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Koloniale Geschichte: Sächsische Völkerkundemuseen starten Plattform zur Dekolonisierung

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    Die Völkerkundemuseen in Leipzig, Dresden und Herrnhut, die seit 2010 Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind, beschäftigen sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der eigenen kolonialen Vergangenheit. Denn sie haben allesamt Sammlungsstücke aus der kolonialen Vergangenheit in ihrem Bestand – manche mit einer sehr heiklen Vorgeschichte. Nicht nur in Leipzig wird ja inzwischen intensiv über die Spuren der kolonialen Vergangenheit diskutiert.

    „Dekolonisierung richtet sich gegen koloniale Diskriminierungsstrukturen, sowohl körperlich spürbare als auch jene, die unsere Denkweisen beeinflussen. Sie ist demnach ein aktiver Prozess, der allen offensteht“, versuchen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
    das Problem zu fassen. Auch viele Stereotype des modernen Rassismus haben ihre Wurzeln direkt im Kolonialismus und der systematischen Abwertung der dabei unterdrückten Völker.

    Die neue Plattform auf der Webseite www.skd.museum/dekolonisierung lädt zum Dialog ein und schafft mehr Transparenz in diesem ethnologischen Diskurs.

    Im ersten Abschnitt „Aktuelle Projekte“ finden sich Hintergründe zu abgeschlossenen und laufenden Projekten der drei Museen mit internationalen Kollaborationspartner/-innen und -gruppen. Unter der Rubrik „Anfragen“ können sich Besucher/-innen der Webseite über den Ablauf von Restitutions- und Repatriierungsanfragen zu Sammlungsbeständen und Vorfahren (menschliche Gebeine) sowie zu den darauffolgenden Forschungsprojekten informieren.

    Der Bereich „FAQ“ (Frequently Asked Questions) stellt grundlegende Fragen im Zusammenhang mit Dekolonisierung, Restitution und Repatriierung und bietet Erklärungen zum speziellen Vokabular der Webseite.

    Léontine Meijer-van Mensch. Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen (SES) innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, erklärt zu diesem neuen Angebot: „Der ethnologische Diskurs findet statt, er ist gegenwärtig. Es ist ein Prozess, der noch viel gründliche Forschung verlangt. Wir müssen über unsere eigene ambivalente Vergangenheit nachdenken und darüber sprechen. Endet zum Beispiel ein Projekt, wenn wir die Überreste eines Mitglieds einer Gemeinschaft zurückgeben, oder beginnen wir ein langfristiges Engagement und beziehen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft mit ein?“

    Denn jahrzehntelang schauten auch die sächsischen Völkerkundemuseen nur mit dem exotischen Blick auf die Völker der Welt, blendeten die Frage, wie dieser Blick entstand und wie die Sammlungsstücke ins Museum kamen, einfach aus. Und bestätigten damit den Blick des Kolonialherren auf die als primitiv und exotisch dargestellte Menschen aus anderen Kulturen, der auch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Medien und Büchern immer wieder kolportiert wurde.

    Und auch die jüngere Vergangenheit ist nicht frei von diesen Vor-Urteilen, auch wenn der offen sichtbare Kolonialismus mittlerweile einem versteckten Kolonialismus im Gewand der „Globalisierung“ gewichen ist. An der Abwertung der so weiter ausgebeuteten Länder und Völker hat sich eigentlich nicht viel geändert. Im aktuellen Ausländerhass ist sie nach wie vor in alter Schärfe lebendig.

    Was dann auch neue Herausforderungen für die Forschung mit sich bringt. Es endet eben nicht mit der Rückgabe von Gebeinen. Gerade da beginnt erst die Wahrnehmung, dass die Rolle der Kolonisatoren in der Betrachtung bislang fehlte oder kaum berücksichtigt wurde. Und ebenso ausbaufähig ist der Blick der anderen, nämlich der ausgeplünderten Völker auf ihre einstigen Kolonisatoren. Das könnte so manches liebgewordene Schokoladenbild kräftig ins Wanken bringen.

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