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Historisches Industriebau-Ensemble Ludwig-Erhard-Straße 21: Wo Goethe gerne Kuchen aß, entstanden später Druckmaschinen

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    In der Grenzstraße, die 2001 zur heutigen, beidseitig doppelspurigen Ludwig-Erhard-Straße wurde, war in der Hausnummer 21 die Niederlassung Leipzig der fränkischen Druckmaschinenfabrik Koenig & Bauer zu Hause. Dieses Unternehmen, dessen drei einstige Industrie-Gebäude sich dort hintereinander über das Hofgelände in Richtung Lange Straße reihen, hatte und hat bis heute Bedeutung.

    Seine Begründer Friedrich Koenig (1774–1833) aus Eisleben und Friedrich Andreas Bauer (1783–1860) aus Stuttgart waren die ersten Druckmaschinen-Fabrikanten der Welt. Auch wenn dort in Leipzig keine Druckmaschinen mehr gebaut werden, sind die beiden Herren bis heute am Eingangsportal zu sehen.

    Die Koenig & Bauer AG ist aktuell (Stand: 2021) ein weltweit bedeutender Hersteller von Druckmaschinen mit Stammsitz in Würzburg. Gegründet 1817, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der älteste Druckmaschinenhersteller der Welt sowie Weltmarktführer beim Druck im Bogenoffset-Großformat, bei Verpackungs-, Zeitungs- und Blechdruck. Mit rund 90 Prozent Marktanteil ist Koenig & Bauer zudem Weltmarktführer im Banknotendruck (Koenig & Bauer Banknote Solutions). Mit der Rapida 205 baut das Unternehmen die weltgrößte Bogenoffset-Druckmaschine.

    Am 9. August 1817 unterzeichneten der Bauernsohn und gelernte Drucker Johann Friedrich Gottlob Koenig und der Techniker Andreas Friedrich Bauer in London einen Gesellschaftsvertrag – sie legten damit den Grundstein für die älteste Druckmaschinenfabrik der Welt. Im Kloster Oberzell bei Würzburg wurde die erste Schnellpressenfabrik eingerichtet.

    Seit 1898 werden in Radebeul bei Dresden, damals unter den Namen Dresdner Schnellpressen-Fabrik und Radebeuler Maschinenfabrik August Koebig, Druckmaschinen gebaut. Seit 1994 gehört das Nachfolge-Unternehmen Planeta zum Unternehmen Koenig & Bauer. Das Werk in Radebeul ist für die Bogenoffsetmaschinen verantwortlich, ein Großteil des Umsatzes wird mit der Rapida-Maschinenbaureihe erzielt (2010: 1.375 Mitarbeiter).

    Das Leben der beiden Gründer

    Johann Friedrich Gottlob Koenig (* 17. April 1774 in Eisleben; † 17. Januar 1833 in Oberzell) war ein deutscher Buchdrucker und Unternehmer, der als Erfinder der Schnellpresse gilt. Er war Mitbegründer von Koenig & Bauer, des ältesten Druckmaschinenherstellers der Welt.

    Andreas Friedrich Bauer (* 18. August 1783 in Stuttgart; † 27. Dezember 1860 in Würzburg) war ein Techniker und Unternehmer. In Stuttgart machte er eine Lehre zum Optiker und Mechaniker, bevor er in Tübingen ein Studium der Mathematik aufnahm.

    1800 wanderte Bauer nach Großbritannien aus. Dort lernte er 1807 Friedrich Koenig kennen, sie entwickelten gemeinsam beispielsweise die Schnellpresse zum Druck der Londoner „Times“.

    1818 zogen Koenig und Bauer nach Deutschland zurück und gründeten in Oberzell bei Würzburg die Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer. Das Unternehmen expandierte schnell.
    Als Koenig 1833 starb, leitete Bauer mit Koenigs Witwe die Fabrik.

    Das Gebäude in der Grenzstraße

    Die einstige Niederlassung Leipzig des Unternehmens Koenig & Bauer entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wohl in der Zeit um 1905. Die drei Fabrikgebäude wurden architektonisch im Jugendstil und Reformstil gestaltet. Bauherr war Koenig & Bauer in Oberzell, der Baumeister ist nicht bekannt.

    Derzeit nicht bekannt ist, von wann bis wann Koenig & Bauer dort in Leipzig produziert haben. Da das Unternehmensgelände in Leipzig mit seinen drei Gebäuden von Kriegsauswirkungen verschont geblieben ist, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit von etwa 1945 bis etwa 1990 weiter für industrielle Produktion genutzt worden sein. Über die genaue Nutzung zur DDR-Zeit ist bislang nichts bekannt.

    Die drei Industrie-Gebäude wurden in den 1990er Jahren denkmalgerecht saniert und für Wohn-, Büro- und Kleingewerbe-Zwecke umgebaut.

    Zur Architektur der Gebäude

    Auf dem heutigen Grundstück Ludwig-Erhard-Straße 21 (bis 2001: Grenzstraße 21) stehen drei unterkellerte, rechteckige, parallel hintereinander angeordnete Industrie-Gebäude aus der Zeit um 1905. Die Baukörper sind original jeweils dreigeschossig gewesen mit später aufgesetztem Dachgeschoss. Die Fassade ist eine gelbe Klinkerfassade, die mit grünen Klinkern abgesetzt ist. Es gibt ein kräftiges Dachgesims sowie eine korbbogenartige Durchfahrt mit ebenso kräftiger Rahmung. Die Dachform der drei Bauwerke ist ein Walmdach.

    Die Filiale Koenig & Bauer in Leipzig stand in einer bis 1945 geschlossenen Blockrandbebauung am östlichen Rand des Graphischen Viertels zwischen Friedrich-List-Platz und Gutenbergplatz. Möglicherweise gab es ein viertes Hinter-Gebäude direkt am Grundstücks-Ende hin zur angrenzenden Langen Straße, das – wie die einst angrenzenden Häuser – bei den Bombenangriffen auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde (und auf dessen Fundament das heutige Gebäude Lange Straße errichtet wurde).

    Das Portal mit den Köpfen der Gründer

    Es handelt sich um eine korbbogenartige Durchfahrt mit kräftiger Rahmung. Das hervortretende Korbbogen-Portal aus Sandstein ist geschmückt mit floralem Schmuck.

    Das Portal mit den Köpfen der Gründer. Foto: Holger Zürch
    Das Portal mit den Köpfen der Gründer. Foto: Holger Zürch

    Links und rechts oben sind die Bildnis-Medaillons der Unternehmensgründer Friedrich Koenig und Andreas Bauer zu sehen.

    Möglicherweise gab es eine mittig eingefügte Inschrift – wohl mit dem Firmennamen. Die leere Stelle oben im Portal lässt das vermuten, Reste sind nicht erkennbar.

    Wahrscheinlich waren Zugang und Zufahrt zum damals dreiseitig komplett umbauten Firmengelände – also zum Hauptgebäude und zu den beiden Hofgebäuden – nur durch das Portal von der damaligen Grenzstraße möglich (zumindest bis zur Zerstörung der Nachbarhäuser bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg).

    Dieses Portal haben werktags im Laufe der Jahrzehnte vermutlich viele hunderte Arbeiter, Angestellte, Lehrlinge und Kunden durchschritten – stets unter den prüfenden Blicken der Unternehmensgründer.

    Das Portal Grenzstraße 21 steht in der amtlichen Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen.

    Zum Straßennamen

    Die Ludwig-Erhard-Straße verläuft im Stadtgebiet Leipzig durch die Ortsteile Zentrum-Ost, Neustadt und Neuschönefeld in den Stadtbezirken Mitte und Ost. Zuvor hieß sie Grenzstraße, weil sie damals die Flurgrenze zwischen der Stadt Leipzig und dem Dorf Reudnitz war.

    Benannt ist sie seit 1. April 2001 nach Ludwig Erhard (04.02.1897–05.05.1977), ab 1949 Mitglied des Bundestages, 1949–1963 Bundeswirtschaftsminister, „Vater des deutschen Wirtschaftswunders“ und Mitgestalter der Sozialen Marktwirtschaft, Oktober 1963–November 1966 Bundeskanzler. Die Benennung erfolgte gemäß Ratsbeschluss Nr. 1597/99 der Stadt Leipzig.

    In der einstigen Grenzstraße Nr. 21 – der heutigen Ludwig-Erhard-Straße Nr. 21 (bzw. auf diesem Grundstück) – befand sich das 1763 erbaute Ausflugslokal Großer Kuchengarten.

    Im Zusammenhang damit steht die Kuchengartenstraße: Sie ist benannt nach der Händelschen Kuchenbäckerei in Reudnitz, aus der das Ausflugslokal Kuchengarten hervorging. Samuel Händel hatte das Wohn- und Gasthaus 1763 erbauen lassen. Nach Errichtung seiner zweiten Restauration namens Kleiner Kuchengarten in der Breiten Straße erhielt das Händelsche Unternehmen bis zu seiner Auflösung 1862 den Namen Großer Kuchengarten.

    In der historischen „Leipziger Studentengeographie“, das die beliebtesten „Kneipstätten“ der Studenten verzeichnete, wird der Große Kuchengarten so beschrieben: „Eine immerflüßende Quelle und Erquikung grundtriebiger Kuchenmusen. Die Caravanen dahin sind bekant.“

    Laut Überlieferung war dort auch der Jura-Student Johann Wolfgang von Goethe oft zu Gast.

    25. September, als freundliche Ergänzung von Sabine Knopf: „Eine Kleinigkeit könnte ich noch ergänzen, der Architekt hieß August Stehmann. Das Anwesen wurde nach 1945 zur Reparatur von Druckmaschinen genutzt, zunächst noch unter dem Namen Koenig & Bauer.“

     

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      1 KOMMENTAR

      1. Wir haben zu DDR-Zeiten da Kraxen gebogen.
        Schade um die Grenzstraße. Ludwig Erhard hat weder mit der Zeit noch dem Ort irgendetwas zu tun.

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