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Jetzt arbeitet auch das Leipziger Missionswerk seine Verwicklungen in den Kolonialismus auf

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    Die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und seinen Auswirkungen wird als Thema auch für die Kirchen immer wichtiger. Das Leipziger Missionswerk will sich unter der Überschrift „glaubwürdig? Mission postkolonial“ der eigenen historischen Rolle und den Verwicklungen stellen. Denn die Missionsarbeit lief seinerzeit parallel zur kolonialen Expansion der europäischen Mächte.

    Das Leipziger Missionswerk (LMW) widmet sich in den kommenden drei Jahren dem Thema „glaubwürdig? Mission postkolonial“. Dabei sollen nicht nur konkrete Zusammenhänge der eigenen Geschichte erforscht werden, sondern auch die Debatte im kirchlichen Kontext vorangebracht werden. Auch koloniale Spuren in der Gegenwart, wie unbewusste Rassismen und Herrschaftsverhältnisse in der aktuellen Partnerschaftsarbeit, sollen auf den Prüfstand.

    „International gesehen sind die Diskussionen zum Thema Kolonialismus schon viel weiter fortgeschritten und außerhalb der Theologie nehmen die sogenannten ,postkolonialen Theorien und Perspektiven‘ auch in Deutschland bereits einen großen Raum des Gesprächs ein“, begründet Direktor Ravinder Salooja die Wahl des Themas.

    Und dass es da etwas aufzuarbeiten gibt, ist offensichtlich: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Leipziger Mission wirkten in Deutsch-Ostafrika im deutschen kolonialen Kontext. Die Generalversammlung der Leipziger Mission gab den ersten Afrikamissionaren 1892 die Weisung mit auf den Weg: „Dient dem Reich Gottes und nicht dem Deutschen Kaiserreich.“ Aber auch die Tätigkeit in Südaustralien und Südindien ab 1838 erfolgte unter den Bedingungen einer Kolonialmacht.

    „Wir sind uns bewusst, dass unser Zeugnis in Wort und Tat möglicherweise nicht glaubwürdig ist, wenn wir die Vergangenheit als Geschichte abtun, mit der wir nichts mehr zu tun haben. Denn es stellt sich auch die Frage: Haben wir uns unserer Geschichte tatsächlich schon in ausreichendem Maße gestellt? Unsere Glaubwürdigkeit steht und fällt mit der Frage der Verantwortung, die wir übernehmen“, erklärt Ravinder Salooja, und fährt fort: „Bei allen ehrenwerten und uneigennützigen Motivationen können wir doch nicht die Augen davor verschließen, dass die Tätigkeit der Leipziger Mission im Kontext imperialer Aufbrüche Europas ihren Anfang nahm und in kolonialen Kontexten mit einem spezifischen Macht-Ohnmacht-Gefüge stattfand.“

    Ein Beispiel aus der Geschichte der Leipziger Mission ist der Tod der beiden Missionare Ewald Ovir und Karl Segebrock am Berg Meru im Norden Tansanias, der sich im Oktober 2021 zum 125. Mal jährt. Die deutsche Schutztruppe nahm ihn damals zum Anlass für schreckliche Aktionen gegen die lokale Bevölkerung.

    Das Leipziger Missionswerk möchte nicht nur im akademischen Umfeld über die Geschichte des Missionswerkes ins Gespräch kommen. Das erste Halbjahr 2021 soll genutzt werden, um sich dem Thema anzunähern und sich weiterzubilden. So stehen ein Antirassismustraining für alle Mitarbeitenden sowie ein postkolonialer Stadtrundgang in Leipzig auf dem Programm. Im März (19./20.) wird zu einer Bibelarbeit mit Professorin Dr. Klara Butting eingeladen, die den Missionsgedanken im Gespräch mit der Hebräischen Bibel näher beleuchten wird.

    Schon im Januar startet das neue Format „Geschichtswerkstatt“ – zunächst coronabedingt als Onlineveranstaltung. Jeden letzten Donnerstag im Monat lädt das Missionswerk von 18 Uhr bis 19:30 Uhr zum Vortrag und Austausch mit verschiedenen Referentinnen und Referenten. Zum Auftakt erläutert Konstantin Müller von der Kontaktstelle Globales Lernen Magdeburg am 28. Januar den Begriff „Postkolonialismus“.

    Am 25. Februar wird sich Birgit Pötzsch im Gespräch mit Direktor Ravinder Salooja dem Thema „Mission und Kolonialismus“ widmen. Am 25. März wird gefragt „Aus und vorbei?“ und sich auf heutige koloniale Spuren begeben.

    Auf der Internetseite des LMW werden auf einer Themenseite bereits erschienene Publikationen, Vorträge, Material- und Veranstaltungshinweise veröffentlicht.

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