Der Herbst im Westflügel beginnt mit einer Premiere: Am heutigen Freitag, 2. September, zeigen das Figurentheater Wilde & Vogel aus Leipzig und Choreographia(Inter)Austriaca aus Linz ihre neue gemeinsame Produktion „I am not in a Room“. Basierend auf Gedichten der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson entsteht ein dichtes Zusammenspiel aus Poesie,

Bienen mit heiligem Flaum – eine Fliege, deren Gebrumm das Letzte ist, das die Dichterin vor ihrem eigenen Tod hört – die rührenden Grillen, die im späten August ihren druidischen Geisterhymnus aufführen – und, in allen Gedichten, eine Vielzahl von Gedankenstrichen, die Räume öffnen, Ungesagtes andeuten und das Spiel der Fantasie der Leser/-innen aktivieren: Einstiege in das poetische Werk Emily Dickinsons.

Zu Tanz, Musik, Licht und Figuren ließ sich das Team von „I am not in a Room“ durch Gedichte und Biografie von Emily Dickinson inspirieren: Aus den Ekstasen der Naturempfindungen, dem Hineinspinnen der Gedanken in Materie und Tier, Theatralisierungen kleinster Bewegungsereignisse oder bedeutendster Momente von Leben und Tod sowie geografisch-historischen Bezügen nach Amherst/USA, wo Dickinson lebte, spannen die Künstler/-innen aus Taiwan, Österreich und Deutschland ein assoziatives Netz von Gesten, Klängen, Energien, Liedern, Räumen und Zusammenhängen.

Emily Dickinson (1830–1886) hinterließ ein enorm umfangreiches Werk mit einer nahezu unerschöpflichen Themenvielfalt, fast ausschließlich posthum veröffentlicht. Die bedeutendste amerikanische Dichterin verließ ihr Elternhaus zeitlebens fast nicht und empfing schließlich kaum mehr Gäste; quasi aus dem Zimmer heraus knüpfte sie intensivste Beziehungen zur Welt, ihren Mit-Geschöpfen und Mitmenschen.

Beeinflusst von eigenen Erfahrungen mit Isolation während der Lockdowns der letzten Jahre führt die Beschäftigung mit Dickinsons Werk zu weiteren bis heute bedeutsamen Themen: multikulturelle Dimensionen ihres Denk- und Poesieraums, ökologische Aspekte aus einem tief empfundenen Bezug zur Natur sowie Fragen nach Individuum und Gesellschaft, die in der Idee des Eins-Werden mit der Welt münden.

Live-Musik: Charlotte Wilde, Tanz: Kai Chun Chuang, Choreographie: Rose Breuss sowie Licht und Figuren-Interventionen von Michael Vogel.

Premiere ist am Freitag, 2. September, 21 Uhr im Westflügel (Hähnelstraße 27).

Weitere Aufführungen: Sa., 3. September, 21 Uhr, Sonntag, 4. September, 19 Uhr und am 8., 9. und 10. September jeweils 21 Uhr.

10,- / 15,- / 20,- Euro, Onlinekartenkauf über www.westfluegel.de

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