Bisher war Dwayne Johnson Kinogängern als stiernackiger Action-Hero bekannt. In "Snitch" erleben die Zuschauer eine andere Facette des Ex-Wrestlers. Regisseur und Drehbuchautor Ric Roman Waugh prangert in dem Drogen-Drama die Kronzeugenregelung des US-amerikanischen Justizsystems an.

Wer in den Vereinigten Staaten kommerziell mit Drogen dealt, muss mit hohen Mindeststrafen machen. Diese können drastisch gemildert werden, wenn der Ganove den Behörden hilft, einen anderen Dealer dingfest zu machen. Das Prinzip gilt auch in Deutschland, wenngleich hierzulande Strafrahmen und -Rabatt nicht so exorbitant hoch ausfallen wie in den USA.

Als der Sohn von John Matthews (Johnson) wegen eines Drogendelikts verhaftet wird, drohem ihm zehn Jahre Knast. Weil er keinem seiner Freunde eine Falle stellen will, um als Dankeschön ein mildes Urteil zu erhalten, lässt sich der Transportunternehmer auf einen riskanten Deal ein. Mit Hilfe seines vorbestraften Mitarbeiters Daniel (Jon Bernthal) erlangt er Zugang zu einem mexikanischen Kartell. Staatsanwältin Joanne Keeghan (Susan Sarandon), die eine politische Karriere anstrebt, wittert die Chance, einen großen Fisch hinter Gitter zu bringen. Matthews muss volles Risiko gehen, möchte er seinen Sohn bald nicht mehr durch eine Plexiglasscheibe sehen.
Regisseur Waugh führt dem Publikum die ganze Absurdität der Kronzeugenregelung vor Augen. Kleine Fische werden lange Zeit eingesperrt, während die großen Haie genug Typen kennen, die sie verpfeifen können. Das politische Ansinnen von “Snitch” (dt. Verräter) ist klar wie Kloßbrühe. Der Gesetzgeber möge bitte eine fairere Regelung schaffen oder wenigstens die hohen Mindeststrafen für Ersttäter deutlich absenken.

Der Plot ist spannend, macht nachdenklich und ist doch unterhaltsam. Dafür sorgen die Action-Highlights, mit denen Waugh seine bitterernste Story garniert. Laienschauspieler Dwayne Johnson ist erstmals in einer ernsthafteren Rolle zu sehen. Wer hätte gedacht, dass der muskelbepackte, hartgesottene “The Rock” zerbechlich und verwundbar sein kann? Hervorragend auch Susan Sarandon als kaltherzige Staatsanwältin.

Insgesamt ist “Snitch” eine satte Portion modernes Actionkino, umgarnt von einem aufregenden Justizdrama. Vermutlich der beste Johnson-Film im Jahr 2013.

USA 2013: R: Ric Roman Waugh, D: Dwayne Johnson, Susan Sarandon, 112 Min, FSK 12.

Filmstart ist der 6. Juni, zu sehen im CineStar, Regina Palast und UCI Nova Eventis.

Die Seite zum Film:
www.snitch-derfilm.de

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