Erinnerung an einen beinah Vergessenen

Leipzigs Bildermuseum würdigt Klaus Hähner-Springmühl mit einer großen Werkschau

Für alle LeserEs ist in der bildenden Kunst eigentlich ganz ähnlich wie bei den Schriftstellern, die einst konträr zur Kulturpolitik der DDR arbeiteten: Man kennt nur einige wenige herausragende Protagonisten, aber die große Breite der Akteure ist einem kaum präsent. Ein wenig ändert das das Leipziger Bildermuseum jetzt: Ab Donnerstag, 6. September, zeigt es Arbeiten des früh verstorbenen Klaus Hähner-Springmühl.

Klaus Hähner-Springmühl (1950-2006) war einer der einflussreichsten Künstler in der oppositionellen Kunstszene der DDR. Der gebürtige Zwickauer, später tätig in Cottbus, Chemnitz (Karl-Marx-Stadt), Dresden und Leipzig, beschäftigte sich seit 1970 autodidaktisch mit bildender Kunst. 1979 wurde er schließlich Mitglied im Verband der bildenden Künstler (VBK) der DDR.

War sein Lebensmittelpunkt vorher Chemnitz (Karl-Marx-Stadt), so war er ab den 1980er Jahren zunehmend in Leipzig präsent. Aufmerksamkeit erreichte seine Einzelausstellung „Baugrube II“ 1988 in der damaligen Projektgalerie EIGEN + ART von Gerd Harry Lybke.

Aber mit den neuen Verhältnissen nach der „Wende“ kam der Künstler, der von Selbstvermarktung nichts hielt, nicht so gut zurecht. Wikipedia schreibt über diese Zeit: „Die Zeit nach 1990 war für ihn ein Weg ins Vergessen und Zurücklassen. Kommerziellen Erwägungen überwiegend verschlossen, reagierte er auf die drastischen Veränderungen in der Kunstwelt mit einem Rückzug. Seit Mitte der 1990er Jahre lebte er zunehmend vereinsamt wie gleichermaßen zurückgezogen in Leipzig. Seine letzte Einzelausstellung, die aufgrund fehlenden neuen Materials retrospektiv angelegt wurde, hatte er 2005 in der Chemnitzer Galerie grounded, wo er sich auch zum letzten Mal in der Öffentlichkeit zeigte.“

Das Museum der bildenden Künste wird jetzt so langsam der Ort, an dem sein Werk besonders gesammelt und gewürdigt wird.

Sein Gesamtwerk umfasst Gemälde und Zeichnungen, Fotoübermalungen, Collagen und Rauminstallationen, bildkünstlerische und musikalische Performances. Gestische Abstraktion und Nicht-Figuralität zeichnen seine Werke aus.

Das MdbK hat sich in den letzten Monaten intensiv dem Nachlass von Hähner-Springmühl gewidmet, teilt das Haus mit. Durch Schenkungen, Ankäufe und – zum Teil bisher nie gezeigte – Leihgaben wurde das bislang umfänglichste Konvolut an Werken des Künstlers angelegt und wissenschaftlich und museal erfasst.

Die Retrospektive zum „Kandidaten“ Hähner-Springmühl stellt dessen Schaffen in seiner gesamten Breite sowie seinem existenziellen Charakter vor. Einer umfangreichen Auswahl von grafischen und malerischen Arbeiten sowie Collagen Hähner-Springmühls stehen die Fotodokumentationen seiner zahlreichen Performances gegenüber.

Eröffnet wird die Ausstellung „Klaus Hähner-Springmühl. Kandidat“ am Donnerstag, 6. September, um 18 Uhr im Museum der bildenden Künste.

Es sprechen Museumsdirektor Dr. Alfred Weidinger und Christop Tannert, Künstlerischer Geschäftsführer des Künstlerhauses Bethanien in Berlin.

MdbK
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