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Peter Pan im Irrenhaus: Jürgen Zielinski inszeniert Kinderbuch-Klassiker als schräge Komödie

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    Am Ende gab’s tosenden Applaus. Jürgen Zielinski hat im Theater der Jungen Welt mit „Peter Pan“ wieder einen ganz großen Klassiker der Kinderbuchliteratur inszeniert. Der zweistündige Abend über den abenteuerlustigen Jungen, der nie erwachsen wird, ist gleichermaßen ein Spaß für Jung und Alt.

    Sie kennen „Peter Pan“ aus dem Hause Disney? Oder Steven Spielbergs „Hook“? Vergessen Sie diese Kinohits, bevor Sie ins TdJW gehen. Sonst werden sie bloß enttäuscht. Jürgen Zielinskis Inszenierung hat schon rein ästhetisch nichts mit Märchenkitsch und Piratenromantik am Hut.

    Massenszenen verbieten sich angesichts der beschränkten Bühnengröße von selbst. Auf spritzige Action müssen die Zuschauer nicht verzichten. Das finale Fechtduell zwischen Pan (Benjamin Vinnen) und Hook (Sonia Abrill Romero) kann sich sehen lassen. Auf einer Schaukel können Wendy (Anna-Lena Zühlke) und Tinkerbell (Julia Sontag) sogar ein wenig gen Himmel schweben. Aber der Reihe nach.

    Ulrich Zaums Textfassung hat mit der Vorlage vor allem den Titel gemein. Das Stück hangelt sich nur lose an Szenen und Motiven aus James Barries Geschichten entlang. Zielinskis Inszenierung chargiert irgendwo zwischen humoristischem Salontheater und rotzfrecher Parodie. Der TdJW-Intendant lässt lauter Psychopathen aufeinanderprallen.

    Foto: Tom Schulze
    Foto: Tom Schulze

    Wendy nagt offensichtlich an ihrer manischen Depression. Peter Pan, äußerlich ein saucooler Punk, leidet erkennbar an Empathiedefiziten. Seine beste Freundin, die Fee Tinkerbell, ist fett und verfressen. Der Soziopath Captain Hook wird von Ödipuskomplex und Schizophrenie geplagt. Tootels (Martin Klemm) leidet an multipler Persönlichkeit. Der tolpatschige Matrose Smee (Sven Reese) gibt den begriffsstutzigen Volltrottel.

    Der augenzwinkernde Umgang mit dem Stoff, dessen Doppelbödigkeit in dieser Inszenierung wohl nur vom erwachsenen Teil des Publikums durchschaut werden dürfte, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, erfüllt aber seinen Zweck. Während Zaums Verbalkomik erst im zweiten Akt mit dem Auftritt von Captain Hook richtig zündet, sind es die situativen Gags, die vor allem die jüngeren Zuschauer schnell mitreißen.

    Zum Schreien komisch ist beispielsweise Reeses Tanzeinlage in dem Planschbecken, das Bühnenbildnerin Martina Schulle in die Bühnenmitte gezaubert hat. Schauspielerisch begeisterte vor allem Julia Sonntag, die die wandelnden Gemütslagen Tinkerbells punktgenau dem Zuschauer vermittelt. Hauptdarsteller Benjamin Vinnen blieb dagegen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Sven Reese erntete für seine Slapstick-Einlagen extra lauten Beifall.

    Vorstellungen: 04.10.2018, 10:00 Uhr | 03.11.2018, 16:00 Uhr | 05.11.2018, 10:30 Uhr | 06.11.2018, 10:30 Uhr

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