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Montag, 18. Januar 2021

Leo Leu über die Lehrer-denunzier-Seite der AfD

Von Leo Leu

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    Die AfD ist eine feige Partei. Muss man das noch extra betonen? Eine Partei, die es nicht aushält, wenn Lehrer sie im Unterricht negativ erwähnen und den Kindern erklären, was für ein menschenfeindlicher Haufen sich da zusammengefunden hat. Und weil die Truppe feige ist, greift sie zu den alten, schon bei den Nazis gern verwendeten Mitteln: Kinder sollen ihre Lehrer verpfeifen. Geht’s noch?

    In Hamburg hat die AfD schon so eine Website für kleine Denunzianten eingeführt. In neun weiteren Ländern hat sie es angekündigt – auch für Sachsen, wo ja bekanntlich der gärigste aller AfD-Verbände zugange ist.

    Am Montag, 8. Oktober, berichtete die „Freie Presse“ darüber: „Sächsische AfD will Lehrer ins Visier nehmen“.

    „Wirklich wundert uns dieses Einschüchterungsprojekt der Rechtsaußen nicht, hatte doch schon ihr Spitzenpolitiker Gauland dazu aufgerufen, politische Gegner*innen zu jagen“, kommentierte Rico Gebhardt, Vorsitzender der Linksfraktion im Landtag, den Vorgang.

    „Nun will die AfD auch in Sachsen Lehrer*innen jagen, die es wagen, kritische Anmerkungen zur Politik dieser Partei zu machen. Ein Petz- und Hetz-Portal soll der Partei politische Munition gegen Lehrkräfte liefern. Darf nicht mehr darüber gesprochen werden, dass AfD und Nazis Hand in Hand bei rassistischen Demos fremdenfeindliche Stimmungsmache betreiben?“

    So betrachtet, ist die AfD wieder auf alter rostiger Schiene unterwegs. Denn wer die Lehrer in Angst versetzt, vor den Kindern überhaupt noch etwas zu sagen, sorgt natürlich dafür, dass genau diese Lehrer ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Sie sollten den Kindern nämlich beibringen, was Demokratie ist. Und Verpfeifen, Anschwärzen und Verleumden sind ganz gewiss keine demokratischen Tugenden. Aber wer diese Methoden nutzt, zeigt, dass er 90 Jahre hinter die Zeit zurück will. Oder 180. Da komme ich gleich drauf.

    Dumm nur, dass in Sachsens Schulen sowieso eine ungesunde Stille herrscht.

    Auch darauf ging Gebhardt ein.

    „Es ist zwar gut, dass der CDU-Kultusminister unmissverständliche, klare Worte gegen diese blau-braune Denunziationsmaschine gefunden hat. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Kultusministerium unter CDU-Regie seit Anfang der 90-er Jahre bestrebt war, Schule zur kritik- und politikfreien Zone zu machen.

    Das hat den Nährboden für die weitverbreitete irrige Annahme verbreitet, Lehrkräfte hätten sich in absoluter politischer Enthaltsamkeit zu üben“, kommentiert Gebhardt diese fatale Entwicklung, die eben auch dazu beigetragen hat, dass viele Kinder nie gelernt haben, dass man eine Demokratie mutig verteidigen muss – nämlich genau gegen diese kleinen Autokraten, die sich für was Besseres halten als die anderen.

    „Viele Pädagoginnen und Pädagogen haben seither ohnehin Angst, überhaupt mal zu aktuellen brisanten Themen in der Klasse diskutieren zu lassen“, stellt Gebhardt fest. „Erst 2016 war per Erlass ein bisschen mehr politische Bildung an Schulen zugelassen worden. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Schülerschaft zur eigenen Meinungsbildung ermutigen sollen, müssen sie selbst dazu beitragen dürfen. Ich wünsche mir daher, dass die demokratische Zivilgesellschaft diesen Versuch der AfD, Angst und Schrecken zu verbreiten, mit phantasievollen Mitteln ins Leere laufen lässt.“

    Und auch Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, reagierte recht entsetzt auf diesen Vorstoß, Kinder zu Denunzianten zu machen.

    „Dass nun auch die sächsische AfD einen Lehrer-Pranger installieren will, ist peinlich“, erklärte Sabine Friedel am Montag. Ihre Hoffnung: Zahlreiche Medien hatten darüber berichtet, dass Schüler, Eltern und Lehrer das Hamburger AfD-Denunziationsportal mit satirischen Beiträgen füllen.

    „Die einzig sinnvolle Reaktion auf einen solchen Horch-und-Guck-Unsinn“, so Friedel. „Doch die AfD liefert auch hier nicht: Von den bereits 478 eingegangenen Pizzabestellungen wurde noch keine bearbeitet, geschweige denn ausgeliefert.“

    Überrascht zeigt sich Sabine Friedel freilich darüber, dass die sächsische AfD im Stammland der Friedlichen Revolution offenbar keine Sorge hat, mit ihrem Vorstoß schlechte Erinnerungen an die Stasi-Zeit zu wecken, wo tatsächlich auch in den Schulen gespitzelt wurde. Sozusagen in langer Tradition.

    „Da sind offenbar die West-Importe der Fraktion nicht sensibel genug und die ostdeutschen AfD-Abgeordneten absolut geschichtsvergessen“, so Friedel. Die Lehrkräfte ermutigt sie, das geplante Portal im Unterricht zu nutzen: „An diesem Beispiel lassen sich Lehrplaninhalte verschiedener Fächer gut abbilden – von Geschichte und Gemeinschaftskunde bis hin zum Ethikunterricht.“

    Augenscheinlich brauchen gerade diese alten, hochbezahlten weißen Männer in ihrer Hinterwald-Partei ein bisschen Hilfe beim Erlernen demokratischer Umgangsformen und bei der Korrektur ihres auf einen Vogelschiss reduzierten Geschichtsbildes.

    „Sonderbar! Und immer ist es die Religion, und immer die Moral, und immer der Patriotismus, womit alle schlechten Subjekte ihre Angriffe beschönigen! Sie greifen uns an, nicht aus schäbigen Privatinteressen, nicht aus Schriftstellerneid, nicht aus angebornem Knechtsinn, sondern um den lieben Gott, um die guten Sitten und das Vaterland zu retten“, schrieb Heine vor über 150 Jahren in der Vorrede zum dritten Teil des „Salon“. Auch ihn hatte so ein braver Knecht der rechen Gesinnung öffentlich angeschwärzt, der Herr Menzel.

    Und Heine wusste auch, dass diese ganze Anscheißerei immer wieder aus derselben Quelle kommt. Das war auch beim Herrn Menzel schon so: „Dieses ist nun freilich verdrießlich für einen Mann, der beständig auf Nationalität pocht, gegen alles Fremdländische unaufhörlich loszieht und unter lauter Teutomanen lebt, die ihn nur als einen nützlichen Verbündeten, jedoch keineswegs als einen reinen Stammgenossen betrachten.

    Wir aber sind keine altdeutschen Rassenmäkler, wir betrachten die ganze Menschheit als eine große Familie, deren Mitglieder ihren Wert nicht durch Hautfarbe und Knochenbau, sondern durch die Triebe ihrer Seele, durch ihre Handlungen offenbaren.“

    Das war 1836. So lange geht das schon mit unseren nationalen Anschwärzern. Damals wachten noch Klemens Wenzel Lothar von Metternich und die Zentraluntersuchungsbehörde darüber, dass in deutschen Landen fleißig zensiert und angeschwärzt wurde.

    Das werden sie nicht mal wissen, unsere Nachtmützen aus der Schwarzmalerpartei. Sie glauben sich so neugeboren, dass sie sich gleich mal Alternative genannt haben, weil das so modern klingt. Sie hätten auf Alexander Gauland hören sollen und sich Haufen nennen sollen, vielleicht auch Gäriger Haufen. Wer einen gärenden Haufen im Hof liegen hat, weiß, wie das riecht.

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    2 KOMMENTARE

    1. Zum Thema Lehrer; die sind wirklich verunsichert hinsichtlich dessen, was sie in der Schule sagen dürfen. Noch vor zwei Jahren sagte eine Schulleiterin im Seminar Schulrecht, Lehrer dürften im Unterricht nicht ihre Meinung sagen. Auf meinen Einwand, das Klassenzimmer könne unmöglich ein Raum sein, in dem das Grundgesetz nicht gilt, wusste sie keine Antwort! Soviel dazu!
      Es gibt das sogenannte „Überwältigungsverbot“, das Lehrern verbietet, ihre politische Meinung so darzustellen, als sei sie für den Unterricht bindend. Allerdings verbietet auch dieses nicht, dass Lehrer Stellung beziehen. Ganz abgesehen natürlich davon, dass der Lehrplan in vielen Fächern Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Diskurs und Debatte als Ziele ausweist.

    2. Ich erinnere mich: es war so in der 2. oder 3. Klasse Anfang der 60er Jahre. Unser Lehrer sagte, dass man keine Westsender hören dürfe und wir sollten in der Schule Bescheid sagen, wenn die Eltern das machen. Ich habe das zu Hause meinen Eltern erzählt und mein Vater sagte darauf hin „du kannst das deinem Lehrer erzählen, wenn du willst, dass wir ins Gefängnis kommen und ihr Kinder ins Kinderheim“. Das hat gesessen, obwohl ich da noch ziemlich klein war, so wurden wir Kinder in der Schule manipuliert.

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