Artikel von Leo Leu

Und was passiert jetzt? – Teil 74

Herr Fuchs lässt sich verbinden

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LeserclubDie Kopfschmerzen kündigten sich schon an, als Herr L. sich durchs halbe Polizeipräsidium telefonierte. Vielleicht hätte ein heißer Grog geholfen, ordentlich angereichert mit irgendeinem hochprozentigen Kräutersud. Aber es war so ein Montag, wie Herr L. sie nur zu gut kannte. Noch am Sonntag denkt man: Was ist eigentlich los in diesem Nest, was man den Leuten unbedingt am Dienstag brühheiß erzählen müsste? Und dann hört das Telefon nicht auf zu klingeln, weil alle möglichen Leute ihren Kummer in der Redaktion abladen wollen. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 73

Die seltsamen Gäste des ehrenwerten Herrn Fuchs

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LeserclubDer Anruf hatte Herrn L. natürlich genau in jenem Moment aus dem Traum gerissen, als er mit letzter Verzweiflung gegen wild angreifende Schatten von Wölfen, Füchsen, Bären und Tigern kämpfte. Zumindest hatte er beim Hochschrecken das Gefühl, dass es diese Raubtiere gewesen sein mussten, wirklich giftige, gierige Bestien, gegen die er sich verzweifelt mit einer zusammengerollten Zeitung wehrte. Ansonsten hatte er das dumme Gefühl, nur mit einem alten, schäbigen Lendenschurz bekleidet gewesen zu sein. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 72

Das Ende des Kosmos

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LeserclubSelbst am Montag würde Herr L. nur mühsam rekonstruieren können, was am Sonntagabend tatsächlich geschehen war. Dass es Margarita darauf angelegt hatte, die ganze schön frisierte 1. Reihe in Aufregung zu versetzen, zu piesacken und zu ärgern, war nicht zu übersehen. Man merkte, dass gerade der Ausflug über die Dächer der Stadt in ihr die alte, nie vergessene Wut wieder entflammt hatte. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 71

Das Konzert, genau so, wie es Herr L. erlebt hat

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LeserclubWer dabei war, wird sich erinnern. Einmal wenigstens, einmal wieder lebendig gewesen zu sein, ein, zwei Stunden lang. Vielleicht mehr. Hinterher schaute keiner auf die Uhr, denn Margarita, wie Herr L. sie für sich nannte, und die auf Plakaten gern nur DIE DIVA hieß, in ihrem Ausweis aber so einen kleinen bürgerlichen Namen trug, wie man ihn in L. eher mit Bescheidenheit spazieren führte, hatte dieser todtraurigen Stadt noch einmal gezeigt, was sie war, wenn sie träumte. Und dass sie schon lange nicht mehr geträumt hatte. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 70

Margaritas Vorstellung beginnt

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LeserclubMüsste das jetzt nicht ganz langsam erzählt werden? Mit Orgelmusik untermalt, ein bisschen aufgebrezelt und hochglanzpoliert? Denn so etwas passiert hier ja nicht mehr, in diesem Städtchen am Rande der Zeit. Talmi ist anderswo. Das Gefühl, wenigstens ab und zu die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen, sowieso. Trotzdem beeilte sich Herr L. als der Chef die ganze Seite noch einmal umbrechen wollte, weil ein immer schlecht gelaunter Hausjurist sich im letzten Moment mit Ningeligkeiten gemeldet hatte, fand er jedoch die Redaktionsräume verlassen. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 69

Ein altes Kino erlebt einen Frühling

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LeserclubUnd so wehte eine Unruhe durch die Stadt, eine Geschäftigkeit, die dieser kleine Ort in seiner Beschaulichkeit am Wochenende eher nicht kannte. Wie zufällig streiften die Spaziergänge der braven Bürger, die für gewöhnlich lieber jede Stunde daheim auf einer gemütlichen Ottomane verbrachten, die kleine Straße vor dem alten Kino. Don Leone freute sich diebisch. Er hatte das beliebte Eiscafé an der Ecke gerade erst in Schwung gebracht. Als hätte er es geahnt. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 68

Erkennt man das Böse an der Nasenspitze?

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LeserclubKann es sein, dass man in manchen Berufen landet, weil man gar nicht anders kann? Hätte Herr L. nicht auch Bäcker werden können, Lokführer oder Straßenfeger? Selten hatte er so oft über dieses Rätsel nachgedacht wie in dieser Woche. Wie kommt der Mensch dazu, seine besten Jahre mit Dingen zuzubringen, die ihn zuweilen zutiefst unglücklich machen? Zumindest ratlos, weil augenscheinlich der komplette Rest der Welt einfach weiterströmte wie ein lehmiger Fluss voller Unrat und Müll. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 67

Herr L. führt sich Gassi und ist gar nicht überrascht

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LeserclubKönnen Sie abschalten? Können Sie ihren Job nach Feierabend im Büro lassen, nach Hause fahren und ein völlig anderer Mensch sein? Herr L. konnte es nicht. Er hätte es nur zu gern gekonnt. Sich verwandelt in einen Wochenendmenschen, der nur noch Wochenendgedanken hat. Zum Beispiel mit Mascha in Olegs Tschaika steigen und losdüsen, den Kofferraum vollgepackt mit Picknickereien. Aber der Tschaika war ja im Eimer. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 66

Ein Samstagmorgen entgleist, aber Herr L. kann nicht anders

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LeserclubHerr L. hatte die beiden Polizisten in ihrem Auto eher nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Wenn sie etwas von ihm wollten, mussten sie warten. Oder klingeln, oder am Montag wiederkommen. Es war Wochenende und die Brötchen in der Tüte rochen wie ein reifes Weizenfeld. Wie ein Kichern im Kornfeld und ein Kuss von seiner Mascha, wenn sie ihn unverhofft überfiel und nicht erwarteterweise. Was manchmal vorkam. Meistens dann, wenn sie etwas zu verbergen hatte. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 65

Ein Vorfall im Morgengrauen, mit Stimmung bitte

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LeserclubL. Ein Montag in der nassen Jahrszeit. Und es regnet. Schon seit Stunden. Seit einer Stunde steht ein Mann am Straßenrand und wartet. Er weiß nicht, was in dem Haus passiert, das hier zwischen grünen, kurzrasierten Wiesen steht. Golfplatzgefühl. Eher eine Villa mit Ziertürmchen, einem Balkon auf wuchtigen Säulen, einer breiten Freitreppe, die geradezu einlädt, dass man mit Vierspänner vorfährt. Die Einwohner von L. kennen das Anwesen. Es gehört einem Politiker, den hier jeder kennt. Im Guten wie im Strittigen. Und es regnet. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 64

Ein nasser Hund am Straßenrand oder Wie schöne Geschichten zerplatzen

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LeserclubKam das unseren beiden kleinen Lokalreportern nicht erstaunlich vertraut vor? Diese Liebe zu runden, hübschen, knallharten Geschichten? Reif für eine Verfilmung? Sauber durcherzählt bis zu der Szene im Regen, wenn die Polizisten den Verdächtigen abholen, nur ein einsamer Reporter am Straßenrand, den Kragen hochgestellt, festhaltend, was festzuhalten ist? Seine Pflicht tuend. „Was denn für eine gottverdammte Pflicht?“ Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 63

Mutmaßungen über das Gespräch zweier Herren in Uniform

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LeserclubUnd das war erst der Auftakt für die Verwicklungen, die das kleine Städtchen L. bald noch viel tiefer in Verwirrung stürzen sollten. Denn wie man mit Enthüllungen umgeht in der schmuck gewordenen westlichen Welt, das hatten alle, die auch nur ein bisschen Teil haben konnten an diesem hübschen Aufputschmittel Macht, längst gelernt. Weiterlesen

180 Jahre deutsch-nationale Anscheißerei

Leo Leu über die Lehrer-denunzier-Seite der AfD

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Für alle LeserDie AfD ist eine feige Partei. Muss man das noch extra betonen? Eine Partei, die es nicht aushält, wenn Lehrer sie im Unterricht negativ erwähnen und den Kindern erklären, was für ein menschenfeindlicher Haufen sich da zusammengefunden hat. Und weil die Truppe feige ist, greift sie zu den alten, schon bei den Nazis gern verwendeten Mitteln: Kinder sollen ihre Lehrer verpfeifen. Geht’s noch? Weiterlesen

Von Lockführern und anderen echten Menschen

Leo Leu freut sich über den schönsten Schreibfehler des Montagmorgens

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Für alle Leser Danke. So einen schönen hab ich lange nicht gesehen. Und ich habe viele gesehen, herrliche Verschreiber, die das Leben auf deutschen Nachrichtenseiten so angenehm machen. Es sind ja doch nur alles Menschen und keine – ja – keine Roboter-Journalisten, die, wie man uns erzählt, überall schon zugange sind und Nachrichten produzieren wie andere Büroklammern. Braucht das irgendjemand? Nicht wirklich. Aber die Bahn braucht, wie man sieht, ein paar Lockangebote. Weiterlesen

Als uns das Lachen verleidet wurde

Leo beschäftigt sich mit dem Humor der rechten Esel

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Für alle LeserWeil ich schon mal dabei bin, es unseren rechten Eseln so richtig zu geben, geb ich’s ihnen auch heute wieder. Denn eigentlich gehen sie mir nur noch auf den Keks mit ihrem ständigen „IA, IA! Aber die Flüchtlinge! Die Ausländer! Die Merkel!“ Du gehst aus der Tür und denkst, dass du dich jetzt endlich mal um die Schafe kümmern kannst, kommt der nächste Esel um die Ecke und blökt: „IA!“ Das scheint furchtbar ansteckend zu sein. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 62

Das Tierchen fehlte noch: Die verwirrte Hyäne

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LeserclubNatürlich war der Mond angebissen. Sie hatten nur die kleine 5-Watt-Funzel angeschaltet, als der alte Kommissar sich wie ein schlechtes Gewissen in ihre Wohnung drängte. Oder wuchtete. Es kam wohl auf die Perspektive an. Und aus dem Sessel, in dem Herr L. gesessen hatte, als der Alte kam, hatte er bestenfalls eine verwirrende Untersicht auf ein kantiges Gesicht, dem – so betrachtet – die Vertraulichkeit fehlte. Weiterlesen

Und was passiert jetzt? – Teil 61

Wir sind alle nur sind Menschen oder Zweifel ist immer angebracht

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LeserclubNoch eine kurze Konfrontation? So ein Moment, in dem sich die beiden besten Kollegen aller Zeit anstarren wie zwei wilde Löwen und Kollege Stachelschwein knurrt: „Wozu, zum Teufel, brauchst du meine Hilfe? Du kennst das doch alles besser als ich. Du bist doch mit Don Leone durch die Stadt gebrettert und hast die Hühner aufgescheucht.“ – „Du meinst: die Leute.“ – „Nein, die Hühner.“ Weiterlesen

Mad World und die Zucker-Dealer

Leos Gedanken über das, was uns wirklich krank macht

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Für alle LeserGeht ja nicht nur mir so, dass ich das Gefühl habe, in einer „Kranken Welt“ zu leben. Obwohl die Welt gar nicht krank ist. Krank sind wir, die Menschen, die sich manipulieren lassen. Was an unserem armen, kleinen, so leicht verführbaren Gehirn liegt. Es lüstet nach Belohnungen. Es ist regelrecht süchtig danach. Da versteh ich schon, wenn lauter junge Mädchen bei Youtube das Lied von Gary Jules mit bedeutungsvollem Augenaufschlag nachsingen. In dem Alter ist man noch betroffen. Weiterlesen

Leos Montag

Die wahre Welle: Mit Moby, Horst und drei renitenten Schokodings in die Woche

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Für alle LeserMontag ist ein schrecklicher Tag. Alle Leute sind freundlich, gehen gutgelaunt an die Arbeit, wo unsereinem der Schädel dröhnt und man am liebsten gleich wieder alles ausmachen und sich aufs Rad schwingen möchte. War ja auch eher ein belämmertes Wetter am Wochenende. Und jetzt scheint die Sonne, und ich arme Sau muss arbeiten. Das ist nicht gerecht! Auch mal mit Ausrufezeichen. Ich darf das. Weiterlesen

Leo liest die neueste Sommermärchen-Heimat-Wundertüte

Eine Truman-Welt mit einem komischen Alt-Bundespräsidenten

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Für alle LeserNa, Leo, wieder mal ein Flapp-Flapp lesen? Am Donnerstag gab’s wieder so ein Ding, ausgekippt ins ganze Land: Die Postille für das Volk der Jubler, Tröter und Besoffensänger. Irgendwo da hinten in Sibirien findet das Ding statt, über das unsere geliebten Beglückungsmedien nun seit Wochen reden, als wäre das die Weltverbrüderung. Und als hätten die Herren mit den bierschönen Wampen nichts anderes im Kopf. Wahrscheinlich nicht. Flapp. Und jetzt soll ich das Ding auch noch besprechen. Weiterlesen