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Fünf tschechische KünstlerInnen zeigen in Lindenau ihre Videoarbeiten zur verstörenden Gegenwart

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    Nachts Kunst gucken, wo gibt es denn sowas? In Lindenau. Ab heute. In der Demmeringstraße 21. Um 20 Uhr geht es los. Und wer sich warm anzieht, kann die ganze Nacht – bis zum Morgengrauen – Videoinstallationen betrachten. Die Schaufenster sind groß genug. Da passt viel rein.

    „Hra/ničení“ heißt die siebente Window Display Show der Galerie 21. Hraničení ist ein wenig gebräuchliches tschechisches Wort, das das Verhältnis zweier benachbarter Dinge oder Wesen beschreibt, ähnlich dem Teilen einer Grenze mit Etwas oder Jemanden. Es kann mit „Umrandung“ nur grob übersetzt werden. Wenn das Wort getrennt wird (Hra/ničení), ergeben sich durch diese kleine Änderung die beiden Worte „Spiel“ und „Zerstörung“.

    „Wir leben in einer Zeit in der viele Grenzen und Grenzlinien übertreten und durchkreuzt werden – im positiven wie im negativen Sinn. Das Spiel ist ein Weg, die eingefahrenen Regeln zu verändern und eine Möglichkeit, diese Grenzen zu überwinden“, umschreibt Ariane Graf das, was die Galerie in der Demmeringstraße jetzt zwei Wochen lang zeigen will.

    Die Ausstellung Hra/ ničení präsentiert fünf junge tschechische Künstler_innen, die in ihren künstlerischen Ansätzen Videos als ein heute sehr verbreitetes Kommunikationsmittel nutzen. Aus unterschiedlicher Perspektive stellen sie ähnliche Fragen über persönliche Freiheiten und formulieren die These, dass die Welt permanent durch digitale Medien, Datensammlungen und permanent genutztes Internet manipuliert wird. Die künstlerischen Arbeiten benutzen dabei das „Bild“ sowohl als direkten Verweis als auch als Metapher.

    Die Window Display Show wendet sich somit direkt an die Passanten: Seit 2011 präsentiert der D21 in den Wintermonaten Werke internationaler Künstler_innen in den Schaufenstern des Raums. In mehreren Nächten in der Woche strahlen die Arbeiten ausschließlich aus den Rundbögen der Fenster in den Straßenraum. Eine klassische Eröffnung gibt es daher nicht.

    Die Künstler:

    Vojtech Rada (geb. 1991) zeigt die Videoinstallation „Nebula Core“ (2015) – eine Sammlung von Stillleben, Video-Performances und Simulationen zur virtuellen Realität. Er beschäftigt sich mit der Darstellung von Ferne, von unerreichbaren Orten und Ereignissen; mit unerfüllten persönlichen Wünschen und unsichtbaren Räumen, die unter privater oder staatlicher Kontrolle sind. Rada spiegelt unsere Unfähigkeit, die Realität von der Simulation zu unterscheiden. Unsere Irritation, evoziert durch seine Videos, zeigt, dass wir nicht mehr unterscheiden können zwischen dem, was wahr ist und dem, was wahr erscheint.

    Filmstill: Vojtěch Rada, „Nebula Core“ (2016). Copyright: D21
    Filmstill: Vojtěch Rada, „Nebula Core“ (2016). Copyright: D21

    Petra Lellakova (geb. 1985) und Vladimira Vecerova (geb. 1988) arbeiten von Zeit zu Zeit als Künstlerduo zusammen. In der Window Display Show zeigen sie ihre Arbeiten „You can“ (2012-2013) und „You cannot“ (2015). Es ist eine Metapher für persönliche Beziehungen – körperliche und räumliche – zwischen zwei Menschen. Sie behandeln sich selbst als gebrauchte und unbrauchbare Dinge. Im zweiten Video versuchen sie, Teil ihrer Umwelt zu werden. Sie benutzen eine absurde Mimik und Kleidung, die ihre Identität verdeckt und verwischen somit die Grenze zwischen ihren Körpern und ihrer Umgebung.

    David Prilucik (geb. 1991) überprüft in seinem Video „Present, Perfect, Continuous“ (2014-2015) die Auswirkungen unserer Umwelt auf unser Verhalten. Er filmt zwei Personen, die in einen Möbelladen gehen. Sie laufen durch den Laden in vorgetäuschter Zeitlupe, die genauso künstlich ist wie der Raum, in dem sie sich bewegen. Prilucik vergegenständlicht eine virtuelle Umgebung, in der wir uns täglich bewegen, ohne ihr besondere Beachtung zu schenken. Er zeigt uns diese Bewegungen als Gleichnis unserer sozialen Aktivitäten, die so weit entfernt sind von unserem natürlichen Verhalten, dass wir feststellen: Unsere aktuellen Probleme können wir nur lösen, wenn wir grundlegende Überzeugungen und Einstellungen unserer Gesellschaft verändern.

    Lucie Rosenfeldova (geb. 1988) behandelt in „Parallel Hopes“ (2015) die Themen der Identität, der Individualität und der Grenze zwischen uns selbst und anderen Menschen im Internetzeitalter. Sie skizziert eine formelhafte Umgebung und zeigt, dass es für jeden von uns möglich ist, ein „mind management“ (ein psychologisches Training der Selbstverbesserung) zu erfahren. Ihr Video ist ein filmisch hervorragend gemachter Protest gegen die moderne, kapitalistische Kolonisation des Einzelnen und seines Geistes.

    „Hra/ničení“, Window Display Show #7 vom 26. Januar bis 12. Februar 2017, freitags bis montags, ab 20 Uhr bis Morgengrauen in den Schaufenstern des D21.

    In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

     

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