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Warum es ganz und gar nicht gut ist, die Kultur in der Corona-Zeit dauerhaft stillzulegen

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    „Sti-ille Nacht, ein-sa-me Nacht, alles probt, niemand lacht ...“, bringt der Westflügel im Lindenfels auf den Punkt, wie heftig die verlängerten Lockdown-Maßnahmen das komplette für die Adventszeit geplante Kulturprogramm treffen. Selbst die „Gans ganz anders“ fällt aus, das schöne Spiegelzelt aus Flandern ist umsonst aufgebaut. Und der Weihnachtszirkus verschiebt seinen Leipzig-Auftritt auf März. Wenn er dann überhaupt sein Zelt aufbauen darf.

    Die Mannschaft des Westflügels bringt das ganze sehr stimmungsvoll auf den Punkt: „Ja, auch am Westflügel ignoriert niemand die wachsenden Infektionszahlen, niemand im Publikum hat sich gewehrt gegen Einschränkungen, die die Risiken möglichst minimieren. Dennoch, es gibt genug Anlass, der Kultur(!)ministerin von NRW, Isabel Pfeiffer-Pönsgen zu widersprechen, die sagte: ,Die Kultur muss aufpassen, dass sie nicht immer eine Extrawurst brät‘.

    Was bewirkt, dass eine komplexe Gesellschaft friedlich bleibt? Tragen Kunst und Kultur dazu nicht ganz wesentlich bei? Eine Gesellschaft, die sich zunehmend entsolidarisiert, die Erfolg, Konsum (,Einkaufen ist unsere patriotische Aufgabe‘ laut Peter Altmaier am 25.11.) und den Ellenbogen kultiviert – braucht diese nicht ganz wesentlich Kunst und Kultur als Gelegenheit zum gemeinsamen Erleben, Reden, Denken, Freuen, nicht auf Leistung oder Effizienz getrimmten Handeln? Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft ohne diese Gelegenheiten?

    Apropos Wurst: Auf dem Westflügel-Herd stehen im Dezember verdampfter Staub – Dust – אבק, angebrannte Himmel und Erde, übergelaufener Krabat und eine in die Tonne geschmissene Geisterbahn / Haunted House zum Jahreswechsel. Die findet vermutlich anderswo statt.“

    Aber der Westflügel will wenigstens ein Scheit im Westflügel-Ofen entzünden.

    Zu den Inszenierungen, die aufgrund des zweiten Lockdowns abgesetzt werden musste, gehört „Der Reigen. Ein überaus schönes Lied vom Tod“. „Die geplante Uraufführung am 18.11. war der erste Kollateralschaden durch den erneuten November-Lockdown. Christoph Bochdansky [Wien], Kai Chun Chuang [Taiwan], Damian Cortes Alberti [Argentinien], Marcela Lopez Morales [Argentinien] von der COV Compagnie Off Verticality [Linz] und Figurentheater Wilde & Vogel [Leipzig] probten dennoch und erstellten ein Video der Produktion.“ Die Premiere soll es nun im Februar geben.

    Wenigstens ein bisschen ersetzen soll das ein Kunsterlebnis-Kalender vom 1. bis 31. Dezember: Um der Relevanz von Kunst und Kultur näherzukommen starten die Allianz-Theater – der Westflügel Leipzig, das FITZ Stuttgart und die Schaubude Berlin – eine Sammlung von persönlichen Beschreibungen kultureller Erlebnisse, die das Herz beinahe stillstehen ließen, oder die es zum Rasen brachten, die enthoben, verbanden, bewegten oder erregten, Erleuchtungen und Offenbarungen!

    Finden wird man den Kunsterlebniskalender vom 01.12. und 31.12. hier.

    Kein Weihnachtszirkus

    Schon am 31. Oktober machte sich Zirkusdirektor Bernhard Schmidt vom Zirkus Aeros in einem kurzen Satz Luft. Da war gerade von der Stadt Borna die Absage für das Novembergastspiel gekommen: „Zum dritten Mal Plakate wegschmeißen, wieder alles abgesagt worden. Wir hoffen aber, dass wir unseren 14. Leipziger Weihnachtszirkus machen können.“

    Doch durch diese Hoffnung hat die Verlängerung des Corona-Lockdowns einen fetten Strich gemacht. Am Freitag, 27. November, konnte Schmidt nur noch mitteilen: „Aufgrund der derzeitigen Situation muss die 14. Ausgabe des Leipziger Weihnachtszirkus der Familie Schmidt leider verschoben werden. Wenn die Pandemie es aber bis dahin zulässt, wird im März 2021 mit vollem Glanz, voller Energie und Freude das Gastspiel in Leipzig unter dem Titel ,Leipziger Heimat Circus‘ nachgeholt.“

    Das wäre das Plakat zum Leipziger Weihnachtszirkus gewesen. Grafik: Zirkus Aeros
    Das wäre das Plakat zum Leipziger Weihnachtszirkus gewesen. Grafik: Zirkus Aeros

    Keine Gans im Spiegelzelt

    Am 26.November sagte denn auch die Krystallpalast Varieté Leipzig GmbH & Co. KG die „Extravagante Dinnershow GANS GANZ ANDERS“ und das Kindermusical im Historischen Spiegelpalast ab.

    „Aufgrund der aktuellen Situation um COVID-19 muss die extravagante Dinnershow GANS GANZ ANDERS sowie das Kindermusical für die ganze Familie ,Das Dschungelbuch‘ auf das kommende Jahr 2021 verschoben werden. Im Krystallpalast Varieté Leipzig wird die Show ,GLANZZEIT – Varieté der 20er Jahre‘ bis mindestens 20. Dezember 2020 ausgesetzt.

    Schon erworbene Tickets können im Online-Formular auf www.krystallpalastvariete.de direkt auf 2021 umgebucht oder in Gutscheine umgewandelt werden. Tickets, die über andere Vorverkaufsstellen gekauft wurden, müssen genau dort auch eingereicht werden. Bei Fragen steht das Verkaufsteam unter 0341 140660 Montag bis Samstag 10 bis 16 Uhr zur Verfügung.

    Das Krystallpalast Varieté Leipzig ist bemüht, den Spielbetrieb sobald wie möglich wieder aufnehmen zu können. Zuletzt hatte der komplette Spielbetrieb des Varietés Mitte März bis Juni und seit dem 2. November aussetzen müssen. Über weitere Entwicklungen wird auf der Webseite sowie in den Sozialen Medien informiert.

    Das Krystallpalast Varieté Leipzig erhält keinerlei staatliche Subventionen. Es würde dem Unternehmen in der derzeitigen Situation sehr helfen, wenn Gäste aus Solidarität mit dem Haus und den Künstlern auf Umbuchung bereits gekaufter Tickets verzichten würden. Spenden und Unterstützung in Form von Gutscheinkäufen sind ebenso herzlich willkommen.“

    Auch Opernhäuser und Theater dicht

    Weil nun freilich auch sämtliche Weihnachtsvorstellungen in den Theatern und Opernhäusern ausfallen, organisieren die im Deutschen Bühnenverein organisierten Theater und Orchester am Montag, 30. November, einen gemeinsamen AKTIONSTAG DER THEATER UND ORCHESTER.

    „In dieser gesellschaftlich herausfordernden Zeit möchten die Theater und Orchester ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zu ihrem Publikum in die Kommunen senden. In den Theatern und Orchestern wird auch weiterhin optimistisch und mit der bisher gezeigten Flexibilität und dem ihnen eigenen Verantwortungsbewusstsein auf eine baldige Wiederöffnung hingearbeitet, Produktionen werden geprobt und auf ihre Premieren vorbereitet.“

    Auch das Schauspiel Leipzig beteiligt sich am Aktionstag der Theater und Orchester: Von 12 bis 21 Uhr werden zu jeder vollen Stunde Auszüge aus unterschiedlichen Inszenierungen als Audiomitschnitte direkt aus dem Schauspielhaus zu hören sein.

    Ein Videobeitrag mit Einblicken in den momentanen Arbeitsprozess hinter den Kulissen ist ab 12 Uhr auf der Webseite des Schauspiel Leipzig abrufbar: www.schauspiel-leipzig.de. Darin kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses zu Wort, deren Arbeitsalltag trotz geschlossener Türen unvermindert weitergeht, teilt das Schauspiel Leipzig mit.

    Schaubühne sendet aus dem Off

    „Unser Haus bleibt weiterhin geschlossen“, teilt auch die Schaubühne mit und bietet Kunst im Dezember „online und (fast) überall! – Bleiben Sie up to date und unserer Webseite www.schaubuehne.com treu! Wir wünschen frohe Festtage und viel Spaß mit den Highlights im Dezember.“

    So arbeitet die Schaubühne übrigens schon seit Beginn des zweiten Lockdowns wieder. Den nächsten Hingucker gibt es am Dienstag, 1. Dezember, das „Café der toten Philosophen“ per Livestream aus der Schaubühne Lindenfels. Eintritt frei.

    „Drei Philosophen, vertreten von drei Geisteswissenschaftlern, debattieren über Krieg und Frieden. Ist Frieden nur als Gegenteil von Krieg zu denken? Oder ist Krieg vielleicht sogar ein notwendiges Übel? Gibt es Kriege ohne Gewalt und wie sieht er eigentlich aus, der Friedensvertrag, auf den wir uns alle einigen können?“

    Es diskutieren: Thomas von Aquin (Dr. Tobias Kasmann), Immanuel Kant (Prof. Dr. Thomas Kater) und Helmuth Plessner (Dr. Thomas Dworschak). Gesprächsleitung: Katharina Schenk (Staatssekretärin im Thüringer Innenministerium). Beginn der Übertragung am 1. Dezember ist 19 Uhr.

    amarcord lädt ein zum Online-a-cappella-Festival „Live from London“

    Sein Publikum in Zeiten einer Pandemie zu erreichen, fordert viel Kreativität. Die Sänger von amarcord setzen im Advent auf eine innovative Festivalidee aus London, gehen mit Daniel Hope für dessen neues Album gemeinsam ins Studio, planen eine umfangreiche Kooperation mit dem Thüringer Bach Collegium und bereiten die nächste eigene CD-Veröffentlichung vor. Das Jahr beschließt das Quintett mit einem Auftritt beim Weihnachtskonzert des Bundespräsidenten aus der St. Marienkirche Bernau, welches am 24. Dezember um 18 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird.

    Für besondere Aufmerksamkeit soll freilich vom 1. Dezember 2020 bis zum 6. Januar 2021 das Online-a-cappella-Festival „Live from London“ sorgen.

    Vokalmusik aus der ganzen Welt bringt weihnachtliche Stimmung in die Wohnzimmer. Initiiert von VOCES8, erhalten a-cappella-Fans die Gelegenheit, 16 Konzerte in höchster Qualität von renommierten Vokalensembles wie VOCES8, Take 6, amarcord u. a., per Stream mit einem Festival-Ticket online zu erleben. Zusatzmaterial und ein Chat mit den Künstlern runden das Online-Konzerterlebnis ab. Durch den Kauf der Tickets unterstützt das Publikum direkt die Künstler/-innen der Reihe sowie die beteiligten Kulturorganisationen.

    amarcord wählte für seinen Abend, der am 19. Dezember, 19 Uhr, ausgestrahlt wird, die traditionsreiche Leipziger Nikolaikirche. Programmatisch spannt das Quintett einen Bogen von Bach, Praetorius und Figulus über Mauersberger, Freundt bis hin zu beliebten Weihnachtsklassikern aus der ganzen Welt.

    amarcord. Foto: Nick Begbie
    amarcord. Foto: Nick Begbie

    Innerhalb des Festivals ist bereits am 15. Dezember der Chor der Westminster Abbey in der Westminster Abbey zu hören. Das Bachsche Weihnachtsoratorium führen Gabrieli Consort und Players gemeinsam mit weltweit gefeierten Solist/-innen wie Carolyn Sampson, Anna Dennis, Tim Mead, Roderick Williams und Ashley Riches auf.

    Gesungen werden die Kantaten jeweils an dem Tag, für den sie liturgisch geschrieben wurden. Auch junge Ensembles erhalten in Rahmen von „Live from London“ die Möglichkeit, sich zu präsentieren: Aus Deutschland wurden die German Gents für das Förderprogramm ausgewählt. Sie gewannen im vergangenen Jahr den Internationalen a cappella Wettbewerb in Leipzig und werden im Frühjahr 2021 ihr Preisträgerkonzert beim Festival gestalten.

    Genießen und unterstützen: Tickets für „Live from London“ bekommt man auf www.amarcord.de/live-from-london

    Mit dem Geiger Daniel Hope verbindet amarcord eine langjährige Freundschaft. Nach mehreren gemeinsamen Konzerten war das Vokalensemble im Juni zu Gast bei Daniel Hopes „Hope@home on tour“ auf ARTE Concert. Nun ist amarcord auf der nächsten CD Produktion des Geigers zu hören und geht dafür ab dem 26. November ins Studio. Erscheinen wird das Album bei der Deutschen Grammophon.

    Als Auftakt einer umfangreichen gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen amarcord und dem Thüringer Bach Collegium, führen beide Ensembles das Weihnachtsoratorium in der Bachkirche Arnstadt auf. Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur über die EBU als „Christmas Day special“ am 20. Dezember in über 20 Radiostationen europaweit ausgestrahlt. Im Frühjahr beginnen die Aufnahmen der frühen Kantaten Johann Sebastian Bachs aus der Arnstädter, Mühlhausener und Weimarer Zeit.

    Bereichert wird das etwa 25 Kantaten umfassende Projekt mit Werken von Bachs Vorbildern und Komponisten aus dem zeitlichen Umfeld. Die Konzeption stammt von dem anerkannten Bach-Forscher und Intendanten des Leipziger Bachfestes Michael Maul. Zusammen mit dem Kooperationspartner Deutschlandfunk Kultur sind 8 bis 10 CDs beim Label Capriccio geplant.

    Für das neue amarcord-Album „Meisterklasse“ widmen sich die Sänger Leipzigs vielseitiger Musikerpersönlichkeit Carl Reinecke und dessen internationalen Schüler/-innen. Bis heute ist Reinecke der längste amtierende Gewandhauskapellmeister und hat mit seiner Kompositionslehre eine ganze Generation von Musikerinnen und Musikern geprägt.

    Neben einem abwechslungsreichen Querschnitt durch Reineckes bemerkenswertes Schaffen für Männerchor (entstanden sind über 70 Einzelwerke für Männerstimmen), gibt amarcord einen Einblick in die unterschiedlichen Kompositionsstile u. a. von Edvard Grieg, Ethel Smyth, Leoš Janáček und Mikalojus Konstantinas Čiurlionis Veröffentlicht wird die CD im Frühjahr bei edition apollon/RAUMKLANG.

    Leipziger Zeitung Nr. 85: Leben unter Corona-Bedingungen und die sehr philosophische Frage der Freiheit

     

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