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„Die Sprache ist der Schlüssel“

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    Seit Mai bietet eine Kooperation zwischen dem Pandecheion Herberge e.V., dem Diakonissenkrankenhaus Leipzig, der Ökumenischen Flüchtlingshilfe von Diakonie und Caritas und der Kindertagesstätte Arche Noah Sprachkurse für Flüchtlinge an. Das Programm ist besonders an Familien mit Kindern gerichtet, denen ein Einstieg in die deutsche Sprache durch eine zusätzliche Kinderbetreuung erleichtert werden soll. Am Dienstag gewährte das ambitionierte Projekt einen Einblick in seine Arbeit.

    Die Lehramtsstudenten Lina Bart (23) und Marvin Melzer (22) haben sich etwas Großes vorgenommen. Zusammen mit anderen ehrenamtlichen Helfern unterrichten sie Deutsch für Flüchtlingsfamilien im Diakonissenkrankenhaus in der Georg-Schwarz-Straße 49.

    Auf dem Spielplatz der Kindertagesstätte Arche Noah unweit des kleinen Hauses, in dem die Kurse stattfinden, toben Kinder herum und spielen miteinander, während ihre Eltern sich unter anderem mit Verbkonjugationen und der Aussprache von Wörtern beschäftigen.

    Marvin Melzer und Lina Bart. Foto: Alexander Böhm
    Marvin Melzer und Lina Bart. Foto: Alexander Böhm

    „Montags hat es mich genervt, einfach nur gegen Legida mitzulaufen und Nazis auszupfeifen“, erklärt Marvin zu seiner Motivation, am Projekt ehrenamtlich mitzumachen. „Ich dachte mir, da stecke ich meine Energie lieber in etwas Sinnvolleres.“

    „Das ist eine Wahnsinnsbaustelle, die man erst einmal entdeckt hat“, beschreibt Lina den leicht zu unterschätzenden Aufwand, Menschen ihre Muttersprache systematisch zu vermitteln. Ihr Ziel ist es, „dass sie sich ausdrücken können im Alltag.“

    Bei einer Kollegin von ihr, die Deutsch bereits professionell als Fremdsprache gelehrt hat, klingt das bereits ambitionierter. „Das Ziel für uns ist A1“. Gemeint ist nach dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) aber etwas ganz Ähnliches: Alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze sollen verstanden und verwendet werden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfnisse abzielen.

    Mit Russisch, Französisch oder Englisch kann man sich zurzeit verständigen, aber in den Klassen wird mittlerweile Deutsch gesprochen, was ein ausdrücklicher Wunsch von der Seite der Schüler war.

    „Wir haben Flyer verteilt, die in sechs verschiedenen Sprachen gedruckt wurden“, erzählt die Lehramtsstudentin von einer Einladung zu einem Kennenlernentreffen Anfang Mai. „Damit sind wir einem Grundkonflikt aus dem Weg gegangen“, beschreibt sie die Grundannahme des Projekts, die Kurse für so viele Flüchtlingsfamilien wie möglich anbieten zu können.

    Ina Lackert vom Pandechaion Herberge e.V. Foto: Alexander Böhm
    Ina Lackert vom Pandechaion Herberge e.V. Foto: Alexander Böhm

    L-IZ.de hat ebenfalls mit Ina Lackert vom Verein Pandecheion Herberge über das Projekt und über die Bedeutung von Sprache für die Flüchtlinge gesprochen.

    Wie viele Plätze haben sie zur Verfügung?

    Ich denke, eine Klassenstärke mit bis zu 20 ist gut für uns zu handhaben. Sie hat sich bei Plus-Minus zehn eingependelt. Für jemanden, der noch kommen möchte, ist auf jeden Fall noch Platz. Es gibt eine Klasse für Anfänger und eine für Fortgeschrittene. Das Projekt ist ein schönes Beispiel für gelingende Integration. Sprache ist der Schlüssel, mit dem alles anfängt. Wenn wir Flüchtlinge mit Sprache befähigen, erschließt sich ihnen eine ganz neue Welt in unserer Gesellschaft.

    Werden sie vom Bund oder Land gefördert?

    Diese Sprachkurse sind rein ehrenamtlich auf die Beine gestellt, mit den Mitteln, die vorhanden sind. Das was angeschafft werden musste, haben wir durch Spenden finanziert. Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass für die Sprache auf jeden Fall Mittel bereitgestellt werden müssen, weil sich damit die Welt für die Flüchtlinge erschließt.

    Wie kommen die Flüchtlinge in die Kurse?

    Wir haben das bekanntgemacht in den relevanten Stellen. Wir haben alle eingeladen, die daran teilnehmen möchten. Die Lehrer haben kurze Einstufungstests mit den Schülern durchgeführt. Sie machen es auch im laufenden Format und können ermessen, ob die Anfänger- und die Fortgeschrittenenklasse angemessen ist.

    Für welche Sprachen aus welchen Herkunftsländern bieten sie die Kurse an?

    Ich denke, es ist eine breite Palette an Ländern. Wir haben viele aus der russischen Föderation, aus Syrien, aus den Balkanländern, aus Afghanistan, also ein ganz breites Spektrum und immer zu erweitern. Wir nehmen jedes Land, das zu uns kommt.

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