Interview mit Legida – Das Original: „Über Leipzig lacht die Sonne, über Legida lacht Leipzig“

Wie kaum eine andere politische Bewegung prägte "LEGIDA - Das Original" mit einer Satire auf Legida das politische Geschehen in den letzten Wochen und Monaten in Leipzig. Gelernt haben diejenigen, die dabei waren, dass Satire nicht nur alles darf, sondern auch dort Lachen bringt, wo man es nicht mehr vermutet. Während "Legida" nach einer langen Pause am Montag, den 15. Juni nach wenig erfolgreichen Versuchen beispielsweise in Wurzen mit weniger als 50 Teilnehmern liefen, nach Leipzig zurückkehrt, war "Legida - Das Original" nie weg.
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Nach der letzten „Vollversammlung“ am 25. Mai, verbunden mit einer von den Veranstaltern als äußerst „machtvoll“ empfundenen Demonstration durch die Leipziger Innenstadt, stellten sich Frau Dr. M. Haschke und Thomas „Kuno“ Kumbernuß einigen Fragen der L-IZ. Eine Art Resumée der etwas anderen Art von „Legida – Das Original“.

Frau Dr. Haschke, Herr Kumbernuß, am Montag, 25. Mai fand mit einem Spaziergang um den gesamten historischen 89er Ring die zumindest vorläufig letzte Vollversammlung der Leipziger Ethanolfreunde gegen die Illegalisierung des Alkohols – kurz „LEGIDA – Das Original“ statt. Wie bewerten Sie nach all den Wochen, nach all den Monaten ihre Veranstaltungen, ihre Präsenz in der Stadt?

Frau Dr. Haschke: Ich empfinde das als vollen Erfolg. „LEGIDA – Das Original“ ist die einzige Kraft, die durchgehalten hat. Wir haben den Augustusplatz, die Opernseite, zurückgewonnen und mussten nicht ins Leipziger Umland flüchten. Und so wie ich die Situation bewerte, kann man sich als Trinkerin wieder mit gutem Gewissen und als angesehene, von der Gesellschaft akzeptierte, Bürgerin auf der Straße sehen lassen. Das ist doch was.

Herr Kumbernuß: Ich möchte mich da der Frau Doktor anschließen. Man darf nicht vergessen, wir haben am Pfingstmontag  dazu aufgerufen, sich aus Protest gegen die Illegalisierung des Alkohols schwarz zu kleiden und öffentlich Alkohol zu konsumieren. Tausende, wenn nicht gar fünfzehntausende Menschen sind diesem Aufruf gefolgt, die Bilder gingen um die Welt, Leipzig war ein einziges schwarzes Meer.

Ordnungsamt und Polizei waren bis einschließlich Montag völlig überfordert. Ob der wie immer ungeheueren Masse, die uns am vergangenen Montag unterstützten, war die Polizei nur mit zwei überforderten und orientierungslosen Beamten kurzfristig vor Ort, Vertreter des Ordnungsamtes erschienen gar nicht erst zu unserer vorläufig letzten Vollversammlung. Ich denke, es war ein großer Erfolg, nicht nur für uns, erst recht für Leipzig.

Frau Dr. Haschke, Herr Kumbernuß, wenn Sie die vergangenen Wochen und Monate Revue passieren lassen, was waren die Höhepunkte? Und gibt es jetzt schon Punkte, wo Sie sagen, Sie haben die Stadt nachhaltig verändert?

"Über Leipzig lacht die Sonne, über Legida lacht Leipzig". Foto: Legida-Das Original

„Über Leipzig lacht die Sonne, über Legida lacht Leipzig“. Foto: Legida-Das Original

Frau Dr. Haschke: Schön war, dass viele Menschen uns unterstützt haben, dass die Bewegung groß geworden ist, dass sie gewachsen ist. Dass Menschen mit einem Lächeln auf die Straße gegangen sind, obwohl Neonazis mit besorgten Bürgern seltsame Praktiken vollzogen. Sicher waren die beiden Spaziergänge besonders schön. Man konnte endlich mal wieder unter sich durch die Innenstadt wanken, ohne dass einem ein Polizist die Flasche aus der Hand reißt (und selber trinkt).

Man darf dabei auch nicht vergessen, dass wir Arbeitsplätze schufen! An den Fließbändern der Brauereien dieser Stadt, an den Theken der Spätverkäufe, an den Tresen der Kneipen und Gaststätten. Und in der medizinischen Notaufnahme. Auch schaufelten sich bei unseren eigenen Veranstaltungen die Pfandsammler im Nachgang die (Flaschen-)Taschen voll.

Herr Kumbernuß: Ich sehe das ähnlich. Mein persönliches Highlight war die Redemokratisierung der Opernseite des Augustusplatzes. Wir haben uns ja nie als Bewegung oder Organisation gegen die andere sogenannte Legida und ihr ewiggestriges Gedankengut verstanden. Unser vorrangiges Ziel war ja der Kampf gegen die Illegalisierung des Alkohols. Es stieß bei uns auf großes Unverständnis, weshalb die andere sogenannte Legida uns vorgezogen wurde und ihnen unser Platz zugewiesen wurde, weshalb wir auf friedlichem Wege diesen zurückgewinnen mussten.

Nachdem dieses uns, und niemandem anderen, gelungen ist, beteiligten wir uns auch an den Protesten gegen die andere sogenannte Legida bei deren Veranstaltungen am Bundesverwaltungsgericht, um ein Zeichen zu setzen, dass sich so etwas nie wiederholen darf. Interessanterweise traut sich die andere sogenannte Legida wieder nach Leipzig, nachdem wir das vorläufige Ende unserer Aktivitäten verkündeten.

Frau Dr. Haschke: Hätte ich Höhepunkte, würde es mich mit Stolz erfüllen, zu sehen, wie wir mit den Mitteln des friedlichen Protestes so viel erreicht haben. Nüchtern betrachtet wurde uns immer vorgeworfen, wir würden den Alkoholkonsum nicht nur fördern, sondern auch verharmlosen. Das stimmt. Und ist auch richtig. Allerdings widerlegt es auch die These, das be- und angetrunkene zur Gewalt neigen.

Herr Kumbernuß: Übergriffe gab es nicht von unser Seite, sondern von der lust- und lebensverneinenden anderen sogenannten Legida, die, wie die geleakten Handydaten nahelegen, unter Mithilfe kleiner Teile der Polizei auf Vertreter der Wahrheitspresse eindreschen durfte und Gegendemonstranten verprügeln konnte. Ich möchte gerne mal wissen, was schlimmer, was gefährlicher ist: nüchterne Nazis oder angetrunkene Demokraten?

Die Redemokratisierung der Opernseite des Augustusplatzes ist gelungen. Ein vollständiger Gang um den Ring folgte.Foto: Legida-Das Original

Die Redemokratisierung der Opernseite des Augustusplatzes ist gelungen. Ein vollständiger Gang um den Ring folgte. Foto: Legida-Das Original

Die, wie Sie es sagen, „andere sogenannte Legida“ will ja aber am 15. Juni wieder durch Leipzig „spazieren“? Offenbar interessiert das Ihre Organisation nicht mehr?

Herr Kumbernuß: Ich weiß nicht, ob ich diesen Haufen noch ernst nehmen sollte. Ihre Großväter, die es immerhin bis Stalingrad geschafft haben, würden sich in den wohlverdienten Gräbern Sibiriens winden, wären ihre Körper nicht ob der dortigen klimatischen Bedingungen etwas steif. Die andere sogenannte Legida schafft es aber selbst bei mehr als einem Dutzend Versuchen noch nicht einmal, um den gesamten Ring Leipzigs zu spazieren.

Frau Dr. Haschke: Mich erinnern die Anhänger der anderen sogenannten Legida immer an Fliegen, die einen großen, nicht gerade appetitlichen Haufen umschwirren, um so ihre Geisteshaltung zu offenbaren. Und ja, Scheiße war schon immer braun. Ich werde sicher auch die nächsten Male ihrem Faschingsaufzug gegenüber, vor vielen Polizisten stehen, die sich fragen, ob und wann sie mir in die Fresse hauen sollen. Weil sie ja die vermummten Wutbürger schützen müssen.

Das entsprechende Make-up zum Kaschieren der blauen Flecke für den nächsten Arbeitstag liegt da in meinem Beautycase selbstverständlich bereit.

Haben Sie zum Abschluss noch ein paar letzte Worte für unsere Leserinnen und Leser?

Frau Dr. Haschke: Zunächst möchte ich mich im Namen des Orga-Teams bei allen bedanken, die uns in den letzten Wochen und Monaten so zahlreich unterstützt haben. Leipzig hat gezeigt, wie es geht. Es ist nicht einfach in Zeiten, in denen einem das Wasser bis zum Hals und der Vertreter der Stadtwerke vor der Tür stehen, noch mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen. Aber ich denke, „LEGIDA – das Original“ war eine Möglichkeit, solche Sachen zu kompensieren.

Nur wer über sich selbst lachen kann, darf auch über die Anderen, die Welt und über die Welt der Anderen lachen.

Herr Kumbernuß: Zustimmend möchte ich da noch ergänzen: Über Leipzig lacht die Sonne, über die andere sogenannte Legida lacht Leipzig. In diesem Sinne: Bier trinkt das Volk!

Frau Dr. Haschke: Und Schnaps!

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Am 24. und 25. Oktober im Westflügel Leipzig: Einmal Schneewittchen, bitte
Foto: Daniel Wagner

Foto: Daniel Wagner

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