Das finale Eigentor der Borussen: Wie wäre ein 3-Punkteverzicht?

Für alle LeserNun hat der BVB wohl ein ähnliches Problem, wie dereinst Lokomotive Leipzig. Nach den Übergriffen beim gestrigen Auswärtsspiel auf RB Leipzig-Fans müsste eigentlich eine Zäsur in Dortmund anstehen. Erst kam es bei der Anreise und während des Spiels in teils straßenschlachtartigen Angriffen auf ältere RB-Fans, Frauen und Kinder bis ins Stadion hinein. Vor dem Stadion wurde – anfangs weitgehend hilflos von der Polizei beobachtet – mit Dosen und Steinen geworfen. Auch die RB-Mannschaft soll bei der Anreise teilweise behindert worden sein, doch auch im Stadion warteten ungewöhnliche Bilder. Transparente mit klaren Gewaltaufrufen zierten die „gelbe Wand“. Und weitere Übergriffe fanden statt.
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28 Straftaten listete die Polizei Nordrhein-Westfalen, Dortmund im Nachgang bislang auf, darunter schwerste Vorwürfe, so Verstöße „gegen das Sprengstoffgesetz, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung.“ Mal abgesehen von „Beleidigung, Widerstand sowie räuberischen Diebstahl“ eine ganz schöne Liste. Im Amtsdeutsch kam es so zum Beispiel „im Bereich der Strobelallee, in Höhe des Stadions Rote Erde, zu massivem Bewurf mit Steinen und Dosen auf vorbeigehende Anhänger des RB Leipzig durch Anhänger von Borussia Dortmund. In diesem Zusammenhang wurden 2 Polizeibeamte und 2 Polizeibeamtinnen sowie ein Diensthund verletzt.“

Mittlerweile ist auch von fünf verletzten RB-Anhängern die Rede, teils im Stadion, denn, so die Polizei: Die Aggressionen und Gewalt „richtete sich gegen jede als Leipzigfan erkennbare Person, egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte. Nur durch das sehr konsequente Einschreiten der Polizeibeamtinnen und -beamten unter Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray konnten weitere Straftaten verhindert werden.“

Diverse Videonachweise im Netz zeigen längst, was damit gemeint ist. Mülltonnen flogen, Steine auch und Bierflaschen, die RB-Fans sind phasenweise vollkommen ungeschützt. Danach berichten einige von Faustschlägen im Stadion, Angst und ein vom Auswärtsspiel heimgekehrter RB-Fan hat nach eigener Schilderung eine gebrochene Nase. Alle sind nach neuesten Informationen zwar wieder zu Hause angekommen – doch der Schock bleibt.

Nur „extreme Ausnahmen“? Nein.

Während sich nun der BVB im entschuldigen übt und gute Kooperation mit der Polizei gelobt (ja, was denn sonst?), stehen zwei Fragen im Raum. Bereits am Abend vor dem Spiel hatten in Dortmund Plakate zum „Bullen schlachten“ aufgerufen, im Stadion ebenso. Hier konnte man noch konkreter Gewaltaufrufe wie „Pflastersteine auf die Bullen!“ und die Aufforderung an RB-Sportchef Ralf Rangnick: „Burnout Ralle, häng dich auf!“ lesen. Zumal ist die Stimmung in Dortmund als Stadt nach Jahren des wirtschaftlichen Abstiegs von Pott zu Sinnsuche nicht die beste.

Wie groß die Gruppe der Angreifer in Dortmund letztlich war, scheint noch unklar – erste Videos im Netz zeigen schnell wechselnde, fast guerillamäßig vorstoßende Einzeltäter und Gruppen, die immer wieder den Fanzug von RB Leipzig attackieren und sich (Video O-Ton) über eine „schlecht organisierte Polizei“ dabei freuen. Betroffen waren davon vor allem diejenigen RB-Anhänger, die mit dem Zug gekommen waren, bevor es anschließend im Stadion weitere Übergriffe gegeben haben soll.

Beide – Polizeiführung und BVB-Vorstandsetage – tun nun etwas überrascht und gerade Dortmund will als Club mit den gewalttätigen Fans nichts zu tun haben. „Wir versichern: Der BVB wird alles daran setzen, das Fehlverhalten der eigenen Anhänger aufzuklären und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten hart zu sanktionieren! Um es ganz deutlich zu sagen: Wer seine Meinung nicht durch Argumente, sondern durch rohe Gewalt und plumpe Beleidigungen ausdrückt, kann, darf und wird nicht Teil der BVB-Familie sein“, so Dr. Reinhard Rauball (Präsident, Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund) und Hans-Joachim Watzke (Vorsitzender Geschäftsführung, Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA) in einer gemeinsamen Erklärung am heutigen Tage.

Aufgrund der vorab stattgefundenen Verbal-Scharmützel seitens des BVB und hier vor allem Hans-Joachim Watzke sieht der Leipziger BVB-Fan und Theaterintendant Jürgen Zielinski einen ganz anderen Schritt nach eigenem Erleben gestern in Dortmund geboten: „Was da rund um das Fußballspiel BvB gegen RB Leipzig von sog. ‚Fans‘ veranstaltet wurde ist nicht nur zutiefst verabscheuungswürdig sondern schlicht kriminell! Es wirft auch Fragen in Richtung Geschäftsführer Watzke auf, den ich als tatbefördernden Brandstifter bezeichnen möchte und somit zum Rücktritt auffordere! Dass die Polizei jedoch gewaltverherrlichende und hasspredigende Plakate etc. im Stadtbild nicht entfernen ließ, ist ebenso eskalationsbefördernd! Schämt Euch! Konsequenzen müssen her!“, so Zielinski heute auf seinem Facebookaccount.

Ein anderer Vorschlag

Da der Hauptvorwurf der Dortmunder Fans am gestrigen 4. Februar 2017 in Richtung RB Leipzig „Ihr macht unseren Sport kaputt“ war, wäre mindestens der Vorschlag, ein 3-Punkteverzicht des BVB im DFB Kontrollausschuss, wohl nach dem 1:0 die eigentliche Maßnahme, um zu zeigen, dass man mehrere Dinge gleichzeitig verstanden hat.

Denn erst wenn das Verhalten vieler vor und im Stadion wie dieses eine echte Auswirkung auf den Tabellenplatz des eigenen Clubs hat, wird die Wahrheit sichtbar: Es zerstören alle die, die Gewalt ausüben, diese tolerieren oder heimlich Beifall klatschen selbst den Sport. Und zwar dann zuerst den der eigenen Mannschaft, was die in Dortmund zu beobachtende Gewalt zum finalen Eigentor machen würde. Kleiner Nebeneffekt: die vielen stummen Borussen würden sich vielleicht auch mal zu Wort melden, wenn der Nachbar randaliert?

Der Rest ist so oder so Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaften vor Ort.

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RBL* Kommentar *FangewaltBVB
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