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Neue Ausstellung in der Uni-Bibliothek ab 8. Oktober: Übersetzte Religion. Im Dickicht der wahren Worte

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    Religionsgeschichte ist immer auch Übersetzungsgeschichte. Eine neue Ausstellung in der Bibliotheca Albertina zeigt vom 8. Oktober 2021 bis zum 13. Februar 2022 besondere Schriftstücke aus der Sammlung der Universitätsbibliothek (UB) Leipzig, um die Übersetzungsarbeit religiöser Texte aus zwei Jahrtausenden anschaulich zu präsentieren.

    Die Geschichte der Suche nach Urtexten der Bibel ist ebenso Thema der Ausstellung wie der Einfluss der wissenschaftlichen Übersetzung auf die Religion, etwa auf das Yezidentum im Irak. Zeitgleich wird die Kabinettausstellung „Herkunft zu ermitteln. Das Depositum der Israelitischen Religionsgemeinde in der UB Leipzig“ gezeigt.

    2.000 Jahre alte Schriftzeugnisse

    Ein Pergamentstreifen mit Gebeten für einen mehrsprachigen Gottesdienst aus Ägypten, eine mittelalterliche Handschrift mit Worterklärungen zur Bibel auf Altfranzösisch in hebräischer Schrift und ein arabischsprachiges Wörterbuch eines shiitischen Gelehrten des 10. Jahrhunderts, der in religiöser und geheimer Mission unterwegs war: Religionsgeschichte ist immer auch Übersetzungsgeschichte.

    Privatdozentin Dr. Katja Triplett, Kuratorin der neuen Ausstellung in der Bibliotheca Albertina, meint: „Religiöse Texte sind voller Rätsel und Geheimnisse. Das Entschlüsseln – im Sinne von Übersetzen – religiöser Texte ist ein wichtiger Teil auch der heutigen Geisteswissenschaft.“

    Besondere Schriftstücke aus der UB Leipzig geben Auskunft über dieses Bemühen, die eigene Religion und die Religion der anderen sprachlich und in Bildern verständlich zu machen. „Ich freue mich, dass das anspruchsvolle Konzept der Kuratorin Katja Triplett den Dialog mit unseren reichen Beständen eröffnet und wir Kulturzeugnisse aus den letzten zweitausend Jahren zeigen können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der UB Leipzig.

    Zeugnisse aus der Missionszeit

    Der Austausch im Miteinander, aber auch im Gegeneinander, findet seinen Niederschlag nicht nur in den prachtvoll gestalteten Büchern europäischer Missionare über die Religionen des Nahen und Fernen Ostens. Wenn mündliche in schriftliche Worte übersetzt werden, entstehen Schriften, die als heilig und für alle Menschen gültig angesehen werden.

    Die religiösen Materialien werden nach der wissenschaftlichen Übersetzung in einem Buch oder einem Museum präsentiert, oftmals in einem nicht-religiösen Rahmen. Das „heilige Buch“ ist damit aus dem religiösen in den nicht-religiösen Kontext „übersetzt“. Umgekehrt können moderne wissenschaftliche Übersetzungen religiöser Überlieferungen den Gläubigen in der religiösen Praxis dienen.

    In der Ausstellung zu sehen: Das Leipziger Markusevangelium ist eine wertvolle, fragmentarisch erhaltene Handschrift aus dem 7. Jh. und enthält das Evangelium nach Markus, dessen Patronat die koptische Kirche beansprucht. Sie ist ein wichtiger Textzeuge der älteren koptischen Übersetzung aus dem Griechischen und wurde im sahidischen Dialekt verfasst. Foto: Thomas Kademann
    In der Ausstellung zu sehen: Das Leipziger Markusevangelium ist eine wertvolle, fragmentarisch erhaltene Handschrift aus dem 7. Jh. und enthält das Evangelium nach Markus, dessen Patronat die koptische Kirche beansprucht. Sie ist ein wichtiger Textzeuge der älteren koptischen Übersetzung aus dem Griechischen und wurde im sahidischen Dialekt verfasst. Foto: Thomas Kademann

    Die wissenschaftlichen Übersetzungen von mündlich weitergegebener Literatur können gar ein Schrifttum einer Religion begründen, deren Praxis bis dahin weitgehend auf der mündlichen Überlieferung basierte, wie etwa beim Yezidentum.

    Auf der anderen Seite schätzen Gläubige die Übersetzung der von ihnen geheim gehaltenen heiligen Schriften oder mündlichen Überlieferungen ihrer Religion nicht, da die wissenschaftlichen Textausgaben sie öffentlich und für Unbefugte zugänglich machen.

    In Verbindung mit der Ausstellung ist zeitgleich die Kabinettausstellung „Herkunft zu ermitteln“ in Kooperation mit dem Dubnow-Institut in der Bibliotheca Albertina zu sehen, sie zeigt einen Talmud als Herausforderung für die Erforschung der Bibliothek der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, die sich zur Aufbewahrung und Erschließung in der UB Leipzig als Dauerleihgabe befindet.

    Diese Sammlung setzt sich aus Altbeständen der Leipziger jüdischen Gemeinde sowie aus Beständen sehr unterschiedlicher Provenienzen zusammen und beinhaltet Hunderte Drucke, von denen die ältesten aus dem 16. Jahrhundert stammen. Sie werden demnächst im Rahmen eines Forschungs- und Katalogisierungsprojekts erschlossen.

    Begleitend zur Ausstellung „Übersetzte Religion“ ist ein 112-seitiger Katalog mit Beiträgen von zwölf Autor/-innen aus verschiedenen Fachgebieten erschienen. Auf Wunsch kann gern ein Presseexemplar zur Verfügung gestellt werden.

    Die Öffnungszeiten

    Die beiden Ausstellungen in der Bibliotheca Albertina (Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig) sind vom 8. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

    Corona-Hygienebestimmungen: Die Einlassbedingungen regelt das Hygienekonzept der UB Leipzig, das derzeit einen 3G-Nachweis verlangt.

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