Rassismus ist in deutschen Behörden spürbar verbreitet. Das ist das Ergebnis einer großen Studie, die bundesweit unter Leitung der Universität Leipzig durchgeführt wurde. Betroffen sind verschiedene Institutionen wie Polizei, Justiz, Jobcenter sowie Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsämter. Rassistischer als die Gesamtbevölkerung sind diese Behörden aber nicht.

Der Forschungsverbund unter der Leitung des Leipziger Religions- und Kirchensoziologen Gert Pickel hat unter anderem mehr als 12.000 Teilnehmer*innen befragt. Hinzu kamen ausführliche Interviews, Gruppendiskussionen, Beobachtung in den Behörden und verschiedene weitere Analyseformen.

„Eine Studie dieses Zuschnitts hat es in Deutschland bislang nicht gegeben“, sagt Pickel. „Erstmals haben wir als unabhängiger Forschungsverbund Zugang zu staatlichen Institutionen erhalten, um Rassismus empirisch und mit der ganzen Breite wissenschaftlicher Methoden zu untersuchen. Die Kombination so vieler Disziplinen und Perspektiven erlaubt Differenzierungen, die einzelne Studien nicht leisten können.“

Laut Abschlussbericht gibt es Rassismus in allen untersuchten Institutionen. Dieser zeige sich beispielsweise in den individuellen Einstellungen von Mitarbeiter*innen, in behördlichen Praktiken und im Umgang mit Beschwerden. Im Vergleich zur normalen Bevölkerung sind manche Diskriminierungsformen stärker und manche schwächer vorhanden. Stärker sind sie beispielsweise bei Vorurteilen gegenüber Geflüchteten.

Vor allem über politische Einstellungen bei der Polizei wird immer wieder diskutiert. Die neue Studie zeigt zum einen, dass Polizist*innen sich etwas weiter rechts einordnen und im Laufe ihres Berufslebens noch konservativer werden.

Die Studie geht auf einen Beschluss des Bundestages zurück und ist Teil eines vor fünf Jahren beschlossenen Maßnahmenprogramms gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Das Bundesinnenministerium hat die Studie mit sechs Millionen Euro gefördert.

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