal die rechte Schulter weh, wenn ich mich da hineindenke, die linke Leber und die halbe Wirbelsäule.
Ich saß damals bequem. Und musste hinterher trotzdem zum Ergotherapeuten, als hätte ich eine Woche lang in einer Kiste gehockt.

Das Seltsame: Als ich das Jubiläumsblatt jetzt las, ging es mir genauso. Ich fühlte mich gleich 25 Jahre älter, so schlecht angezogen wie anno 90, und die Pfoten wurden ganz von allein schwarz beim Umblättern. Wahrscheinlich denken die in der Druckerei auch: Wenn der Inhalt schon dünn ist, muss wenigstens die Druckerfarbe fett sein. Man schlägt dieses Blättchen ja immer auf in der Hoffnung, es würde sich ja doch mal ein fleißiger Autor in diese Truppe verirren, richtig losgehen und Leute fragen, Geschichten finden, was Neues rauskriegen.

Oh, Neues findet man schon. Neuen Blödsinn vom Feinsten. Da rede ich gar nicht von der Helmut-Kohl-Geschichte, mit der der arme alte Mann schon mal zum Denkmal erklärt wird. (Können wir uns das Denkmal in Leipzig endlich sparen.) Ein ganzer Sechsspalter. Nur irgendwie scheint der Bild-Reporter mit Helmut und Maike die ganze Zeit einfach schweigend am Brandenburger Tor gestanden zu haben. Sechs Spalten lang schwadroniert er darüber, wie Helmut sich gefühlt haben muss und was er wohl gedacht haben soll. Aber zumindest wird man das eiserne Gefühl nicht los: Dieser Mann hat die Mauer umgerissen und die Einheit gemacht. Wenn es schon nicht die Bildzeitung selbst war.

Wüsste ich nicht aus dem „Spiegel“, dass es nicht der Bildreporter war, der 1989 nachfragte, ich wäre nicht mal stutzig geworden. Nicht darüber, dass auch diese „Liebes Deutschland“-Bild sich über die alten Granden Schabowski, Krenz, Kessler und Modrow auslässt, als säßen sie noch immer in Amt und Würden. Sondern über so ein beiläufig hingeflapstes: „Als Regierungssprecher stotterte er auf BILD-Nachfrage den Mauerfall am 9. Novemver herbei …“

Nee, so unverfroren hat noch keiner die Geschichte verdreht. Aber der Satz sagt alles über dieses Blatt und sein Verständnis von Wahrheit. Hätte ich ja nicht erst Wallraff und Böll lesen müssen. Hab ich aber. Und es hat mich nie gereut. Diesmal aber war’s, als hätte ich unbedingt noch einmal begreifen sollen, was ich damals begriff, als ich das lappige Papier zusammenfaltete und schleunigst entsorgte mit dem Gefühl, so richtig für 60 Pfennige übers Ohr gehauen worden zu sein, geneppt, gebauernfangt, verarscht, in die Pfanne gehauen und auch noch mit dem Klammerbeutel gepudert. Sie hatten ja alle recht gehabt: Man konnte das Ding nicht lesen. Aber es war noch viel schlimmer. Ich fühlte mich danach wie Entengrütze, Haferschleim und Motorschmiere. Alles in einem. Und ich wusste ja, ich würde mich bei niemandem beschweren können. Ich war gerade in einem freien Land gelandet, in dem ein jeder das Recht hat, sich nach Strich und Faden bescheißen zu lassen.

„Leo …“

O, mir geht’s gut. Ich hätte nur nicht damit gerechnet, dass 25 Jahre später eine gratis aus der Papierkiste gefischte Jubel-Zeitung noch genau so sein würde wie das lappige Erstlingserlebnis von damals. Die Bösen sind böse, die Guten sind Helden und das Meiste fehlt einfach. Das hab ich die ganzen Jahre auch nicht gemerkt, weil ich das Ding ja seitdem nicht mehr kaufe, nur noch gratis aus dem Korb fische: Was alles nicht vorkommt in dieser Welt, in der Helmut Kohl die Mauer niedergerissen hat und Mathias Sammer und Franziska von Almsick die einzigen Ostdeutschen sind, die man im Westen kennt (vielleicht noch das Schneewittchen aus Karl-Marx-Stadt …). Und Simone Thomalla noch. Auf sieben Seiten machen sich die Spaßredakteure lustig über das, was aus ihrer Sicht heute aus der DDR geworden wäre. Und zeigen eigentlich damit erst, was für eine Sicht sie auf das alles haben, was für sie wohl immer noch tiefstes Sibirien ist. Oder eben ein spaßiges DDR-Museum mit Trabi, Sandmännchen und Tokio Hotel. Sie haben sich so eine Art Ersatz-„DDR“ zusammengebastelt, eine Art Märchenland, in dem auch noch in 50 Jahren der Schwarze Kanal gesendet wird und die 137-jährige Margot ihnen in Santiago de Chile die Türe weist.

Wahrscheinlich haben sie es bis heute nicht verwunden, dass wir ihnen ihre „DDR“ weggenommen haben, sie einfach abgeschafft haben. Wahrscheinlich fühlen sie sich selbst ein bisschen wie Werner H., der seit 1980 im Knast sitzt und von alledem nichts miterlebt hat. Und jetzt sitzen sie auf Tonnen alter Mauerstücke und versuchen, sie irgendwie unters Volk zu bringen. Soll ja Leute geben, die das Zeug im Garten haben wollen, wo unsereins froh ist, dass der alte Beton verschwunden ist aus der Landschaft. Wir unsererseits hatten uns an dem Gelumpe wirklich satt- und übergesehen. Vielleicht macht das das saure Gefühl in meinem Magen: dass uns dieser alte Unrat immer wieder angedreht werden soll wie eine lappige Zeitung mit Nachrichten, die so belanglos und überflüssig sind, dass man sich schon beim Aufblättern geneppt und genarrt vorkommt.

Da muss nicht mal stehen, dass die Bild-Zeitung die Mauer aufgemacht hat, obwohl sie wahrscheinlich die allerletzte war, die’s mitgekriegt hat. Selbst der Westberliner Senat wusste es früher, Momper sowieso und Riccardo Ehrman erst recht.

Aber das liest man woanders wirklich besser.

Meine liebste Bäckerin kocht mir einen Magentee. Ich schaff das Zeitungs-Ding wieder in den Papiermüll und schrubbe mir dann die Hände. Und dann lese ich, um wieder ein Mensch zu werden, meiner liebsten die Grimm’schen Hausmärchen vor.

„Oja“, freut sie sich aus der Küche. „Das Rumpelstilzchen und die Stadtmusikanten …“

… und das Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.

„Fürchte dich nicht“, ruft mir die Liebste nach. „Sei tapfer!“

Aber sicherheitshalber habe ich den Schürhaken mitgenommen. Man weiß ja nie, ob es sich wehrt, wenn man die Klappe öffnet.

Noch ein bisschen zitternd, ansonsten fidel,

Euer Leo

Der Westberliner Senat wuste es früher – siehe „Spiegel“: West-Berlin und der Mauerfall „Das war keine Überraschung für uns“: www.spiegel.de/einestages/west-berlin-und-der-mauerfall-a-948590.html

Riccardo Ehrmann war der Frager – Siehe „Spiegel“: Wende 1989 Bei Anruf Mauerfall: www.spiegel.de/einestages/wende-1989-a-948261.html

Riccardo Ehrman auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Riccardo_Ehrman


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