Tanners Interview mit dem Tausendsassa, Tacaholics-Mitinhaber und Musikanten Ian Cox

Mit dem Ian Cox stand der Tanner schon auf so mancher Bühne, um gemeinsam dem großen Kanadier der Herzen, Mister Leonard Cohen zu huldigen. Trotzdem bleiben immer mal Fragen offen, die gestellt werden müssen. Fragen nach Lösungen, Fragen, die Sichten eines Mannes aus Großbritannien hervorrufen. Unser Planet ist ein Garten. Und die Arschlöcher sind die mit den Löchern in der Seele:
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Die meisten Menschen kennen Dich als Frontmann bei Cox & The Riot. Du bist aber auch mit dem Tacoholics verbandelt. Welche Rolle spielst Du denn dort?

Der Laden gehört einem sehr guten Freund, den ich seit 10 Jahren kenne – dem Lee Parker aus Kentucky. Er wollte letztes Jahr was Neues machen in Richtung Restaurant und hat mich gefragt, ob ich als Partner einsteigen will. Also bin ich jetzt Ladenbesitzer zusammen mit ihm. Ich koordiniere den täglichen Ablauf dort und organisiere Unterhaltungsangebote, wie unsere zwei Quizveranstaltungen und Musik.

Die englischsprachige Community in Leipzig ist ja äußerst rege. Es gibt Quizveranstaltungen, Theater etc. – auch Du mischst da mit. Wobei denn genau? Und warum?

Weil ich viel lustiger auf Englisch bin! Aber, ohne Witz, finde ich, jeder sollte seiner Gemeinde was von sich selbst anbieten, was Besonderes und was man teilen will. Für mich sind das meine Erfahrung und meine Fähigkeiten mit der englischen Sprache und Kultur. Das kenne ich. Ich würde Samba Parties veranstalten, wenn ich Brasilianer wäre. Ich finde eine bunte Stadt mit vielen kulturellen Angeboten ist eine schöne Stadt.

Eines der drängenden Themen unserer Zeit sind die Wanderungsbewegungen von Menschen, denen der europäische Massenkonsum die Heimat zerstört und die deshalb hierher kommen. Du selber kommst ja auch von außerhalb der deutschen Mauern. Die Insel, auf der Du geboren wurdest, ist sich selbst auch nicht wirklich sicher, ob sie zu Europa gehört. Was hälst Du denn von den Ängsten der hiesigen Uninformierten? Du hast ja schon weltweit gelebt, gibt es Lösungen?

Ich finde es sehr traurig, dass Menschen ihre Heimat verlassen mussten, weil es aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich ist, dort zu wohnen. Niemand wird in diese Situation freiwillig gehen. Mit solchen Menschen sollten wir unser Mitleid teilen und ihnen mit offenen Armen unsere Hilfe anbieten. Wie du erwähnt hast, in vielen Fällen ist unsere Marktwirtschaft und Außenpolitik daran schuld und als Europäer haben wir jahrhundertelang die Welt ausgenutzt, um diesen riesigen kapitalistischen Mechanismus aufzubauen. Es ist Zeit, dass wir Verantwortung dafür tragen.

Die Leute, die Angst davor haben, sind meistens schlecht informiert, wenig gereist und haben wenig Kontakt mit Menschen außerhalb ihrer Umgebung. Meine Erfahrung von Reisen und das Leben in anderen Ländern ist, dass die meisten Menschen im Kern gleich sind – und fast alle sind nett. Die wichtigsten Dinge für die meisten Menschen, die auf diesem drehenden Stein zusammen wohnen, sind Freunde, Familie, Sozialkontakt und Liebe. Nur die, die da oben stehen, sind wirklich Arschlöcher, aber das trifft zu, weil jemand, der so viel haben muss, der hat ein Loch irgendwo in seiner Seele. Seid nett zueinander, seid lieb, weil wir alle nur Menschen sind, die keine Ahnung haben, warum wir hier sind. All you need is love. Love is all you need. Das ist die einzige Lösung.

Wie oft siehst Du eigentlich jährlich Deine Familie? Und wie ist es mit der Sehnsucht?

Ich sehe meine Familie nicht so oft wie ich will, weil sie ziemlich weit weg sind und wir haben alle viel zu tun. Ich vermisse sie natürlich sehr – aber dafür habe ich viele gute Freunde hier in Leipzig, die mein Herz, genauso wie ein Familienmitglied, berühren können. Und ich habe vor ein paar Tagen erfahren, dass mein Bruder nach Antwerpen umzieht und die Verbindung zwischen Berlin und Brüssel sehr günstig ist, also ich glaube, ich werde ihn viel öfter sehen. Ich freue mich darauf.

Danke, Ian, für die Antworten.

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