Anlässlich der Frühjahrskonferenz von Opera Europa am 17. Juni in Prag gaben Fedora und Opera Europa die Empfänger der ersten Ausgabe ihrer Next Stage Grants bekannt. Zu den fünf von einer internationalen Expertenjury auserwählten Vorreitern in den Bereichen Oper und Tanz gehört auch die Oper Leipzig, deren Transformationsprojekt „Nachhaltige Kostüme“ als Kooperation mit der Isländischen Oper angelegt ist und jetzt mit 70.000 Euro gefördert wird.

Tobias Wolff, als designierter Intendant der Oper Leipzig verantwortlicher Initiator des Projektes, freut sich über die Anerkennung gleich zum Start seiner Intendanz.

Wie lang ist der Lebenszyklus eines Opernkostüms?

„Dank Opera Europa und FEDORA werden wir jetzt bei vier Opernproduktionen den Lebenszyklus unserer Kostüme analysieren und Rückschlüsse für nachhaltige Beschaffung, Herstellung, Nutzung und Entsorgung ziehen. Gerade vonseiten des Handwerks können wir zusammen mit den Kunstschaffenden an entscheidenden Stellschrauben drehen, um überzeugende Standards der Nachhaltigkeit zu erreichen und dauerhaft zu sichern“, sagt Wolff.

Zusammen mit Steinunn Birna Ragnarsdóttir, CEO und Künstlerische Leiterin der Icelandic Opera, nahm Tobias Wolff am 17. Juni in Prag den gemeinsamen Next Stage Preis entgegen. Die Projektleitung bei der Oper Leipzig übernimmt Hutmachermeisterin Katja Schmidt, die sich bereits in ihrem Studium der Bekleidungstechnik auf das Thema nachhaltige Produktentwicklung spezialisiert hat.

Grünes Design auf der Opernbühne

Die Oper Leipzig und die Isländische Oper erkennen mit diesem ersten gemeinsamen Projekt die Mitverantwortung der großen Kultureinrichtungen für den Klimawandel an.

Inspiriert wurde das Projekt „Nachhaltige Kostüme“ durch die Arbeit und Forschung von Urs Dierker zum nachhaltigen Wandel im Bereich Kostümbild und Theaterschneiderei. Dierker ist Textilkünstler, Forscher und Gründer der Plattform Circular Costume Design und wird das Projekt als Berater begleiten.

Die Plattform untersucht systematisch verschiedene Phasen von Opernproduktionen, um zu beurteilen, wie nachhaltige Veränderungen durch verschiedene Strategien erreicht werden können im Hinblick auf grünes Design (mit Fokus auf Material), Lebenszyklusdenken (mit Fokus auf Prozessen) und partizipative Praktiken (mit Fokus auf sozialen Aspekten des Wandels).

Das Projekt Nachhaltige Kostüme soll partizipative Designmethoden anwenden, um von Anfang an die Menschen aus den Opernproduktionen sowie aus Kostümwerkstätten und -verwaltung einzubeziehen. Die Ergebnisse aus der praktischen Forschung werden dann direkt auf aktuelle Prozesse in den beiden Opernhäusern angewandt und mit anderen Theaterschaffenden geteilt – einschließlich neuer Modelle des Materialkreislaufs, die auf der Forschung mit den beiden Partneropern und ihrer Zulieferernetzwerke basieren werden.

Dazu gehört auch die Erforschung digitaler Werkzeuge für Materialmanagement, Systeme für nachhaltige Materialbeschaffung und Logistik, politische Empfehlungen und außerdem konkrete Design-Briefings als Leitlinien für die Kreativ- bzw. Regieteams.

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