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ADFC fordert bessere Polizeiarbeit zur Aufklärung der Fahrraddiebstähle in Sachsen

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    Der ADFC Sachsen ist besorgt. Nicht erst seit Sachsens Polizei die neuesten Zahlen zum Fahrraddiebstahl bekannt gegeben hat. Auch im ADFC-Fahrrad-Klima-Test ist der Fahrraddiebstahl mittlerweile die größte Sorge der Radfahrer in Sachsen. Seit 2007 ist die Zahl der Fahrraddiebstähle im Freistaat rasant angestiegen - von 15.244 auf 21.500 im Jahr 2014. Aber woran liegt das eigentlich?

    Ein Grund liegt natürlich auf der Hand. „Immer mehr Menschen in Sachsen fahren im Alltag Fahrrad“, stellt der ADFC fest. Das bedeutet eben auch eine Zunahme von Fahrrädern im öffentlichen Raum. Wo es mehr Fahrräder gibt, gibt es mehr zu klauen.

    Mit den verfügbaren Fahrrädern steigt der Diebstahl des gesunden Fortbewegungsmittels. Wie die aktuellen Zahlen des LKA Sachsen zeigen, werden besonders in den sächsischen Großstädten immer mehr Fahrräder gestohlen. In Leipzig, wo die Zahl der Raddiebstähle schon länger hoch ist, wurden 2014 fast 7.000 Diebstähle gemeldet – eine Steigerung um 68 Prozent in fünf Jahren, hat der ADFC ausgerechnet. Auch in Dresden hat der Fahrraddiebstahl Hochkonjunktur. Hier wurden im letzten Jahr zwar 1.000 Räder weniger aus Kellern und von öffentlichen Plätzen entwendet als in der Messestadt. Hier hat der Fahrraddiebstahl aber während der letzten Jahre deutlicher zugenommen als in Leipzig.

    Die Aufklärungsquote liegt mit 13,9 Prozent der Fälle auf einem niedrigem Niveau. Das ist im deutschen Vergleich nicht der schlechteste Wert, zeigt aber, dass der Druck auf Fahrraddiebe sehr gering ist, kommentiert das der ADFC. In Sachsen bleiben 18.000 von den 21.500 gestohlenen Räder unauffindbar.

    Wahrscheinlich könnten sie, wenn es ein wirklich kluges Erfassungssystem gäbe, meistens wiedergefunden werden. Aber es gibt noch keins.

    „Keiner möchte zu spät zur Arbeit erscheinen oder den Einkauf zu Fuß nach Hause tragen, weil Langfinger sich das Zweirad geschnappt haben“, findet Olaf Matthies, Vorsitzender des ADFC Sachsen. „Und wer seinem Kind schon mal erklären musste, dass es böse Menschen gibt, die Fahrräder vom Schulhof stehlen, wünscht sich, dass mehr getan wird.“

    Um des Problems Herr zu werden, sollte an mehreren Punkten angesetzt werden, schätzt der ADFC ein. Und benennt eine echte Wunde in der städtischen Verkehrspolitik. Denn noch dominiert im Straßenraum die Tatsache, dass man sein Rad eher selten irgendwo sicher anschließen kann.

    Sicherere Abstellmöglichkeiten gehören aber nicht nur an zentrale Plätze, sondern überall dorthin, wo Menschen ihr Rad parken wollen, findet der ADFC. So können die Radfahrer der Forderung von Polizei und den Versicherungen nachkommen und ihre Räder an feste Gegenstände anschließen. Doch der Blick vor etliche öffentliche Einrichtungen und selbst die vielen von der Stadt Leipzig so gern gefeierten Supermärkte zeigt: Bei Fahrradabstellanlagen wird gespart. Man baut lieber viele Parkplätze für Pkw als auch nur eine einzige gescheite Abstellanlage für Fahrräder.

    Wer sein Fahrrad noch an billige Felgenkiller anschließt, an denen nur das Vorderrad gesichert werden kann „braucht sich über eine hohe Anzahl von Fahrraddiebstählen nicht wundern“, schätzt das Olaf Matthies ein. „Und es ist auch besser für das Stadtbild, wenn nicht jedes Verkehrsschild als Sicherungsmöglichkeit für das geliebte Fahrrad genutzt wird“.
    Die Sächsische Staatsregierung sollte hier nicht nur mehr Geld in die Hand nehmen, um den Bau von Fahrradabstellanlagen zu fördern, sondern auch einheitliche Vorgaben zum Fahrradparken einführen.

    „Auch auf der polizeilichen Seite muss mehr getan werden“, fordert Olaf Matthies. „Warum gibt es keine Sonderermittlungsgruppen, die an Stellen mit häufigem Diebstahl aktiv werden und moderne Ermittlungsmethoden einsetzen? Auch Fahrräder lassen sich mit GPS orten oder das Internet nach Hehlerware überwachen. Mehr Sichtbarkeit der Polizei, gern auch auf dem Fahrrad, hilft dabei, Dieben das Geschäft zu erschweren.“

    Auch deshalb hält der ADFC die sächsische Polizeireform nicht für sinnvoll. Weniger Personal und größere Zentralisierung werde wahrscheinlich nicht zu einer Verringerung des Fahrraddiebstahls im Freistaat führen. Wer sich die Zahlen für Sachsen anschaut, sieht sogar einen sprunghaften Anstieg der Fahrraddiebstähle im Jahr 2012 von 15.221 im Vorjahr auf 19.828. Fahrraddiebstähle sind also unübersehbar Teil der deutlich angestiegenen Diebstahlszahlen in Sachsen.

    Und nicht jedes gestohlene Rad muss auf dem Schwarzmarkt landen. Hunderte Fahrräder stehen im Leipziger Stadtgebiet und erleiden den sichtbaren Teile-Tod, während sich der Besitzer augenscheinlich um das Rad nicht mehr kümmert – oder auch gar nicht weiß, wo es im Stadtgebiet abgeblieben ist. Die Räder bleiben anonym und auch das Leipziger Ordnungsamt zuckt mit den Schultern, wenn es zum Thema „herrenlose Fahrräder“ angesprochen wird.

    Wie sehr der Fahrraddiebstahl auch mit der Wanderungsbewegung in Sachsen zu tun hat, zeigen die Vergleichszahlen. Während die Zahl der Leipziger Fahrraddiebstähle von 2007 bis 2014 von 4.560 auf 6.933 anstieg (plus 52 Prozent), sank deren Zahl im Landkreis Leipzig von 1.158 auf 966 (minus 16,5 Prozent) und in Nordsachsen von 1.199 auf 951 (minus 20 Prozent).

    Radfahrer selbst könnten sich oft besser gegen Fahrraddiebstahl schützen, meint der ADFC und empfiehlt, 10 Prozent des Kaufpreises in die Sicherheit des Fahrrads zu investieren (Fahrradschloss, kodierte Verschraubungen, Versicherung etc.). Die ADFC-Ortsgruppen in Dresden, Bautzen, Görlitz und Zittau bieten darüber hinaus als weiteren Baustein der Abschreckung eine Fahrradcodierung an.

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    1 KOMMENTAR

    1. Man kann das Problem Fahrraddiebstahl zum einen nicht isoliert betrachten und zum anderen nicht auf die Erhöhung der Diebstahlsicherheit reduzieren.

      Warum werden denn Fahrräder gestohlen und warum steigt die Zahl der Wohnungs- und Autoeinbrüche? Hier muss man an erster Stelle die Beschaffungskriminalität sehen. Mit diesem Wissen, kann man auch die richtigen Ansätze zur Lösung erkennen. Zum einen wäre da die lange und immer stärkere Forderung nach der Legalisierung „harmloser“ Drogen (die jedenfalls nicht schlimmer sind als Alkohol, der ja frei verkäuflich ist) bzw. der kontrollierten Abgabe „harter“ Drogen, um den Markt des illegalen Drogenhandels mit Preisen, die auf legalem Weg für Süchtige nicht zu finanzieren sind, auszutrocknen.

      Der andere Ansatz ist, dass ein gestohlenes Fahrrad, Kupferkabel oder Navigationssystem nicht direkt gegen Drogen eingetauscht werden kann, sondern es Hehlern bedarf (Fahrradhändler, Schrotthändler, Secondhand-Läden), die diese Sachen ohne Herkunftsnachweis ankaufen und damit Profit machen. Wenn gebrauchte Waren ohne nachprüfbaren Herkunftsnachweis nicht verkauft werden dürften (bei Androhung empfindlicher Strafen und regelmäßiger Kontrolle) hätten die Diebe bald keinen Abnehmer für ihr Diebesgut mehr und es wäre nicht mehr sinnvoll, derartige Straftaten zu begehen und die Fallzahlen würden drastisch zurückgehen.

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