Leipziger Zeitung Nr. 43

Leipziger Zeitung Nr. 43: Leipzig zwischen Wissen und Glauben

Für alle LeserLeser von LZ und L-IZ haben es ja längst mitgekriegt: Das, was „die Leute so erzählen über Leipzig“, liegt meistens ein bisschen daneben. Die Dinge sind komplizierter, manchmal aber auch beängstigender. So wie in der "inneren Jahnallee", wo es regelmäßig zu Unfällen kommt, weil der Raum dieser 2006 neu gebauten und seither zunehmend prosperierenden Straße einfach nicht ausreicht.

Und weil da 2006 von städtischen Ämtern verkündet wurde, der Raum sei genug, man könne sogar noch parkende Autos an einer der meistbefahrenen Tangenten zwischen City und Lindenau unterbringen, hat die LZ mal nachgefragt und ist auf eine stillschweigende Leipziger Verkehrspolitik gestoßen. Die immer wieder gegen besseres Wissen agiert und dabei vor allem das Leben der schwächeren Verkehrsteilnehmer aufs Spiel setzt. In diesem Fall mal das einer jungen Radfahrerin, aber auch Autoschäden, „Türungen“, Gefahrenstellen und der eingeplante Verstoß gegen die StVO sind nicht nur hier an der Tagesordnung in Leipzig.

Weshalb sich Michael Freitag mal „ans Meer“ gesetzt hat und den rauschenden Verkehr genauer unter die Lupe nimmt.

Noch so ein Thema, wo immer wieder Glaube und Wissen aufeinanderprallen: die Leipziger Kita-Politik. In einer Meldung, die am Wochenende durch die Republik eilte, wurde sie gleich mal wieder zum „Kita-Chaos“ hochstilisiert. Grund genug, dass mal eine „Nachdenken“-Kolumne in die LZ rutschte. Denn Leser von SPON, BILD, LVZ und Co. glauben nun ganz fest, dass in Leipzig wartende Eltern von der Polizei förmlich von der Straße geprügelt wurden. Tiefer interessierte es die Medien nicht, was sie da voneinander abschrieben.

Irgendwie wird es höchste Zeit, dass wir wieder gemeinsam anfangen zu üben: nachzudenken über unsere immer komplizierter werdende Welt. Und uns mit einfachen Erklärungen nicht mehr zufrieden geben.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr 43. Ab 19. Mai zu kaufen. Foto: Screen Titelblatt (zum Vergrößern anklicken)

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr 43. Ab 19. Mai zu kaufen. Foto: Screen Titelblatt (zum Vergrößern anklicken)

Übungsfeld: Die sozialistische Baukunst der Jahre 1945 bis 1976, in Leipzigs Innenstadt noch in einigen prächtigen Beispielen zu sehen – geliebt und befeindet. Wer die alten Pläne und Visionen kennenlernen will, die Leipzig für immer verändert hätten, wenn das Geld in der ehemaligen DDR nicht alle gewesen wäre, der kann mit „Der ‚Plan!‘“ eintauchen in die neue Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum. Bilder satt gibt es also, die zeigen, was da so getrieben wurde in dieser Beton-Zeit.

Luther ist ja auch noch irgendwie im Mai 2017. Selbst die Politik besäuft sich an Luthers Worten. Werner Marx gräbt sich zu den Ursprüngen durch und einer Landtagsabgeordneten ist letztens der Kragen geplatzt. Da stand sie nun im Landtag und konnte nicht anders, als der versammelten CDU-Fraktion Luther-Klitterung vorzuwerfen.

Gegenrede gibt’s da nicht nur von uns. Und auch nicht nur für eine harmoniesüchtige Politik. Denn da war doch noch was? Der sehr seltsame Umgang des Verfassungsschutzes mit den Extremen in Sachsen. Pantoffelkino für Schlapphüte, die ganz intensiv hinter Leipziger Kids herschnüffeln und bei rechten Netzwerken irgendwie immer zu spät in die Schuhe kommen. Ohne es zu merken, zeigen es die Geheimdienstler auch noch selbst auf – in ihrem eigenen Bericht zum Jahr 2016. Offenbar wollen sie doch lieber glauben, als es allzu genau zu wissen.

Was sie nicht auf dem Zettel hatten, endet dann gern mal – nach einigem Schaden für andere Menschen – vor Gericht.

Eine weitere kriminelle Vereinigung ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Geschichte startet erst einmal sachte. Weiß ja noch keiner, wer diesmal von den üblichen Spezis alles mit drinhängt und ob sich über die Ermittlungen rings um den 11. Januar 2016 in der Connewitzer Heinze-Straße Drähte zwischen den „Kameraden“ in Dresden und Leipzig beweisen lassen. Die Indizien jedenfalls reichen weit, doch Glauben allein genügt nicht nur der Polizei nicht …

Und auch das Vaxxed-Film-Gastspiel der Impfgegner im Leipziger Passage-Kino war der LZ einen Beitrag wert. Am besten man fragt dazu mal einen Wissenschaftler wie den Virologen Uwe Gerd Liebert über Impfungen und gefährliche Behauptungen. Wieder so ein Thema im Abgrund zwischen Wissen und Glauben.

Da fällt es schon auf, wenn der Journalistik-Lehrgang an der Uni Leipzig mal ganz offiziell Pause macht. Steckt ja in der Krise, dieser komische Journalismus. Was wirklich dahintersteckt, untersucht René Loch, während Lucas Böhme erkundet, welche Blüten der menschliche Wahnsinn vor Gericht treibt.

Und der gerade erst neu in seiner Berufung bestätigte Opernintendant Ulf Schirmer erzählt, wie es unter seiner Ägide jetzt weitergeht im Leipziger Opernhaus.

Die Geschichte von Luan wird weitergeschrieben. Und wer mag, kann mit Marko Hofmann und Michael Freitag wieder abtauchen in die Goldenen Zwanziger, die auch in Leipzig – frei nach Mark Twain – meist nur vergoldet oder verzinnt waren. Oder wäre Ihnen eine Hoppertour zu nordischen Fußballäckern lieber?

Lesestoff genug für alle, die mehr wissen wollen über ihre Stadt und den Hunger nicht verloren haben auf „mehr davon“.

Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt ab Freitag, 19. Mai, an allen bekannten Verkaufsstellen, Presseläden, Einkaufsmärkten und am Hauptbahnhof aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Also, support your local dealer. Da es vermehrt zu Ausverkäufen kam, ist natürlich auch ein LZ-Abonnement zu 29,50 Euro im Jahr oder ein LZ-L-IZ-Kombiabo zu 119 Euro jährlich möglich, um garantiert nichts mehr zu verpassen.

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Femelloch in der Nonne. Foto: Ralf Julke

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