Schmierereien am Erinnerungsort Flößberg: Neonazis aus dem Landkreis üben Rechtsschreibung

Manchmal stehen sie ganz unscheinbar in der Landschaft: die Erinnerungsmale an die Verbrechen der NS-Zeit. Tatsächlich findet man sie überall im Land. Manchmal versteckt im Wald wie die Erinnerungsstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Flößberg bei Frohburg. Die modernen Vandalen fanden sich problemlos hin und beschmierten einmal mehr, was ihnen weder heilig noch achtenswert war.
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Am 8. August wurde bekannt, dass an das Eingangstor des ehemaligen KZ-Außenlagers Flößberg eine antisemitische Parole sowie Hakenkreuze geschmiert wurden. Sowohl die Täter als auch der Zeitpunkt der Tat sind unbekannt. Die Polizei ermittelt. Das Tor um den Friedhof des ehemaligen KZ-Außenlagers in Flößberg war erst vor kurzem errichtet worden. Der Revierleiter des Staatsbetriebs Sachsenforst hatte die Schmierereien am Eingangstor des Häftlingsfriedhofs Flößberg entdeckt.

Die Mitteilung des Geschichtswerkstatt Flößberg e.V. spricht von „TäterInnen“. Aber das ist denn doch wohl zu viel des Gender-Verständnisses für ein Milieu, in dem die Täter in der Regel jung, männlich und einfallslos sind. Denn das, was sie da auf das Tor schmierten, war weder neu noch kreativ. Und einen Juden werden die Täter wohl ihr Lebtag nicht persönlich getroffen haben.

Hass sucht sich in der Regel ein Objekt, das nicht zurückschlagen kann. Das war 1933 bis 1945 auch nicht viel anders. Und wo die Gefahr bestand, dass die neu ernannten Feinde dennoch Zähne zeigen könnten, da schaukelte man sich im Führer-Duktus hinein in den Wahn. Wo der klare Verstand aussetzt, hilft nur noch blinder Fanatismus. Hass macht besoffen. Dumm sowieso.
Als Ende 1944/Anfang 1945 im thüringischen Konzentrationslager Buchenwald eine Überbelegung drohte, wurden Zweigstellen des KZ errichtet. Eine davon war im Flößberger Wald bei Borna.

Das Denkmal ist das einzige Zeugnis dieser furchtbaren Geschichte.

Nur noch wenige Spuren zeugen heute von der Zeit vom 30. November 1944 bis zum 13. April 1945, als sich in diesem Wald ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald befand, dessen insgesamt 1.904 Häftlinge für die HASAG-Fabrik Leipzig Panzerfäuste herstellten. In den viereinhalb Monaten des Bestehens des Lagers wurden den Zwangsarbeitern mit der Verlegung von etwa 2.350 Meter Eisenbahngleisen und der Errichtung von etwa zehn Häftlingsbaracken, mehreren Baracken für die Bewacher, Unterkünfte für Bautrupps deutscher Firmen und den eigentlichen Produktionsbaracken eine – gemessen an der kurzen Zeit – dermaßen hohe Arbeitsleistung abgefordert, dass es zu gewaltigen Opfern unter den Gefangenen kam.
Allein im Februar und März 1945 wurden 461 Häftlinge als nicht mehr arbeitsfähig nach Buchenwald geschickt. Und insgesamt 168 Menschen starben in Flößberg, also fast neun Prozent der Lagerinsassen. Damit lag die Sterberate im Flößberger KZ sogar höher, als in Buchenwald selbst.

Durch ihre schwere Arbeit, die Kälte und mangelnde Ernährung trat bald ein Massensterben im Zweiglager ein. Die qualvoll Gestorbenen begrub man im Flößberger Wald. Als am 11. April 1945 das Konzentrationslager Buchenwald und somit auch seine Außenstellen befreit wurden, kam endlich die Erlösung für die Inhaftierten. Doch kaum jemand überlebte die Strapazen.

Im Lager Flößberg waren fast ausschließlich jüdische Gefangene inhaftiert – vorwiegend aus Polen und Ungarn. Der Geschichtswerkstatt Flößberg e.V. hat die Daten zur Geschichte des Lagers zusammengetragen.

„Seit September 2010 stehen wir in Kontakt mit dem Verein Geschichtswerkstatt Flößberg e.V. und unterstützen dessen reges Engagement für die Schaffung eines würdigen Gedenkortes an der Stelle“, erklärt die Gruppe Gedenkmarsch zu dem Vorfall. „Wir zeigen uns entsetzt über die Schändung des entstehenden Gedenkortes.“
Der antisemitische Spruch „Der Jude Sieg mit der Lüge und stirbt mit der Wahrheit“ sowie Hakenkreuz-Schmierereien weisen auf einen neonazistischen Hintergrund der Tat hin, schätzt die Gruppe ein. Seit längerer Zeit ist der Landkreis Leipzig ein Schwerpunkt neonazistischer Aktivitäten. Die Opferberatungsstellen der RAA Sachsen e.V. zählen im Landkreis sachsenweit die meisten rechts- und rassistisch motivierten Übergriffe auf Menschen.

„Wir dürfen nicht wegsehen, wenn das Gedenken an das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte – den Nationalsozialismus und die Millionen von Menschen, die ihm zum Opfer fielen – mit Füßen getreten wird“, so die Stellungnahme der Gruppe. „Wir werden die Geschichtswerkstatt weiterhin mit aller Kraft unterstützen, die Erinnerung an das ehemalige Zwangsarbeiterlager Flößberg sichtbar zu machen.“

Im September will die Geschichtswerkstatt Flößberg e.V. darüber beraten, wie man mit den Folgen des Vorfalls umgehen will. Immerhin hat man das Ziel, den Ort zu einer lebendigen Erinnerungsstätte umzugestalten, ihn so auch aus seinem verborgenen Dasein herauszuholen. Die Lage im Wald hat ja nun augenscheinlich ein paar wirklich hinterwäldlerische Zeitgenossen dazu animiert, ihre leeren Phrasen aus dem Wörterbuch der LTI an die Tore zu schmieren. Das Beängstigende ist eigentlich die Leere hinter diesen Phrasen. Wahrscheinlich freuten sich die Wortpinsler auch noch kindisch und glaubten beim Davonlaufen nach getaner Arbeit, eine große Tat getan zu haben.

Nun muss das alles wieder gesäubert werden. Samt Rechtschreibfehler und diesem verknoteten Gedankengang, der wohl nur bei 3 bis 4 Promille Alkohol im Blut funktioniert.

www.floessberg-gedenkt.de

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