In eigener Sache (2): Die Rückseite der „Macht“

Alle „Macht“ hilft nichts. Die Umsätze der ernstzunehmenden Medien stiegen branchenweit seit 2013 nicht mehr, den wachsenden Aufwand, die wachsenden Artikelmengen und die Kommentarspalten juristisch im Griff zu behalten, wurden zum Spagat. Auch bei uns. Ein branchenweites Problem deshalb, wie diverse Aktionen auch großer Zeitungen zeigten, dass etwas an der Mechanik nicht stimmte. So wurden seit Anfang 2014 Kommentarfunktionen auf Zeitungsseiten aus ökonomischen (oder teils ideologischen) Gründen eingeschränkt. Die Agenturmeldungen hingegen waren schon vorher bei allen gleich. Ein rarer Eigenerklärungstext (Teil 2).
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Seit Ende 2014 haben die ersten nach BILD.de (Bundesliga-Fußball als Zugpferd, was sonst ;-) begonnen, Inhalte nicht mehr für alle zugänglich zu publizieren. Ihre Zahl wird steigen, denn das Phänomen hat Gründe. Die Einnahmen und die Ausgaben ohne einen früher am Zeitungskiosk üblichen Obolus des Lesers in Übereinstimmung zu halten, wird nicht gelingen. Das Märchen der „kostenfreien“ Programmierer ist insofern perdu, da auch diese (wie Journalisten) eine Weile lang Dinge veranstalten, um bekannt zu werden. Danach gründen sie eigene Firmen oder werden durchaus teure Angestellte. Die Druckerei wird durch den Programmierer ersetzt.

Für die „Kleinen“, wie die L-IZ.de, ist es kaum möglich, sich die jahrelangen Verluste von Konzernverlagen leisten zu können. Diese wissen, warum sie es tun: weil sie erst einmal nur darauf aus sind, den Netz-Markt zu besetzen. Wir haben übrigens 10 Jahre lang schwarze Zahlen geschrieben – fragt nicht ;-) Aber wir haben Journalisten bezahlt, die Technik am Laufen gehalten und noch andere Neugründungen unterstützt. Alles ohne Verluste, teils mit Gewinn. Das kann derzeit in Leipzig niemand sonst von sich behaupten, der private Medien betreibt. Wir haben eben viel gearbeitet und schnell gelebt. Der Rest der Branche hat zugeschossen, Konzernstrukturen können so etwas. Der Rest hat sich verkauft oder war es schon immer.

Gegenläufige Tendenzen

Das lokale Problem im Netz: Die überregionale Werbebranche spielt seit langem ein anderes Spiel, als zum Beispiel eine Seite „made in Leipzig“ oder „Stadt XYZ“ zu buchen. Und wenn sie es tun, dann wirken die Angebote eher wie Erpresserbriefe nach dem Motto: wir haben die Kunden und ihr bekommt die Krümel. Ja, wir haben auch schon Krümel abgelehnt, weil der Boden, auf den sie fielen, immer tiefer wurde. Aber es gab dafür gut dotierte Angebote kaum erkennbarer Textanzeigen ohne Bezeichnung als solche. Diese seien unter die normale Redaktion zu mischen. Kein Wunder, genießen sie (wir), die ernstzunehmenden Lokalangebote doch – quasi umgekehrt zum Verhalten der für den Leser anonymen Großagenturen im Werbemarkt – meist das Vertrauen der Leser.

Doch können wir aufgrund rascher Überprüfbarkeit nicht behaupten, es stünden überall in Leipzig lila Häuser, wenn doch jeder weiß, dass alle Häuser in Leipzig gelb sind. Oder? Mit anderen Worten: Der Markt der Diättipps ist leichter. Die Agenturnamen sind austauschbar.

Interessant dabei auch, dass die Praxis der verkappten Leserveralberung durch „Textanzeigen“, also ganze Artikel ohne Deklaration, längst so normal ist, dass man sie auch uns, die wir nichts damit zu tun haben, vorwarf. Das neue „Verdienstmodell“ sprach sich also herum, während wir darauf bedacht waren, Redaktionelles und Werbung nicht zu vermischen. Viele trennen das bis heute nicht, sie setzen auf die Dummheit der Leser. Vor zwei Jahren führten wir den „Melder“ ein und kappten radikal die Verbindungen zur normalen Zeitungsredaktion der L-IZ.

Oft zählt nur Reichweite und Preisdumping

Es ist sogenannten Branchenlaien (darf man „Konsument“ schreiben?) manchmal schwer verstehbar zu machen. Doch so paradox, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es gar nicht. Die gesamte Reichweite der Zeitungen und zeitungsähnlichen Angebote im Netz steigt und der Umsatz über Werbeeinnahmen sinkt. Während die Reichweiten also auch auf L-IZ.de rapide stiegen, verfielen gleichzeitig die Preise. Ein Gut, welches scheinbar kein Rares ist, wird billiger. So weit, so simpel und verstehbar. Hinzu kam ein lokaler „Monopolist“, welcher selbst die Preise dumpt. So tief hinunter, dass er längst selbst schon nicht mehr atmen kann. Wir können es immer noch. Er bleibt blöd und verbunkert sich immer mehr.

Nur die Sache mit dem Wert einer Zeitungsseite im Netz ist bis heute nicht richtig geklärt. Liegt er wirklich in der Reichweite, welche man eigentlich am schnellsten mit Sex, Kriminalität und Krawall erreicht?

Alle Medien konkurrieren derzeit auf einem Online-Markt, bis auf ein paar Ausnahmen weniger auch von uns geschätzter Beispiele, nicht um den besten Journalismus, sondern nur um Reichweite. (Hier müsste jetzt eigentlich ein Katzenbild hin, irgendwas Nacktes oder so etwas wie „der oder die hat das oder jenes gemacht – Skandal!“). Hinzu kommt, dass gerade große Medien gern auf der L-IZ recherchieren, aber jeder Journalist in den „großen“ Häusern natürlich eine „eigene“ Geschichte präsentieren möchte. Gern wird übernommen und kopiert, ungern wird zitiert.

Eine weitere Spielart

Seit nun bereits etwa einem Jahr ist zum Beispiel der „Spiegel“ im Onlinebereich dazu übergegangen, recherchierte Geschichten wie der Süddeutschen oder der Zeit letztlich zu stehlen. Es wird angegeben, woher die Informationen sind, doch dann wird die gesamte Recherche einfach nacherzählt. Auch so versuchen die sogenannten „Großen“, das zu simulieren, was sie nicht leisten können: Eigene Inhalte aufgrund eigener Recherchen im Netz zu publizieren.

Noch leichter ist es, eine Seite wie „Heftig.co“ zu eröffnen und, um bei den possierlichen Tierchen zu bleiben und solchen Schwachsinn wie „24 Ideen, die das Leben jedes Katzenliebhabers einfacher machen werden“ zum „Weitererzählen“ zu empfehlen. Weil sie eben „wichtig sind“. Solchen Modellen wohnt inne, dass man darauf setzt, dass jeden Morgen genug Menschen aufstehen und irgendwie sinnlos im Netz herumdaddeln. (Darf man schreiben, dass genau das unzählige Menschen täglich tun?)

Teil 3 zu Facebook, so ein bisschen Datenschutz und die Frage, welche Medienmodelle eigentlich fair sind.

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Corona-Hotspot Sachsen: Hasenfüßige Landräte und ein Brief an den OBM
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Foto: Ralf Julke

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