Ein starker Roman, eine gute Übersetzung und ein unermüdlicher Verlag

„Liebesroman“ von Ivana Sajko wird am 28. Juni in Berlin ausgezeichnet

Für alle LeserSchon am 25. Mai fieberte der Verlag Voland & Quist wieder einmal mit, denn da wurde bekannt, dass die kroatische Autorin Ivana Sajko und ihre Übersetzerin Alida Bremer für ihren „Liebesroman“ für den begehrten Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt nominiert worden waren. Womit der Verlag mit seiner ambitionierten „Sonar“-Reihe einmal mehr ein verdientes Lob bekommt.

Denn damit holt er junge, kluge und lesenswerte Literatur aus dem Osten und Südosten Europas in die deutsche Bücherwelt. Etwas, was einem in seiner Tragweite erst richtig bewusst wird, wenn man all diese Bücher von weißrussischen, tschechischen, kroatischen Autorinnen und Autoren liest und merkt, wie sehr ihre Sorgen und Konflikte den unseren gleichen, wie nah uns dieser europäische Osten tatsächlich ist.

Etwas, was man überhaupt nicht glauben will, wenn man die tägliche Berichterstattung der großen Medien sieht, die diesen Raum da im Osten noch immer wie eine Art Nirwana mit suspekten slawischen Abgründen behandeln.

Die (west-)deutsche Brille für den Osten ist eine Brille voller Fehlstellen, Unschärfen und vor allem eine, die Borniertheit stärkt.

Und so ist es eine nur zu berechtigte Würdigung, wenn die Schriftstellerin Ivana Sajko und ihre Übersetzerin Alida Bremer mit dem 10. Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt für den bei Voland & Quist erschienenen Roman „Liebesroman“ ausgezeichnet werden. Die Preisverleihung findet am 28. Juni 2018 in Berlin statt.

Wie nun am Dienstag, 13. Juni, bekanntgegeben wurde, wird der mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Internationale Literaturpreis 2018 an die kroatische Schriftstellerin Ivana Sajko und ihre Übersetzerin Alida Bremer vergeben. Geehrt werden damit sowohl das Buch „Liebesroman“ als auch seine Übertragung aus dem Kroatischen. Die Preisverleihung findet am 28. Juni 2018 ab 18 Uhr im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt.

Und – auch wenn es der Preis selbst so nicht firmiert: Auch für Voland & Quist ist das eine verdiente Ehrung. Denn für eine Reihe wie die exzellent übersetzte Reihe „Sonar“ braucht es auch die geduldige Arbeit des Verlages, der einfach über Jahre dranbleibt.

Der Internationale Literaturpreis wird seit 2009 vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen vergeben. Der mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Preis – 20.000 Euro für die Autor*in, 15.000 Euro für die Übersetzer*in – zeichnet einen herausragenden Titel internationaler Gegenwartsliteraturen in deutscher Erstübersetzung aus. Der Preis würdigt in dieser Allianz sowohl das Originalwerk als auch seine Übersetzung.

Aus der Begründung der Jury: „Ivana Sajkos Liebesroman spricht über eine Welt in Agonie, darüber, wie das politische System auf das Leben übergreift, es unter Druck setzt und das Private schleichend vergiftet. Hauptdarsteller sind ein junges erfolgloses Künstlerpaar, ein Kind, eine Wohnung, ein Nachbar und ein aus den Fugen geratenes Land. Mit wenigen, gezielten Strichen zeichnet Ivana Sajko ein durch und durch politisches Tableau und holt die Welt in den kammerspielartigen Erzählraum ihres Romans.

Was sich in Kroatien abspielt, könnte überall geschehen. Unter der Oberfläche dieses Liebesromans, der auch ein Entliebungsroman ist, geht es um die Macht und Ohnmacht des Individuums in unserer globalisierten Gegenwart. Ivana Sajkos wuchtige Worte erzeugen explosive Helle. Alida Bremer, die wichtige Vermittlerin kroatischer Literatur ins Deutsche, hat für sie eine mitreißende Sprache gefunden.“

Und deshalb freut man sich bei Voland & Quist mit Autorin und Übersetzerin über diese besondere Würdigung ihrer Arbeit.

Ivana Sajko, geboren 1975 in Zagreb (Kroatien), ist Autorin, Regisseurin, Performerin, Mitgründerin der Theatergruppe „BAD co.“ und Redaktionsmitglied des Kunstmagazins „Frakcija“. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehört die Chevalier de l‘ordre des Arts et Lettres. Auf Deutsch erschienen bisher u. a. Die Titel „Bombenfrau“, „Rio Bar“ und „Auf dem Weg zum Wahnsinn (und zur Revolution)“.

Alida Bremer, geboren 1959 in Split/Kroatien, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Slawistik und Germanistik und promovierte im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie übersetzte zahlreiche Romane, Theaterstücke, Essays, Gedicht- und Erzählbände aus dem Kroatischen ins Deutsche; sie schreibt in deutscher und kroatischer Sprache und lebt als freie Übersetzerin und Autorin in Münster. Für Voland & Quist übersetzte sie Bücher von Edo Popovic, Roman Simic und Ivana Sajko.

Ivana Sajkos Liebesroman, der wirklich von Liebe erzählt am Rande des Abgrunds

 


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