Der Herbst ’89 war kein Wunder: Der Blick des Politikers Helmut Kohl auf den 9. Oktober – und was dem vorausging

In dieser Woche erscheint im Heyne-Verlag ein echter Paukenschlag: "Die Kohl-Protokolle" von Heribert Schwan und Tilman Jens. Die Tonbänder, die diesen Protokollen zu Grunde liegen, haben in den letzten Jahren immer wieder für Furore gesorgt, das Projekt, für das Heribert Schwan 2001 und 2002 rund 600 Stunden Gespräch mit Helmut Kohl aufgenommen hat, drohte völlig in einem Streit um die Rechte unterzugehen. Dabei wird Helmut Kohl hier sichtbar als ein Politiker-Typus, der in Deutschland selten geworden ist. Und er sagt auch Bedenkenswertes über das, was wir so landläufig Friedliche Revolution nennen.
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Noch ist unklar, was aus den Gesprächsbändern wird, die Schwan 2001 / 2002 aufgenommen hat. In gewisser Weise hat Schwan aus dem Material, das er für die große Kohl-Biografie (von der bisher 3 Bände erschienen sind) aufgenommen hat, in eigener Regie diesen Band „Kohl-Protokolle“ erstellt – die auch einmal den anderen, den höchst-emotionalen Kohl zeigen.

Denn darüber, dass die Ereignisse im Herbst 1989 friedlich blieben, grübeln ja seitdem schon ganze Jahrgänge von Forschern und Historikern. Im Jahr 25 danach mehren sich Interpretationen, die die Vorgänge gar als Wunder bezeichnen. Die Tatsache, dass einige Kirchen und einige exponierte Pfarrer in diesen Ereignissen eine wesentliche Rolle spielten, rückt für Manchen diesen historisch natürlich einmaligen Vorgang in eine Region, in der das Staunen nicht aufhören mag.

Aber weder konkrete Geschichte ist das Ereignis göttlicher Eingriffe, noch sind es die tatsächlichen Vorgänge, die dazu führen, dass manche Ereignisse schlichtweg zwangsläufig so erfolgen. Aber das sehen die so wundersam Überraschten meist nicht. Und wenn Ereignisse dann so eintreten wie erhofft, dann schreiben sie es augenscheinlich lieber einer höheren Macht zu als den Mächten auf Erden. Oder ihrer Ohnmacht.

Dass etliche Ostdeutsche die rasanten Veränderungen im Herbst 1989 so erlebten, hat auch mit der miserablen Informationspolitik der Staats- und Parteiführung in der DDR zu tun. 40 Jahre lang hatte man das Volk mit Parolen eingelullt und die wichtigsten Existenzgrundlagen der DDR möglichst verschleiert. Nach dem 17. Juni 1953 erst recht, dem Tag, an dem sich die Ulbricht-Regierung bis auf die Knochen blamierte, weil Hunderttausende Arbeiter auf die Straße gingen und seine Regierung wegdemonstriert hätten, wenn nicht die sowjetische Armee ausgerückt wäre und mit Panzern und scharfen Schüssen gezeigt hätte, wer der eigentliche Herr war im Land.

Und das blieb so. Bis 1988. Nach eigenen Aussagen von Michail Gorbatschow sogar nur bis 1985. Da habe er die Staats- und Parteichefs der „Bruderländer“ zusammengerufen und ihnen das Ende der „Breshnew-Doktrin“ verkündet. Wenn das so war, dann wussten auch Erich Honecker und seine Genossen seitdem, dass ihre Stunden gezählt waren. Denn mit der Aufhebung der „Breshnew-Doktrin“ setzte Gorbatschow die verbündeten Staaten in ihre volle Souveränität ein. Und in ihre volle Eigenverantwortung. Sowjetische Truppen würden nicht mehr eingreifen, wenn irgendwo das Volk auf die Straße ging wie 1968 in Prag.

Und selbst wenn das die grauen Eminenzen 1985 (noch) nicht begriffen haben sollten: 1988 verlautbarte es die Gorbatschow-Regierung offiziell. Und zumindest zwei Regierungen haben diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstanden – die polnische, die gleich für Juni 1989 die ersten (fast) freien Wahlen ansetzte, und die ungarische, die im selben Sommer daran ging, die Drahtverhaue nach Österreich durchzuschneiden. Beides Vorgänge, die in der parteiamtlichen Presse der DDR nur als Gefahr, als ein Abfall vom allein selig machenden Weg interpretiert wurden. Genauso wie Glasnost. Da verbot man lieber sowjetische Filmproduktionen, untersagte den Vertrieb des „Sputnik“ und lobte die chinesischen Genossen für ihr rabiates Eingreifen auf dem Platz des himmlischen Friedens.

So ähnlich wurde der 9. Oktober 1989 dann auch vorbereitet. Aber wusste im engen Führungszirkel wirklich keiner, dass alle Messen längst gesungen waren? Dass Gorbatschow das ernst gemeint hatte mit dem Ende der „Breshnew-Doktrin“? – Am 13. Juni 1989, bei seinem Bonn-Besuch, hatte er es noch einmal offiziell zur Sprache gebracht. In der „Gemeinsamen Erklärung“ im Anschluss an den Besuch bei Helmut Kohl heißt es noch einmal ausdrücklich, dass jeder das Recht hat, das eigene politische und soziale System zu wählen und dass Staaten ihr Verhältnis zueinander auf der Grundlage des Völkerrechts souverän gestalten können.
Helmut Kohl verstand sehr wohl, was das bedeutete. Und so sieht er das in der Rückschau wieder. Das liest sich wesentlich anders als die nun gepredigten Wunder der Friedlichen Revolution.

„Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert“, zitiert ihn der „Spiegel“ jetzt in der Vorabbesprechung zu „Die Kohl-Protokolle“, in denen Kohl als machtbewusster Politiker sichtbar wird, mit seinen Aversion, seinen Urteilen, aber auch seiner in der Rückschau sehr klaren Sicht auf die Ereignisse, die auch in Leipzig so gern verklärt werden. Für das Wunder-Märchen macht er mehr oder weniger den ostdeutschen SPD-Politiker Wolfgang Thierse verantwortlich.

Aber die Verklärung erklärt ja nichts. Und schon gar nicht die faktischen Vorgänge, die dazu führten, dass alle Satelliten-Staaten der Sowjetunion ab 1989 den Weg in die Freiheit gingen und gehen mussten. Und in einigen davon fand nicht mal eine Revolution statt.

Sie alle wurden einfach in die Freiheit entlassen. Die jeweiligen Staatsführungen gingen damit allesamt sehr unterschiedlich um. Sehr souverän die Ungarn. Die chinesische Lösung suchte dann tatsächlich der rumänische Diktator Ceaucescu. Die Ostberliner Führungsriege hätte wohl am liebsten den Weg des Wegduckens und Verschweigens gewählt. In ihrer Parteipresse wählte sie ihn auch und behielt den alten Klassenfeind-Jargon auch bis zum Herbst 1989 bei, verweigerte dabei auch das, was selbst die polnische Parteiführung mittlerweile zugestand: die Kommunikation mit dem eigenen Volk.

Auch das ein Teil jenes „Wunder“-Bildes, das in Ostdeutschland heute so gern gemalt wird: der Glaube daran, man sei nicht nur wirtschaftlich besser als die armen Brüder im Osten gewesen, sondern – durchs Westfernsehen – auch noch besser informiert.

Das Gegenteil ist der Fall: Das Westfernsehen konnte die eigene, tatsachengerechte Berichterstattung in der DDR nicht ersetzen. Das Meiste war dort gar nicht zu sehen. Schon gar nicht der reale Zustand der DDR-Wirtschaft. Da fielen selbst Detlev Rohwedder fast die Augen aus dem Kopf, als er 1990 die Treuhandanstalt übernahm und erstmals einen realen Einblick bekam in den Zustand der meisten DDR-Betriebe. Nicht nur die Sowjetunion war nach Jahrzehnten des Hochrüstens am Ende (und konnte nicht mal mehr ihre Lieferverträge in die DDR erfüllen), auch die DDR-Wirtschaft war in ihrer Summe nicht mehr wettbewerbsfähig.

Kohl in seiner saftigen Pfälzer Art bringt es so auf den Punkt: „Gorbatschow ging über die Bücher und musste erkennen, dass er am Arsch des Propheten war und das Regime nicht halten konnte.“ Das vergessen ja einige wundersame Zeitgenossen gern, dass auch Diktaturen wirtschaftlich funktionieren müssen und riesige Militärapparate eine Menge Geld verschlingen – das in der SU direkt der Versorgung der Bevölkerung entzogen wurde. Und ganz ähnlich war es in der DDR. Deswegen traf die Friedensbewegung in der DDR und insbesondere um den Leipziger Pfarrer Christoph Wonneberger den Nerv dieses Landes und seiner Ideale: Dessen Losung, mit dem er den Staatsapparat ärgerte, lautete schlicht und logisch: „Frieden schaffen OHNE Waffen.“

Wirtschaftlich war auch die DDR abgewirtschaftet. Für einen kurzen Zeitraum hatte zumindest die Staatsspitze die Chance, Reformen aus eigener Kraft anzuschieben. Das war 1987/1988. Doch stattdessen sagte Kurt Hager, der Chefideologe der SED, 1987 im „Stern“ den Satz, der wahrscheinlich das letzte Vertrauen zwischen Partei und Bevölkerung zerstörte: „Würden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?“

Da tapezierte nicht nur Gorbatschow, sondern auch in Polen wurde schon tapeziert.

Der Satz belegt übrigens, dass zumindest einige Mitglieder der SED-Führungsriege begriffen hatten, was Gorbatschow gesagt hatte. Sie wollten es trotzdem nicht wahr haben und glaubten wohl tatsächlich, das aussitzen zu können, vielleicht sogar das Land ringsum dicht machen zu können.

Am 7. Oktober 1989 luden sie auch Gorbatschow ein zum „Republikgeburtstag“. In alter Verbundenheit. Und der sagte an diesem Tag nicht nur den Satz, der seitdem durch die Welt geht (zumindest so ungefähr): „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Ein Satz, der sich ganz anders liest, wenn man weiß, dass er seinen schwerhörigen Genossen Brüdern deutlich erklärt hatte, dass die „Breshnew-Doktrin“ nicht mehr gilt.

Aber er sagte auch ein paar Worte, die die SED-Granden hätten aufhorchen lassen müssen. Martin Jankowski zitiert sie in seinem Buch „Der Tag, der Deutschland veränderte“: „Zur Einheit – wie der Große prophezeite – wird man mit Eisen und Blut getrieben … Doch wir versuchen es mit Liebe. – Wer recht hat, wird die Zeit entscheiden.“

Am Ende entschied es der 9. Oktober, als zwar das Großaufgebot der bewaffneten Einsatzkräfte rund um Leipzig in Alarmbereitschaft versetzt war, aber nicht zum Einsatz kam. In Leipzig nicht, weil der zuständige Einsatzleiter die Sinnlosigkeit einsah, mit seinen Polizisten gegen die 100.000 friedlich Demonstrierenden vorzugehen. Und auch auf Weisung Berlins nicht. Denn eine solche Weisung kam an diesem Abend nicht mehr. Denn eines war auch vorher schon klar gewesen: Die sowjetischen Panzer würden diesmal – anders als 1953 – in den Depots bleiben. Die SED würde die Sache allein durchstehen müssen. Und während Honecker an diesem Abend tatsächlich noch davon redete, man müsse einfach Panzer durch die Menge fahren lassen, handelte der eigentlich verantwortliche Mann an diesem Abend gar nicht: Egon Krenz.

Womit dann tatsächlich alles entschieden war. Die Chance, die DDR in Eigenregie zu reformieren, war schon 1987/1988 verspielt worden. Und da seit dem Sommer das Thema Reisefreiheit groß auf der Tagesordnung stand, war auch die Öffnung der Grenzen nur noch eine Frage der Zeit. Und damit stand die deutsche Einheit zwangsläufig auf der Tagesordnung. Helmut Kohl hat das wohl so klar erkannt wie kein zweiter. Und dann einfach konsequent danach gehandelt. Die Einzigen, die es hätten verhindern können, waren die vier Besatzungsmächte.

Der Riese, gegen den die DDR-Bürger auf die Straße gingen, war im Herbst 1989 nicht mehr handlungs- und auch nicht kommunikationsfähig. Die alten Machthaber hatten nur noch die Wahl zwischen einem friedlichen oder einem blutigen Abdanken. Das war die Entscheidung, die am Abend des 9. Oktober getroffen wurde.

Und auch wenn Helmut Kohl in Gorbatschow einen Gescheiterten sieht, hält er ihm dennoch zugute, dass er den Kommunismus ohne Blutvergießen abgeschafft hat, „zum Teil wider Willen, aber de facto hat er ihn abgelöst. Ohne Gewalt. Ohne Blutvergießen.“

Die Demonstranten in der DDR, die da „Gorbi! Gorbi!“ riefen, wussten schon, wem sie das Mögliche zu verdanken hatten. Sie wussten nur noch nicht, dass längst alles in ihrer Hand lag. Das mussten sie erst lernen in diesem Herbst ’89.


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