In eigener Sache (1): Die Leipziger Internet Zeitung am Scheideweg

Seit Ende Januar 2015, also nun im vierten Monat haben wir unsere Leipziger Internet Zeitung umgestellt. Von Beginn an wussten wir um die immer wieder auftretende Erklärungsbedürftigkeit unseres „L-IZ Leserclubs“. Ein Angebot, welches auch und vor allem eine Bitte um Unterstützung und Miteinander ist. Angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre eine nachdrückliche. Gejammert haben wir in dieser Zeit und die Jahre davor nie und werden es auch jetzt nicht beginnen. Aber wir werden schon allein aus ökonomischen Gründen weiterhin nicht anders handeln, als unsere Leser nunmehr verstärkt um finanzielle Unterstützung für eine seit über 10 Jahren klar definierte Leistung zu bitten. Ein rarer Eigenerklärungstext - Teil 1.
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Zuerst zur Geschichte selbst

Nach Jahren der massiven Selbstausbeutung und ja, aus der Überzeugung von Journalisten, für die Leser zu schreiben, heraus, selbst gewählten, prekären Lebenslagen aller mittlerweile 15 Mitkämpfer der L-IZ.de standen wir im Herbst 2014 vor der Frage: Aufhören oder ändern? Aufgeben ist nachweislich nicht so unser Ding, also begannen wir zu ändern. Bis hin zur Mitinitiation der „Leipziger Zeitung“ als neuen Printtitel (dazu in Teil 2).

Hätten wir über unsere Sorgen schreiben und vor der Umstellung alle Leser um Rat fragen sollen? Vielleicht – aber bekanntlich lesen so etwas wenige, noch weniger wollen wissen, wie es um den lokalen Journalismus nicht nur in Leipzig wirklich bestellt ist. Was wir vorab beobachten konnten: Fragten andere durchaus hochwertige Netzzeitungen ihre Leser: „Sind Sie bereit, für unser Angebot zu zahlen?“, waren die Antworten eindeutig, egal wohin man schaute. Nein. Hätten wir vielleicht auch angeklickt, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Menschen haben sich in den letzten Jahren an die „Alles-kostenlos-Mentalität“ gewöhnt. Das Fazit also: Wer viel fragt, geht viel in die Irre. Der GEZ-Beitrag trieb den Rest an (Ja, es heißt jetzt „Rundfunkgebühr“, es bleibt das Gleiche).

Die Mechanik läuft leer

Was weniger bekannt als dieser Effekt ist: Kaum jemand, der sich nicht damit befasste, weiß, dass alle Onlinezeitungen in Deutschland ohne Bezahlmodelle bis auf ganz wenige (es sind wohl 2 bis 3 bekannte Namen wie BILD, SPON und ?) Verluste schreiben oder so zugemüllt mit Textanzeigen und anderem PR-Quatsch sind, dass man oft die Beiträge der Redaktion kaum noch findet. Alle anderen scheinbar neuen Modelle (Vice, Huffingtonpost) haben ihre Werbepartner und in Deutschland nach wie vor nahezu unbekannten Risikokapitalgeber aus den USA oder Kanada mitgebracht, die Firmenzentralen dieser Medien sitzen auch noch dort.

Also haben wir uns lange im Netz umgeschaut: Eine lokale, inhabergeführte Zeitung unserer Machart und Unabhängigkeit gibt es nicht noch einmal in Deutschland – wir gehen einen wirklich eigenen Weg. Manchmal kann man dies aus der Nahdistanz schlecht erkennen, doch es ist so. Das darf Angst machen und Zweifel wecken. Oder man ist halt einfach der Erste, der es seit 2004 versucht und noch lebt – was solls? Lokal, frei von Konzerndenken, gegen jede Beeinflussung von außen, berichten wir seit über 10 Jahren aus und in unserer Stadt, teilweise über bis zu 20 Geschichten am Tag – mehr als der Lokalteil normaler örtlicher Zeitungen.

Bei unserem Rundblick haben wir zudem festgestellt: Manche Netzseiten oder gar Facebook“zeitungen“ tun so, als ob sie dies auch täten – die meisten sind in den vergangenen Jahren in Belanglosigkeiten versunken oder haben aufgegeben. Was übrig blieb, sind meist sogenannte „Blaulicht“- und Aufregerportale, auf denen nahezu jeden Tag aus Polizeimeldungen eine Katastrophe gebaut und die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben wird. Schnelle Boote auf einem flachen Wasser, wenig geeignet, kommunale Zusammenhänge greifbar und Vorgänge verstehbar zu machen. Hysterie am Morgen und in der Nacht, keine Fakten, oft einfach Propaganda. Mancher eröffnete nur deshalb eine Netzseite, um sich an einem Oberbürgermeister zu rächen. Wer es so mag? Wir nicht.

Deutschlandweit berichten, wie es auch viele tun, ohne selbst vor Ort zu sein?

Nichts für uns, wir versuchen das zu tun, wovon wir auch wirklich etwas verstehen. Wer unsere Haltungen nicht mochte, ging oder rieb sich an unseren Beiträgen. Dass irgend etwas richtig an dem sein könnte, was wir in den vergangenen Jahren täglich, auch an Feiertagen und Wochenden, tun, zeigen einige Zahlen: Im Monat Januar 2015 (der letzte Monat vor dem Neustart mit dem „Leserclub“) lasen auf L-IZ.de 236.784 Unique User (Leser), welche unsere Seite 494.188 mal besuchten (Visits) und dabei 4,6 Millionen Einzelseiten (Pageimpressions) aufriefen.

Zusammengefasst also fast eine Viertelmillion Menschen pro Monat, die uns auch jetzt nach der Umstellung in einer konstanten Zahl von 200.000 Lesern begleiten – trotz der „neuen“ 24-Stunden-Einschränkung. Dafür ein Dank an alle Freunde der „Lizzy“, im Januar 2015 bewegten wir uns als lokale Zeitung damit in Augenhöhe deutschlandweiter Seiten wie Freitag.de. Einer Seite, auf welcher auch durchaus bekannte Leipziger Journalisten ohne Honorar schreiben. Weil sie immer noch glauben, dort bekannter zu werden, weil ein prominenter Herausgeber lockt.

Vielleicht auch, weil der lokale Journalismus immer noch den Geruch von Fraternisierung hat? Beweise her, was uns betrifft, dann reden wir weiter.

Würde man diese Zahl von 200.000 monatlichen Lesern mit einer Printzeitung im gleichen Raum vergleichen, müsste diese, unsere kostenfreie Tageszeitung in Leipzig – nach Abzug der Fehlertoleranzen beider Medienarten – also wenigstens über einen Leserstamm von 100.000 Lesern verfügen. Nicht schlecht eigentlich, oder? Tut sie auch. Das ist die Wirkung der L-IZ bei wichtigen Themen bis heute. Reichweite bedeutet immer auch „Macht“ (eigentlich Verantwortung). Dazu gleich mehr.

In Teil 2: Die Rückseite der „Macht“ und die Konsequenzen auf L-IZ.de

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Poesiealbum neu: Wolfgang Rischer zum Fünfundachtzigsten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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Sachsens Innenminister Dr. Roland Wöller (CDU). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

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